Tom Petty bei einem Auftritt im Jahr 2016

Rocklegende Tom Petty mit 66 Jahren gestorben

Dienstag, 03. Oktober 2017 | 15:54 Uhr

Gerade erst hatte Tom Petty mit seinen Heartbreakers eine Tournee abgeschlossen, die sie sich selbst zum 40. Jubiläum geschenkt hatten. Eine Abschiedstour sollte es sein. Aber mit der Musik aufhören wollte Petty noch lange nicht. Jetzt ist der Sänger überraschend im Alter von 66 Jahren gestorben.

Ob mit den Heartbreakers, gemeinsam mit anderen Superstars wie Bob Dylan, George Harrison, Ringo Starr und Roy Orbison oder solo – Tom Petty war Ausnahmemusiker und Rock’n’Roll-Legende. Songs wie “American Girl”, “Free Fallin'”, “Refugee” oder “I Won’t Back Down” sind längst Klassiker. Für November waren noch Solo-Konzerte in New York angesagt.

Seiner Familie zufolge hatte Petty am Sonntag in seinem Haus in Malibu einen Herzstillstand erlitten. Rettungskräfte brachten ihn ins Krankenhaus.

Pettys Karriere fing an, als der damals Zehnjährige aus Florida einem jungen Mann vorgestellt wurde – Elvis Presley. “Er sah unwirklich aus, als würde er hell strahlen”, erinnerte sich Petty viele Jahre später in einem Interview. Faszinierend, geradezu spirituell sei Elvis mit seiner Entourage gewesen. “Es war wie eine Prozession in der Kirche. Eine Schlange weißer Cadillacs und Mohair-Anzüge.” Dann sah der junge Petty auch noch die Beatles im Fernsehen und sein Berufswunsch war klar.

Nach der Schule ging er noch kurz auf ein College, aber dann begann er, Bands zu gründen. Mit Tom Petty & the Heartbreakers feierte er ab den 70er Jahren Erfolge, erst in Europa, dann auch im Heimatland. In den 80ern gehörten Petty And The Heartbreakers zu den festen Größen im amerikanischen Musikgeschäft und spielten mit Grateful Dead und anderen Rocklegenden zusammen.

Dann kamen die Traveling Wilburys, eine sogenannte Superband bestehend aus Mitgliedern, die schon vorher Stars waren: Ex-Beatle George Harrison, Roy Orbison, Jeff Lynne von ELO, Bob Dylan und Tom Petty. Die fünf Musiklegenden legten ein erfolgreiches Debüt vor, doch dann starb überraschend Roy Orbison. Die übrigen vier machten noch eine zweite Platte, dann war Schluss. Immer wieder wurde über ein neues Projekt gemunkelt, doch die letzte Hoffnung starb 2001 mit Harrison. Ein Stück Musikgeschichte waren die “Wilburys” da längst.

Petty, der auch eine eigene Radioshow hatte, war in den 90ern vom Rock abgerückt und machte eher Pop – 1996 für “She’s the One” mit Jennifer Aniston und Cameron Diaz sogar Filmmusik. Das letzte Album der Heartbreakers, “Hypnotic Eye”, schaffte es 2014 auf Platz 1 der Charts in den USA.

Musiker reagierten mit Trauer. “Es sind schockierende, erdrückende Neuigkeiten. Tom bedeutete die Welt für mich”, teilte Bob Dylan dem “Rolling Stone” mit. “Er war ein großartiger Künstler, voller Licht, ein Freund, und ich werde ihn nie vergessen.” Die Band Coldplay legte bei einem Konzert in Portland eine Schweigeminute für Petty ein und spielte anschließend eine eigene Interpretation von “Free Fallin'”. Rockmusiker Bon Jovi schrieb auf Twitter, Petty sei eines seiner großen Vorbilder gewesen. Der frühere Beatles-Musiker Ringo Starr schrieb, er werde Petty vermissen. Auch Paul McCartney, Bryan Adams, Sheryl Crow, Billy Idol und Brian Wilson von den Beach Boys drückten ihre Trauer über Pettys Tod auf Twitter aus.

Über seinen Stil sagte Petty einmal dem “Rolling Stone”: “Wir sind keine Punkband, wir machen keinen Folk Rock, Jazz Rock oder irgend so einen Blödsinn. Einfach nur Rock! Wir wären blöd, dem einen anderen Namen zu verpassen.” 2002 wurde der Musiker in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Mit der Musik aufhören wollte Petty, der zum zweiten Mal verheiratet war und aus erster Ehe zwei Töchter hatte, noch lange nicht. Aber die gerade beendete Heartbreakers-Tour werde wohl die letzte große US-Tournee sein, hatte er zuvor dem “Rolling Stone” gesagt. “Ich denke, es wird meine letzte Reise durchs Land sein. Wir sind ja alle weit über 60. Ich habe jetzt eine Enkeltochter, die ich so viel wie möglich sehen möchte. Ich möchte mein Leben nicht auf Reisen verbringen.”

Von: APA/dpa/ag.