Alfonso Cuarons Drama "Roma" hat große Oscar-Chancen

“Roma” als Oscar-Favorit nicht ohne Konkurrenz

Mittwoch, 13. Februar 2019 | 09:46 Uhr

Die 91. Oscars rücken näher und damit auch die Frage, welcher der acht Nominierten in der Kategorie Bester Film den Goldjungen mit nach Hause nimmt. “Roma” von Alfonso Cuaron und “The Favourite” von Yorgos Lanthimos führen mit jeweils zehn Nominierungen insgesamt. “Roma” ist auch Favorit in der Königskategorie, aber “Green Book” oder “A Star is Born” könnten ihm die Auszeichnung streitig machen.

Alfonso Cuaron (57) hat den zweiten Directors Guild Award (eine Gewerkschaft von Film-, Fernseh- und Werberegisseuren) seiner Karriere für “Roma” abgeholt und damit seinen Favoritenstatus ausgebaut. Vor fünf Jahren erhielt der Mexikaner den gleichen Preis für “Gravity”, bevor er bei den Oscars gewann – allerdings nicht Best Picture. Für viele Experten ist sein Schwarz-Weiß-Drama über eine Arbeiterin (Yalitza Aparicio) im Mexiko der 1970er-Jahre wegen seiner Authentizität und Intensität ein ehrwürdiger Favorit. Gewinnt “Roma”, dann wäre es der erste nichtenglischsprachige Film, der in der 91-jährigen Geschichte der Academy Awards den Oscar für den besten Film mit nach Hause nimmt. Es wäre auch ein Wendepunkt für die Filmbranche, denn es wäre der erste beste Film, der von einem Online-Streaming-Service produziert wurde, nämlich Netflix.

“Green Book” ist ein Film, den niemand kommen sah, bis er den People’s Choice Award beim Toronto International Film Festival gewann. Viggo Mortensen spielt einen italienisch-amerikanischen Schlägertypen aus der Bronx, der 1962 einen afroamerikanischen Pianisten (Mahershala Ali) durch den rassistischen Süden der USA chauffiert. Trotz diverser Kontroversen konnte Peter Farrellys (62) Komödie zahlreiche Trophäen gewinnen – darunter in wichtigen Kategorien bei den Golden Globes und den Hauptpreis bei den Producers Guild Awards (PGA), die als wichtigste Vorboten der Oscars gelten. Sieben der letzten zehn PGA-Gewinner holten den Titel Bester Film. “Green Book” hat fünf Nominierungen erhalten und die Academy liebt eine gute Wohlfühlgeschichte über Rassismus.

Obwohl das vierte Remake von “A Star is Born” früher Spitzenreiter war, konnte das Drama noch fast keinen einzigen bedeutenden Preis gewinnen. Bei den Directors Guild Awards erhielt Bradley Cooper (44) weder den Preis für die Beste Regie (ging an Alfonso Cuaron), noch den Preis für das Beste Regiedebüt (ging an Bo Burnham für “Eighth Grade”). Schwer zu sagen, was mit diesem einstigen Liebling passiert ist, aber “A Star is Born” wurde acht Mal nominiert und die Academy hat ein Faible für Filme über die Unterhaltungsindustrie. Damit bleibt die Liebesgeschichte um einen aufstrebenden Popstar und ihren Mentor ein Anwärter.

“The Favourite”, ein skurriles, großartiges Kostümdrama über Queen Anne (Olivia Colman) und zwei Frauen (Rachel Weisz und Emma Stone), die um ihre Zuneigung wetteifern, hat wie auch “Roma” zehn Oscar-Nominierungen ergattert und ist damit ein starker Kandidat. Aber der Film des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos (45) könnte sich letztendlich als zu exzentrisch für den Geschmack der Academy-Wähler erweisen.

“BlacKkKlansman” hat alle Nominierungen (in sechs Kategorien), die sich ein Film wünschen kann, darunter die erste Nominierung für Spike Lee (61) als Bester Regisseur und ein Thema, das ihm politische Relevanz gibt. Er basiert auf der wahren Geschichte des afroamerikanischen Polizeibeamten Ron Stallworth (gespielt von John David Washington), der Anfang der 1970er den Ku-Klux-Klan infiltrierte. Für viele Kritiker ist “BlacKkKlansman” Spike Lees beste Arbeit seit Jahren, aber wenn es ein so starker Anwärter wäre, hätte er nicht schon etwas gewinnen müssen?

Marvels “Black Panther” von Regisseur Ryan Coogler (32) gewann den Preis für das beste Ensemble der Screen Actors Guild. Der Sieg eines Superheldenfilms mit überwiegend schwarzen Darstellern wäre eine einzigartige Geschichte. Die Comicverfilmung ist sechs Mal nominiert und hat Außenseiterchancen, aber es ist schwer vorstellbar, dass ein Marvel-Blockbuster den Preis in der Königskategorie abräumt, auch wenn er Black Power und Feminismus feiert. Die Nominierung allein ist schon ein großer Sieg.

“Vice – Der zweite Mann” von Adam McKay (50) hat es trotz lauwarmer Kritiken geschafft, acht Oscar-Nominierungen zu bekommen, und Christian Bale konnte für die Verkörperung von Ex-US-Vizepräsident Dick Cheney viele Preise abräumen. Trotzdem ist der Film kein ernst zu nehmender Kandidat in dieser Kategorie.

Die Chancen für das fünffach nominierte Drama “Bohemian Rhapsody”, dem Überraschungssieger der Golden Globes, den Oscar als Best Picture zu gewinnen, stehen auch eher schlecht, weil das Freddie-Mercury-Biopic mit Rami Malek bei den Directors Guild Awards nicht nominiert wurde. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Regisseur Bryan Singer (53) war das auch eher unwahrscheinlich. Die DGA verleiht seit 1948 Trophäen und in der Regel wird der Oscar-Gewinner in der Kategorie Best Picture von der Gewerkschaft zumindest nominiert.

Von: apa

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