TV-Köchin Wiener hat kein Verständnis für Dekadenz

Sarah Wiener: Gold-Steak ist “dekadente Schwachsinnsküche”

Dienstag, 08. Januar 2019 | 10:31 Uhr

Köchin Sarah Wiener (56) hält es für unnütze Angeberei, ein Steak mit Blattgold zu verzieren. Fußballer Franck Ribéry hatte kürzlich ein Video von einem Stück Glitzerfleisch gepostet. “Es ist keine Luxusküche. Es ist eine dekadente Schwachsinnsküche”, sagte Wiener der Deutschen Presse-Agentur.

Die Haute Cuisine habe mehr zu bieten. Da gehe es um Originalität, Kreativität und Geschmackskompositionen. Blattgold sei weder besonders kreativ noch geschmacklich wertvoll. “Selbst kulinarisch gibt’s dafür die Note 5 von mir”, sagte Wiener, die unter anderem ein Restaurant im Berliner Museum Hamburger Bahnhof betreibt.

Ribéry hatte ein Video aus Dubai gepostet, in dem ihm ein vergoldetes Steak serviert wird. Laut Sportdirektor des FC Bayern soll Ribéry dazu eingeladen worden sein. Der Fußballer erntete viel Kritik für das Video. Weil danach von seinem Twitter-Account obszön zurückgeschimpft wurde, legte ihm der Verein eine Geldstrafe auf.

Fernsehköchin Wiener sagte, man könne mit Geld prinzipiell machen, was man wolle. Die Art, das so zu zelebrieren und der Welt mitzuteilen, finde sie aber nicht nur dekadent, sondern “geradezu armselig”. “Wenn man betrachtet, wie viele Milliarden Menschen sich nicht einmal einen Fingerhut von diesem Steak leisten können.”

Nach Angaben von Starkoch Alfons Schuhbeck (69) isst Fußballer Franck Ribéry sonst ganz normal. “Als Koch des FC Bayern München kann ich zu Franck Ribérys Essverhalten nur sagen, dass er keinerlei merkwürdige Vorlieben hat”, sagte Schuhbeck der Deutschen Presse-Agentur in München.

Aus Sicht Schuhbecks hat Blattgold in der Küche allerdings “nichts mit kulinarischem Mehrwert oder gutem Geschmack” zu tun, “sondern nur mit schillernden Vorlieben der ‘Bling-Bling’-Gesellschaft”. “Deshalb gibt’s vergoldete Tomahawk-Steaks auch nicht in den Sternerestaurants von München, Paris oder Barcelona, sondern an extravaganten Schauplätzen der Glitzerwelt”, sagte er. “In unseren Breitengraden wird Gold als zugelassene Lebensmittelfarbe mit der Nummer E 175 nach meinem Wissen nur noch zum Überziehen oder Dekorieren von Süßigkeiten und aufgebrezelten Wurstwaren verwendet.”

Schuhbeck ist nach Angaben auf seiner Website seit fast 30 Jahren Mannschaftskoch des FC Bayern München, bei dem Ribéry seit 2007 unter Vertrag steht. Online posiert der bekannte Koch mit Ex-Bayern-Star Philipp Lahm – und Ribéry. Schuhbeck schreibt dort: “Eine gesunde Ernährung ist maßgeblich für den Trainingserfolg mit verantwortlich.”

Von: APA/dpa