Glück wird aktuell mit Retrospektive in Wien geehrt

Regisseur Glück: “Ich habe objektive Distanz zu meinem Werk”

Mittwoch, 17. Mai 2017 | 09:19 Uhr

Er gehörte zu den produktivsten Regisseuren Österreichs, der sich im Fernsehfilm ebenso tummelte wie am Theater, in der Oper ebenso wie im Kinofilm: Wolfgang Glück. Im Wiener Metro Kinokulturhaus wurde am Dienstagabend die erste große Retrospektive zum Oeuvre des heute 87-Jährigen eröffnet, der mit “1938 – Auch das war Wien” die erste Nominierung zum Auslandsoscar nach Österreich holte.

Entsprechend klingend waren die Namen jener Weggefährten, die sich zur Eröffnung einfanden, und von seinem Freund Otto Schenk über Schauspielerin Erika Pluhar bis zu seinem Schüler Michael Haneke reichten. “Du warst für mich ein verlässlicher Beschützer der Echtheit”, zollte Schenk Glück seinen Respekt. Man kennt sich bereits seit 1942 zu Eislaufvereinszeiten. Melancholischer zeigte sich da Erika Pluhar, Hauptdarstellerin der Schnitzler-Verfilmung “Traumnovelle” aus 1969, die den Auftakt der Retrospektive am Dienstagabend markierte. “Fast alle, die da in dem Film zu sehen waren, sind tot”, sinnierte die 78-Jährige über das zuvor Gesehene: “Ich werde auch bald weg sein und habe mich da gerade noch gesehen.”

Glück selbst, geboren am 25. September 1929 ins Wiener Großbürgertum, kam über die Arbeit am Theater zum Fernsehen und von dort zum Kino. Allerdings hielt er stets alle Bälle in der Luft, ließ sich nie auf ein Genre einengen und war vom Burgtheater über die Salzburger bis zu den Bregenzer Festspiele auch weiterhin an der Bühne engagiert. Einen Namen in der breiten Öffentlichkeit machte sich Glück jedoch mit seinen Literaturadaptionen fürs Kino, allen voran “Der Schüler Gerber” (1981) nach Friedrich Torberg und “38 – Auch das war Wien” (1987), die ihm eine Oscar-Nominierungen einbrachte. Über 80 abendfüllende Spielfilme, 400 Fernseharbeiten und über 100 Theaterinszenierungen finden sich im Lebenswerk des Vielarbeiters. Die APA sprach anlässlich seiner Würdigung mit Glück über die Haltung zum eigenen Werk, seine Eitelkeit und seinen besten Freund.

APA: Im Filmarchiv ist nun die erste große Retrospektive zu Ihrem Werk zu sehen. Sehen Sie das primär als Ehre, oder ist das für Sie auch ein zweischneidiges Schwert als Hinweis auf Ihr Alter?

Wolfgang Glück: Es ist eine Freude, dass ich noch am Leben bin und die Retrospektive nicht erst nachher kommt! Ich bin grundsätzlich hoch zufrieden – und bin auch stolz darauf, das gebe ich zu. So eitel bin ich.

APA: Was erwarten Sie sich persönlich von der Begegnung mit ihrem Oeuvre?

Glück: Ich werde in 14 Tagen sagen können: Hätte ich das oder das anders gemacht. Und vielleicht finde ich das eine oder andere wirklich sehr gut.

APA: Was macht einen Film für Sie persönlich zum Misserfolg?

Glück: Bisweilen habe ich mich in der Besetzung geirrt und den falschen Schauspieler gewählt. Das hatte manchmal mit der Sprache zu tun, da ich mich etwa sehr bemüht habe, österreichische Literatur zu verfilmen – Leute wie Handke oder Bachmann. Das ist nicht immer gelungen, und das finde ich beschissen. Und manches ist mir gut gelungen. Ich glaube, ich habe eine objektive Distanz zu meinem Werk. Hoffe ich zumindest.

APA: Wie repräsentativ ist die Zusammenstellung ihrer Rückschau?

Glück: Ich habe zwar mit dem Kurator Paul Poet die Auswahl getroffen – allerdings hat auch der Kapitalismus das Seinige beigetragen, da die Rechte für manche Projekte zu teuer gewesen wären. Wirklich vermisse ich aber nur zwei Dinge: Paula Wessely, die beruflich eine große Rolle für mich gespielt hat, und, dass Hans-Joachim Kulenkampff nicht vorkommt. Er war der beste Freunde, den ich im Erwachsenenalter je gehabt habe. Und ich habe mit ihm sehr viel gedreht, er war ein ernst zu nehmender Schauspieler, wenn man ihn gelassen hat.

APA: Sie galten als der Meister der Literaturverfilmungen im Fernsehen. Weshalb gibt es dieses Genre im heutigen TV kaum noch?

Glück: Das liegt daran, dass sich der Film verändert hat. Eine Geschichte zu erzählen, ist heute nicht mehr gefragt. Es gibt verschiedenste Narrationsebenen, die sich überlagern, keinen Start und kein Ziel haben. Assoziativ nennen das die jungen Leute. Ich komme da oftmals nicht mehr mit. Ich bin vielleicht zu analog in meinem hohen Alter.

APA: Wenn Sie persönlich Rückschau auf ihre Karriere halten: Gibt es Dinge, die Sie heute bedauern?

Glück: Ich wäre wirklich undankbar, wenn ich etwas bedauern würde. Ich war zeitweise der meistbeschäftigte Regisseur Europas. Das ist natürlich kein Qualitätskriterium, aber das Merkmal einer Karriere. Einzig das, was mich am meisten interessiert hat, der Spielfilm, konnte ich wenig machen.

APA: Sind Sie ein nostalgischer Mensch?

Glück: Mittlerweile werde ich nostalgisch. Durch die Retrospektive bin ich nachdenklich geworden, wie alles gekommen ist, meine berufliche Entwicklung. Das liegt auch am Kurator Paul Poet. Er schätzt oder überschätzt mich – das ist wunderschön. (lacht)

Von: apa