Die Schweizerin sang vor zwei Jahren beim Donauinselfest

Sängerin Stefanie Heinzmann: “Befreien vom sozialen Druck”

Dienstag, 11. Mai 2021 | 08:55 Uhr

“Ich bin ein hoffnungsloser Optimist.” Stefanie Heinzmann lacht herzhaft, wenn sie das sagt. Die Schweizer Popsängerin, die vor zwei Jahren mit dem Album “All We Need Is Love” ein Plädoyer für die Selbstliebe vorgelegt hat, zeigt sich auf ihrem neuesten Werk nicht weniger hoffnungsvoll. “Labyrinth” ist sozusagen der nächste Schritt. “Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen für sein Handeln und Denken”, so die Musikerin.

In den zehn Popnummern, die durch die Bank einen sehr tanzbaren Touch aufweisen und ziemlich knackig arrangiert sind, spricht Heinzmann vom Einreißen von Mauern, dem Glauben an eine bessere Zukunft und der Akzeptanz der eigenen Person. “Ich bin der Mensch, der ich bin”, fasste sie im APA-Interview die Stoßrichtung zusammen. “Jede Facette davon ist okay, auch wenn ich mal einen schlechten Tag habe oder mich unsicher fühle. Für nichts davon muss ich mich schämen.”

Diese Aufbruchstimmung spiegle sich auch im Musikalischen wider, wie sie betonte. “Es gibt keine einzige Ballade, weil ich aus der Melancholie herauswollte. Es ist zwar durchaus okay, da reinzufallen und mal lethargisch zu werden. Aber irgendwann musst du sagen: Es fühlt sich zwar schwer an, aber ich muss jetzt etwas tun, das mir gut tut! Ganz einfach die Verantwortung übernehmen, wie ich mein eigenes Leben sehe.”

Hört man die Stücke, denkt man zwangsläufig an den Umgang mit der Coronapandemie. Für Heinzmann selbst hatte das vergangene Jahr gewissermaßen zwei Seiten: “Da ist alles dabei, wenn ich ehrlich bin. Einerseits geht’s mir wirklich gut, ich gehöre ja zu den Privilegierten.” Sie konnte arbeiten, hatte TV-Auftritte, spielte die neue Platte ein. “Dafür bin ich dankbar! Andererseits ist mein halbes Umfeld arbeitslos. Die Kulturbranche wird stiefmütterlich behandelt, was ich sehr schade finde. Kultur ist sehr wohl systemrelevant!”

Eigentlich wäre Heinzmann vergangenen Sommer noch mit “All We Need Is Love” auf Tour gewesen, Lockdown-bedingt gab es aber den ersten freien Sommer seit über zehn Jahren für die Sängerin. “Ich konnte aber nicht nur zuhause sitzen, also habe ich lieber an neuen Songs gearbeitet.” Nur diesmal eben ohne konkretes Ziel, ohne Deadline. Eine neue Erfahrung, die Heinzmann nachträglich ins Schwärmen bringt. “Das war megaerfrischend! Ich hatte noch nie ein Album, das so druckbefreit und von alleine entstanden ist.”

Immerhin sei die Studioarbeit nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung der Sängerin. “Damit konnte man mich echt stressen. Ich fand das Singen im Studio immer wahnsinnig anstrengend, weil man zu einem elenden Perfektionisten wird. Dabei wird es ja nie perfekt, was unglaublich frustrierend ist.” Nun habe es aber “wirklich Bock” gemacht, lachte sie. “Wir haben uns Pizza bestellt, und wenn es mal nicht so gut lief, haben wir am nächsten Tag weitergemacht. Das war wirklich ein Lernprozess”, meinte Heinzmann. “Wenn das jetzt so ging, muss das in Zukunft ja eigentlich auch so gehen. Das hat mir schon die Augen geöffnet.”

Zurück zum Inhaltlichen: Will man die Platte zu fassen bekommen, ist der Titelsong und Opener “Labyrinth” die beste Anlaufstelle: “Eigentlich hasse ich ja Labyrinthe”, musste Heinzmann lachend zugeben. “Aber der Song erklärt echt das ganze Album: das Befreien vom sozialen und gesellschaftlichen Druck. Es ist ein ‘Komm jetzt da raus, du bist ein toller Mensch!’. Insofern ist das Lied auch ein Wachrüttel-Song.”

Und doch waren es auch negative Emotionen, die sie beim Schreiben beeinflusst und geleitet haben. “Etwa bei ‘Would You Still Love Me’: Ich saß zuhaue und habe echt Angst bekommen. War es das jetzt für mich? Darf ich nie wieder eine Tour spielen?”, erinnerte sie sich an ihre Gedanken in der Coronakrise. “Das haben wir dann im Studio verarbeitet. Aber auch in ‘Best Life’ oder ‘Knocking Down The Wall’ steckt viel Frustration drin. Ich war richtig angepisst.” Ja, eine wütende Stefanie Heinzmann gibt es auch. Aber für “Labyrinth” hat dann doch die gute, weil stets positiv denkende Seite die Oberhand behalten.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E – www.stefanieheinzmann.de)

Von: apa