Die stillere Hälfte des Duos: Sepp Krassnitzer

Robinson von “Waterloo & Robinson” wird 70

Freitag, 14. April 2017 | 09:33 Uhr

“Good old Hollywood is dying …”: Die Traumfabrik ist zwar noch am Leben, der nostalgische Abgesang auf das Filmwunder hat aber einem österreichischen Duo die Tür in die weite Welt geöffnet. Mit dem Song “Hollywood” schafften Waterloo & Robinson Anfang der 70er-Jahre ihren Durchbruch. Die stillere Hälfte des Duos, Sepp “Robinson” Krassnitzer, feiert nun am Karsamstag seinen 70. Geburtstag.

Es war eine turbulente Karriere, die der groß gewachsene Hans Kreuzmayr alias Waterloo und sein schnauzbärtiger Kollege hingelegt haben. In einer Linzer Boutique lernten sich die beiden kennen und kamen schnell auf einen gemeinsamen Nenner: ihre Leidenschaft für Musik. Für Robinson folgten danach keineswegs die ersten Schritte im Business, hatte sich der am 15. April 1947 im Kärntner Straßburg geborene Grafiker doch schon zuvor neben seinem Brotjob in diversen Formationen versucht, etwa mit seiner Band The Roosters.

Aus jener Zeit rührt auch sein Spitzname, weil seine Bandkollegen ihn “als Aussteiger in Sache Musik bezeichneten”, wie seiner Biografie zu entnehmen ist. Mit Waterloo kam dieser Aussteiger schließlich an: Songs wie “Du kannst sehen” oder “Baby Blue” klettern in der Hitparade ganz nach oben, und das von Christian Kolonovits verfasste “Hollywood” ist ohnehin bis heute ein Dauerbrenner in Sachen österreichischer Schlager bzw. Pop mit internationalem Anstrich. Die ganz große, fernsehtaugliche Bühne wurde 1976 beim Eurovision Song Contest – damals noch als Grand Prix Eurovision de la Chanson firmierend – erklommen. Mit “My Little World” reichte es für das Duo in Den Haag immerhin zum fünften Rang.

In den Jahren darauf folgten weitere Produktionen und etliche Erfolge in Deutschland, bevor es zum ersten Mal im Getriebe des Hitduos knirschte. Nach dem (ersten) Abschied Anfang der 80er Jahre gingen die beiden Künstler zunächst getrennte Wege, wobei es um Krassnitzer deutlich ruhiger als um seinen langjährigen Kollegen wurde. Neben Soloprojekten setzte er sich besonders für Nachwuchsmusiker ein. Einige Jahre später fanden Waterloo & Robinson wieder zusammen, auch neue Aufnahmen wurden veröffentlicht.

Nicht zuletzt der Song Contest sollte nochmals eine Rolle spielen, allerdings nicht unbedingt eine rühmliche: 2004 machte man für den Gesangswettbewerb wieder gemeinsame Sache, wurde bei der österreichischen Vorausscheidung allerdings nur Zweiter hinter der Boyband Tie Break. Die Folge war ein Antrag auf einstweilige Verfügung gegen deren Titel “Du bist”, da dieser das Zeitlimit des ESC überschritten hätte. Außerdem wurden Plagiatsvorwürfe geäußert. Ungeachtet dessen war man 2015 bei den Feiern zum 60. Song Contest in Wien natürlich mit von der Partie und ließ alte Zeiten wieder aufleben.

Ungeachtet der gemeinsamen Vergangenheit steht für beide Musiker derzeit aber die eigene Karriere wieder im Fokus. Bei Robinson bedeutet das auch, seiner Malerei nachzugehen. Aber auf die Musik muss man keineswegs verzichten, sind seiner Webseite doch etliche Livetermine mit “Robinson & Friends” zu entnehmen. Evergreens werden eben nie wirklich alt.

www.robinson.or.at

Von: apa