Mick Jagger ist wieder fit

Rolling-Stones-Pianist: “Jaggers Stimme so gut wie nie”

Montag, 27. Juni 2022 | 06:35 Uhr

Mick Jagger hat Covid überstanden, die “Sixty”-Tour der Rolling Stones geht weiter und führt am 15. Juli nach Wien. Die Band präsentierte sich bei den bisherigen Shows in bestechender Verfassung. “In erster Linie hat das mit unserer Leidenschaft zu tun”, sagte Chuck Leavell, Pianist und musikalischer Direktor der Stones, im APA-Gespräch. Nicht zuletzt sorgte der Frontman mit seiner Agilität wieder einmal für Staunen – und: “Micks Stimme ist so gut wie nie”, betonte Leavell.

Der im US-Staat Alabama 1952 geborene Keyboarder gehört seit 40 Jahren zur Entourage der “größten Rockband aller Zeiten”, bis auf “Bridges To Babylon” (1997) wirkte er auf allen Studioalben der Stones seit 1983 mit. Für die Jubiläumstour in Europa habe man “wirklich hart” gearbeitet. “Wir probten 80 bis 85 Songs. Schade, dass wir nicht alle auf die Bühne bringen können”, erzählte der 70-Jährige. “Niemand von uns nimmt so was auf die leichte Schulter. Wir gehen nur auf Tour, wenn wir überzeugt sind, dass wir die bestmögliche Show bieten können.”

Ein besonderes Zeugnis stellte Leavell dem Sänger aus: “Mick ist so diszipliniert und nach seiner Covid-Infektion wieder in voller Form. Er macht seine Gesangsübungen zweimal am Tag, egal ob wir auf Tournee sind oder nicht – und das seit vielen Jahren.” Von Pension will ohnehin im Lager der Stones niemand etwas hören: “Wir wissen nicht, wie lange es noch geht, aber wir alle wollen so weitermachen, so lange wir können.”

Über die Chemie in der Gruppe sagte Leavell: “Mit Ausnahme von Steve Jordan spielen wir alle schon lange zusammen. Es besteht eine gewisse Familiarität und man hat den Instinkt für einander. Man muss nicht mehr über alles sprechen und erklären.” Den im Vorjahr verstorbenen Drummer Charlie Watts vermissen “natürlich alle – als Freund und als großartigen Musiker”, aber vor seinem Nachfolger Jordan müsse man den Hut ziehen: “Er macht einen bemerkenswerten Job. Charlie hat Steve ja seinen Segen gegeben, als er für ihn bei der Amerika-Tour eingesprungen ist.”

Mit Jordan am Schlagzeug haben die Stones einen zusätzlichen Drive bekommen. “Das merkt man vor allem bei den High-Energy-Songs”, meinte Leavell. “Es ist schön, dass Steve Charlie ehrt, indem er einige seiner speziellen Eigenheiten übernimmt. Steve repliziert viele kleine Dinge, die typisch für Charlie sind.”

Auf die Frage, welche Aufgabe er als musikalischer Direktor ausübt, musste Leavell lachen. “Es ist generös und herzerwärmend, dass mir die Band diesen Titel verpasst hat. Aber hey, die Musik stammt von den Rolling Stones.” Und doch hat die Bezeichnung einen guten Grund: “Ich mache seit ‘Steel Wheels’ bei Proben zu jeder Tour Notizen und fertige Akkorddiagramme an – auch bei Soundchecks, wenn wir kleine Dinge ändern. Ich besitze zwei Bücher, dick wie Enzyklopädien, in denen alles festgehalten ist. Das meiste habe ich im Kopf – wenn nicht, hole ich die Notizen raus. Das Ganze hat sich so weit weiterentwickelt, dass ich während der Show bei Bedarf Handzeichen gebe: ein V, wenn ein Vers kommt, oder ein C, wenn ein Chorus folgt.”

Die Stilvielfalt der Stones kommt Leavell entgegen: “Ich bin im Süden aufgewachsen, mit Country, Gospel, Rhythm & Blues, Soul und Delta Blues. Meine Finger sprechen einen Südstaaten-Akzent.” Wenn er als jüngster von drei Geschwistern mit seiner Mutter allein zu Hause war, hat ihn diese oft zu sich ans Klavier genommen. “Ich war fasziniert, wie sich ihre Hände über die Tasten bewegt haben und vom Sound und Rhythmus. Sie brachte mir einiges bei und ließ mich allein spielen. Ich wurde nie gezwungen, klassischen Unterricht zu nehmen, es war immer mit Spaß verbunden. Dann schlug Rock ‘n’ Roll ein.” Mit 14 gründete Leavell sei erste Band, fixe Engagements folgten rasch.

Vor den Stones spielte Leavell bei den Allman Brothers. Deren populäres Album “Brothers And Sister” führte er im Interview als eine seiner wichtigsten Arbeit an, neben “Unplugged” mit Eric Clapton und “Chuck Gets Big With The Frankfurt Radio Big Band”. Letzteres deckt die gesamte Karriere des Amerikaners ab und wurde live eingespielt. Die Zukunft? “Ich würde gerne mehr Shows mit Big Bands spielen und ein Gospel-Album aufnehmen. Es soll zeigen, wie Gospel und Piano-Musik sich zu Rock and Roll entwickelt haben.”

Von: apa

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