Die Hauptdarsteller und ihr Autor bzw. Regisseur

Schalkos “M”-“Cover”: Ein Kindermörder terrorisiert Wien

Mittwoch, 28. März 2018 | 16:54 Uhr

Mit seinem neuen Projekt wagt sich Regisseur und Autor David Schalko an einen deutschen Filmklassiker: Er versetzt einen der ersten deutschen Tonfilme, Fritz Langs “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” aus dem Jahr 1931, mit einer gleichnamigen Miniserie in das heutige Wien. Wie im Schwarz-Weiß-Film terrorisiert ein Kindermörder die Stadt und stellt die Polizei vor eine schwierige Aufgabe.

Gemeinsam mit Evi Romen zeichnet Schalko, der unter anderem für die Serien “Braunschlag” und “Altes Geld” bekannt ist, auch für das Drehbuch verantwortlich.”Ich habe den Film vor ein paar Jahren wieder gesehen und habe mir gedacht, dass es interessant wäre, zu vergleichen, wie das heute wäre”, erklärte Schalko am Mittwoch vor Journalisten am Campus der Wirtschaftsuniversität in Wien, wo auch gedreht wird.

Für die Koproduktion von ORF, RTL Crime und Superfilm hat sich Schalko einige bekannte Gesichter ins Boot geholt. Unter anderem Verena Altenberger, Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu, Sophie Rois und “Ärzte”-Schlagzeuger Bela B. Felsenheimer werden in der Thrillerserie zu sehen sein. Die Dreharbeiten sollen noch bis Mitte April dauern. Entweder Ende 2018 oder Anfang 2019 wird ORF eins schließlich sechs je 50-minütige Folgen ausstrahlen.

Langs Film entstand in der Zwischenkriegszeit, einige Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland. Dabei zeichnet er ein Bild der Gesellschaft dieser Zeit, Lynchjustiz steht im Fokus. Als Miniserie spielt “M” nun im aktuellen, winterlichen Wien. Wichtig war es für den Regisseur deshalb, die derzeitige politische Lage abzubilden. “Wir leben auch in einer Zeit, die etwas von einem Vorabend der Postdemokratie hat”, meinte Schalko, “man spürt eine politische Wende in der westlichen Welt.”

“Es steckt wahnsinnig viel Aktuelles im Film”, ist auch Verena Altenberger überzeugt, die in der Serie die Mutter des ermordeten Mädchens Elsie verkörpert. Vor allem das Suchen nach Schuldigen sowie Schuldzuschiebungen von Medien und Polizei sei ein Motiv, das sie an die derzeitige Lage erinnere. “Wenn man das mit dem Wahlkampf vergleicht, dann waren es einmal die alleinerziehenden Frauen, einmal die Flüchtlinge, einmal die Arbeitslosen. Und jeder ist Schuld daran, dass andere kein Geld haben”, merkte die Schauspielerin an.

Ihre Rolle, die im Original nur spärlich ausgeprägt ist, bekommt in der Neuverfilmung mehr Platz. Statt lediglich eine trauernde Mutter darzustellen, hat ihr Charakter auch “eine sehr dunkle Seite”. Wie hier hat sich Schalko oft vom Original entfernt; seine Neuschaffung bezeichnet er als “Coverversion” – mit Lang wolle er sich nicht vergleichen.

Schauspieler Moritz Bleibtreu, der den “gemeinen und pointierten” Verleger eines großen österreichischen Mediums verkörpert, sieht “M” als alleinstehendes Projekt: “David (Schalko, Anm.) hat es geschafft, eine völlig eigenständige Geschichte zu schreiben, die in der heutigen Zeit absolut angekommen ist, die aber auch ganz klare Verweise auf das Original hat.” In der Serie ortet er viele sarkastisch-komische Elemente und typisch österreichischen schwarzen Humor.

Eines der gleichbleibenden Elemente ist der Blickwinkel, aus dem die Geschichte erzählt wird: Die Stadt, nicht die einzelnen Figuren, ist die Hauptdarstellerin. Deshalb wurde an zahlreichen Orten in Wien und Umgebung gedreht. Das vergleichsweise hohe Budget von rund sechs Mio. Euro machte das möglich: “Wir hatten krasse Drehorte”, erzählte Altenberger, “ich durfte in der Nacht vier Stunden lang auf dem gesperrten Stephansplatz spielen. Da denke ich mir als Schauspielerin, das war nicht billig.”

Mit Bela B. Felsenheimer habe sie zudem auf einem Floß nachts die Donau entlangschippern dürfen. Das “Ärzte”-Mitglied porträtiert im Film den “bleichen Mann”, einen Esoteriker, der glaubt, Kontakt zum Mörder und zu dessen Motiven zu haben. Wie auch die übrigen Schauspieler hat Felsenheimer Vertrauen in die Produktion: “Ich bin der Meinung, dass das stilprägend sein wird. Fritz Lang wird sich nicht im Grabe umdrehen, er wird vielleicht sogar aus dem Grab herauskommen, um Herrn Schalko die Hand zu schütteln.”

Von: apa