Sido ist ein Familienmensch

Rapper Sido: “Die Familie ist mir wichtiger als mein Job”

Montag, 04. Dezember 2017 | 12:23 Uhr

Die Hochzeit mit Ehefrau Charlotte Würdig (geb. Engelhardt) hat ihn verändert. “Ich bin ein Familienmensch”, sagt der Berliner Rapper Paul “Sido” Würdig im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. In seinem neuen Film “Eine Braut kommt selten allein” spielt der 36-Jährige den vom Leben enttäuschten Hartz-IV-Empfänger Johnny.

Dessen Leben ändert sich schlagartig, als er auf die attraktive Romni Sophia trifft. Die quartiert kurzerhand ihre ganze Familie aus Serbien bei ihm ein. Für Sido, der selbst Sinti-Wurzeln hat, war der Filmdreh eine “Herzensangelegenheit”. Zu sehen ist das TV-Drama am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD.

Frage: Was ist Ihre Filmfigur Johnny für ein Typ?

Sido: Ein Loser. Sein Problem ist das Kiffen. Manche Menschen werden dadurch zum Hänger; antriebslos und ohne Elan. Johnny ist einer davon. Und er kann verdammt schlecht Nein sagen.

Frage: Fällt es Ihnen privat auch schwer, einen Gefallen auszuschlagen?

Sido: Nee, im Gegenteil: Ich kann sehr gut abwägen, was gut und was schlecht für mich ist, und danach handle ich. Dass ich eine ganze Roma-Familie bei mir einquartiere wie im Film, kann mir nicht passieren (lacht). Aber ziemlich wahrscheinlich würde ich ihnen meine Hilfe anbieten.

Frage: Der Film behandelt auf witzig-charmante Art ein gesellschaftlich-schwieriges Thema: Das Leben von Roma in Deutschland. Sie haben auch Sinti-Wurzeln – wurden Sie aufgrund Ihrer Herkunft schon mal diskriminiert?

Sido: Ich selbst nicht. Ich bin ja ziemlich hellhäutig geraten. Aber meine Mutter wurde früher wegen ihrer dunklen Hautfarbe als “Neger” oder “Kanake” beschimpft. Als wir ins Märkische Viertel (Großsiedlung in Berlin-Reinickendorf, Anm.) zogen, änderte sich das. Dort wohnten viele Migranten. Alle steckten in derselben Lage.

Frage: Und heute?

Sido: Seit wir im Berliner Randbezirk wohnen, hören wir es wieder häufiger. Dort ist man noch nicht so auf “fremde Menschen” eingestellt. Das bringen manche Leute zum Ausdruck. Vor einiger Zeit bekamen wir einen Brief, in dem wir als “Zigeunerpack” betitelt wurden. Mir ist das Gerede egal. Aber meiner Mutter, die jetzt auch bei uns eingezogen ist, geht das sehr nahe.

Frage: Finden Sie, Antiziganismus wird in Deutschland ausreichend thematisiert?

Sido: Ich denke, es wird zu wenig über Diskriminierung von Sinti und Roma gesprochen. Das ist eine Randgruppe der Randgruppen, die sehr wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Frage: Kommen wir zu Ihrem Privatleben: Wie halten Sie die Balance zwischen Job und Familienleben?

Sido: Ich teile mir das gut ein. Ich bin kein Workaholic. Ich arbeite gerne und bin fleißig. Aber ich nehme mir auch sehr viel Zeit für die Familie.

Frage: Hat sich das bei Ihnen mit den Kindern verändert?

Sido: Meinen ersten Sohn hatte ich ja schon mit 19. Ich denke eher, die Hochzeit hat mich verändert, das Haus, die Ruhe. Ich bin ein kompletter Familienmensch. Die Familie ist mir wichtiger als mein Job.

Frage: Würden Sie irgendwann Sido einmal Sido sein lassen, um mehr Zeit für deine Familie zu haben?

Sido: Mit Sido ist es irgendwann eh vorbei. Und dann höre ich von alleine auf zu singen. Ich werde dem Ruhm nicht hinterherrennen.

Frage: Fühlen Sie sich manchmal zu alt fürs Rap-Geschäft?

Sido: Früher dachte ich, mit Mitte 30 ist Schluss mit Rap. Heute weiß ich, es gibt auch einen Hip-Hop, den wir Älteren machen können. Aber er muss anders sein, erwachsener, nachdenklicher – so wie ich. Wir sind ja die ersten Rapper der älteren Generation – und wir haben Erfolg. Gerade sind wir mit unserer neuen Platte “Royal Bunker” auf Platz Eins der deutschen Album-Charts. Rappen kann man immer. Man muss sich nur selbst treu bleiben. Ich werde nicht anfangen, diese neumodische Musik zu machen, nur um damit Geld zu verdienen.

Von: APA/dpa

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