Ehrung eines ganz großen Showmasters

Retrofeier für Frank Elstner zum 75er im ORF

Donnerstag, 06. April 2017 | 16:45 Uhr

Wenn Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Barbara Schöneberger und Michelle Hunziker sich in Overalls und Plateaustiefeln als ABBA auf die Bühne stellen, ist der Anlass ein großer: Frank Elstner wird am 19. April 75. Deshalb feiern ARD und ORF 2 am Samstag (8. April) den “Wetten, dass..?”-Erfinder, Moderator von mehr 1.700 Sendungen, Bundesverdienstkreuzträger und “Oberösterreicher des Jahrhunderts”.

“Top, die Wette gilt!” heißt die Samstagabendshow im 195-minütigen XL-Format. Es ist eine Hommage an den in Linz geborenen “Grandseigneurs der Samstagabendunterhaltung” – mit einer Show, die an eine Fernsehära erinnert, die es spätestens seit dem Aus von Elstners Geniestreich “Wetten, dass..?” so nicht mehr gibt. “Irgendjemand hat eine Schnapsidee gehabt, und die Welt hat zugeschaut”, fasst Gottschalk zwischendurch das Erfolgsrezept der Wettshow zusammen, die Elstner sich eines Nachts am Küchentisch ausgedacht und dann zum Quotenhit gemacht hat.

Für einen Abend verschwimmen im Berliner Studio Adlershof die Grenzen zwischen Elstners letzter “Wetten, dass..?”-Sendung im Jahr 1987 und der Gegenwart. Nun führt Kai Pflaume im schnittigen Dreiteiler durch die Show, in dem er mit Wettstars der 1980er “Top, die Wette gilt!” rufen darf, während er mit Elstner als Ehrengast das “Who is Who” der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung auf seiner Couch begrüßt.

Neben Jauch und Gottschalk sitzen dann etwa die Komiker Karl Dall und Dieter Hallervorden und im Doppelpack die Fernsehmoderatorinnen Michelle Hunziker und Barbara Schöneberger. Als Überraschungsgast taucht der 81-jährige französische Kinostar Alain Delon auf und schreitet Arm in Arm mit Elstner die Stufen zum Studio herab. Dagegen wirkt der 65-jährige Wolfgang Lippert, der in der DDR als “Gottschalk des Ostens” galt und “Wetten dass..?” zwischenzeitlich ebenfalls moderiert hat, bei seinen Showeinlagen geradezu jugendlich. Die Jungspunde des Abends, weil in ihren Mittdreißigern, sind das Moderatorengespann Joko und Klaas – die Elstner dann auch mit jeder Menge Lob als Zukunft des Unterhaltungsfernsehens preist.

Statt Zukunft gibt es also vor allem viel Vergangenheit. Es gibt Einspieler mit Rückblicken auf die illustre Fernsehgeschichte Elstners von seinem ersten Auftritt bei “Spiel ohne Grenzen” im Alter von 24, seinem noch früheren Ruhm als Bademantel-bekleideter “Bravo”-Star und ausschweifenden Erinnerungen an Shows wie “Verstehen Sie Spass..?” und dem 70er-Jahre-Hit “Montagsmaler”. Dazwischen wird vor allem gewettet.

Dabei tauchen etliche “Wetten, dass…?”-Gäste aus alten Zeiten wieder auf, wie die Linzer Schwestern, die auch knapp 30 Jahre später noch ihren Trick beherrschen, einander durch Augenrollen Wörter zu buchstabieren. Auch zwei talentierte Baggerfahrer, die einst mit der Schaufel Elfmeter schossen, sind wieder dabei.

“Wir haben auch so schöne Bagger in Frankreich, aber einen Frank Elstner haben wir nicht”, sagt Wettpate Alain Delon. Dann taucht Hallervorden im Punkkostüm auf, als Wettstrafe mit “dem zweitstinkigsten Käse der Welt” (Pflaume), der bei den Gourmets Elstner und Delon aber für Verzückung sorgt.

Das Rezept der Sendung geht auf: Man kann einfach nicht wegsehen, wenn Joko und Klaas versuchen, 100 rohe Eier in Schnapsgläsern durch Anpusten zu wenden, oder Schöneberger und Hunziker ihre Nasen als Thermometer in Wassertanks stecken. Und wer eine Wette verliert, muss dran glauben – und sei die Strafe, in Schlaghosen und mit Perücke einen ABBA-Hit zu singen.

Die große Samstagabendretro bleibt allerdings nicht die einzige Würdigung des ORF an den gebürtigen Linzer. Am 9. April wird Felix Breisachs Doku “Mein Linz” um 23.05 Uhr in ORF 2 gezeigt. Dabei führt Elstner durch die oberösterreichische Landeshauptstadt aus seiner Perspektive. Allerdings hatte Elstner nur drei Wochen seines Lebens – kurz nach seiner Geburt – in Linz gelebt.

Von: APA/dpa