Coolidge kämpft für mehr Gleichberechtigung in Hollywood

Regisseurin Martha Coolidge feiert ihren 70. Geburtstag

Mittwoch, 17. August 2016 | 09:30 Uhr

Die Kamera lief im Grunde von Anfang an. Schon ihr Vater habe sie als Kind beim Spielen mit der 8-Millimeter-Kamera gefilmt, erinnerte sich Martha Coolidge in einem Interview 2011. Heute verdankt Hollywood der in New Haven (Connecticut) geborenen Regisseurin, dass sich die Filmbranche Frauen gegenüber nach und nach geöffnet hat. Am 17. August feiert Martha Coolidge ihren 70. Geburtstag.

Gleich vorweg: Von Gleichberechtigung kann in der Filmwelt noch lang keine Rede sein. In den 250 umsatzstärksten Filmen des vergangenen Jahres machten Frauen gerade einmal 19 Prozent der Regisseure, Drehbuchautoren, Produzenten, Cutter und Kameraleute aus. Zu diesem Ergebnis kam das Center for the Study of Women in Television and Film der San Diego State University in Kalifornien. Mit Blick auf Regisseure entspricht das dem Anteil des Jahres 1998.

Doch Coolidge ließ sich von dieser nach wie vor männlich dominierten Branche nie abschrecken. Im Studium an der Rhode Island School of Design war sie die erste, die Film als Hauptfach wählte, bevor sie anschließend an der Schule für Film und Fernsehen der New York University 1974 ihren Abschluss machte. Ihre ersten zwei Dokumentationen handelten von der Drogenabhängigkeit ihres Bruders und ihrer persönlichen Erfahrung mit Vergewaltigung.

Als Coolidge 1983 mit der Teenie-Komödie “Valley Girl” ihr Debüt veröffentlichte, hatte sie nicht nur den jungen Nicolas Cage als Schauspieler entdeckt, sondern sich auch das eigene Sprungbrett für Filme mit größerem Budget geschaffen. Die Komödie “Was für ein Genie” brachte 1985 den damals noch unbekannten Val Kilmer auf die Leinwand, der wie Cage später ebenfalls groß rauskommen sollte.

Coolidge drehte Filme für Kino und Fernsehen, packte ernste wie lustige Themen an und navigierte souverän durch die Männerwelt namens Hollywood. Immer wieder thematisierte sie die von Stereotypen beherrschte Welt der Geschlechter, so etwa in ihrem bekanntesten Film “Die Lust der schönen Rose” von 1991, der sich um sexuelle Ausbeutung einer Haushaltshilfe dreht. In “Angie” von 1994, in dem Coolidge mit James Gandolfini ein drittes großes Schauspieltalent entdeckte, wird eine junge New Yorkerin unverhofft schwanger.

Wie schwierig die leitende Rolle des Regisseurs sein kann, verriet sie in einem Interview zu “Der Prinz & ich” von 2004: “Egal, was für gute oder schlechte Entscheidungen die anderen getroffen haben, Dir werden sie vorgeworfen.” Coolidge drehte zuletzt vor allem einzelne Folgen für TV-Serien, darunter “CSI: Vegas” und “Sex and the City”. Dass sie 2002 als erste Frau überhaupt zur Präsidentin der Directors Guild of America (DGA) und damit dem wichtigsten Regisseurs-Verband der USA gewählt worden war, gilt trotz aller offenen Baustellen in Sachen Gleichberechtigung bis heute als wichtiger Schritt.

Für wilde Kamerafahrten und technische Tricks hatte Coolidge in ihrer Karriere unterdessen nie viel übrig: “Wenn Du von diesen Leuten berührt wirst auf eine Weise, dass Du Dich mit ihnen identifizierst, mit ihnen lachst, mit ihnen weinst und ihre Wärme spürst, dann betrachten die Menschen sich selbst”, sagte sie über das Verhältnis vom Kinogänger zu den Darstellern auf der Leinwand. “Die Kamera soll da nicht zu sehr im Weg sein.”

Von: APA/dpa

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