Tötschinger war der langjährige Lebensgefährte von Christiane Hörbiger

Schauspieler und Autor Gerhard Tötschinger verstorben

Mittwoch, 10. August 2016 | 16:09 Uhr

Mit großer Trauer hat die österreichische Kulturszene am Mittwoch auf den plötzlichen Tod von Gerhard Tötschinger reagiert. Der Schauspieler, Autor und Festivalintendant starb im Alter von 70 Jahren, laut “Kurier”-Informationen an einer Lungenembolie in seinem Salzburger Urlaubsdomizil. Als “prägenden Künstler” und “beseelten Zuhörer” würdigte die Kultur- und Politprominenz den Verstorbenen.

Tötschinger, der langjährige Lebensgefährte von Schauspielerin Christiane Hörbiger, war ein Vielarbeiter im heimischen Kulturbetrieb: Er brachte es auf mehrere Dutzend Bücher, fungierte bei mehreren Festspielen als Intendant und war mit Lesungen und Veranstaltungen bis zuletzt auf der Bühne präsent. Geboren wurde Gerhard Tötschinger am 26. Juni 1946 in Wien. Nach der Matura am Akademischen Gymnasium studierte er zunächst Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, brach das Studium aber alsbald wieder ab. Er nahm Sprech- und Schauspielunterricht bei Zdenko Kestranek und Gesangsunterricht bei Arthur Karg-Bebenburg. 1966 feierte er schließlich bei den Sommerspielen Burg Liechtenstein seine erste Premiere. Sein Weg führte ihn über das Volkstheater auch an Häuser in Deutschland und der Schweiz.

Von 1973 bis 1977 übernahm Tötschinger schließlich die Rolle des Intendanten des Theaters im Burgenland, im Anschluss fungierte er bis 1981 als Oberspielleiter am Stadttheater Klagenfurt. Bis 1994 leitete er danach das “Fest in Hellbrunn” in Salzburg. Nach Umbrien verschlug es Tötschinger schließlich bis 1999, wo er als künstlerischer Leiter des Festivals Arteuropa in Todi verpflichtet wurde. Seine Italienliebe führte auch zu zahlreichen Büchern, wie etwa “Viva l’Italia. Erlebtes, Erdachtes, Erlesenes” oder “Mörderisches Venedig. Die dunkle Seite der Serenissima”. Von 1999 bis 2001 stand Tötschinger schließlich den Sommerspielen Perchtoldsdorf vor. Daneben führte Tötschinger aber auch immer wieder Regie, etwa an der Komödie im Bayrischen Hof München, im Theater am Hechtplatz in Zürich oder dem Theater am Zoo in Frankfurt am Main.

Bereits früh verschrieb er sich auch dem Fernsehen und gestaltete ab 1977 mehrere TV-Serien, darunter “Quiz in Rot-Weiß-Rot” oder “Dialoge mit Herodot”. Ab 2009 war er schließlich Mitglied im ORF-Publikumsrat und im ORF-Stiftungsrat sowie ab 2011 im Kulturbeirat von ORF III. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz würdigte den Verstorbenen: “Er hat sich stets für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Anliegen des Publikums, besonders der älteren Menschen, eingesetzt. Wir verlieren mit Gerhard Tötschinger einen vielseitigen Künstler und eine Persönlichkeit, die die Geschichte des ORF wesentlich mitgeprägt hat.”

2015 wurden seine Leistungen mit dem “Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien” gewürdigt. Heuer hätte er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen bekommen sollen. “Ich habe mich schon sehr gefreut, ihm diese wichtige Auszeichnung der Republik persönlich überreichen zu dürfen”, so Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), der Tötschinger als einen “der prägenden Künstler der vergangenen Jahrzehnte in Österreichs Kulturlandschaft” bezeichnete.

“Gerhard Tötschinger hat sich vor allem durch seine Kreativität, seine Kunstbeflissenheit aber auch durch sein großes Herz und seinen wachen Verstand ausgezeichnet”, so Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in einer Aussendung. Auch ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter reagierte betroffen. “Er war ein echter Theatermensch, der seine Leidenschaft spürbar und erlebbar gemacht hat.” Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) hob hervor: “Vor allem war er ein beseelter Zuhörer, der allen Menschen mit Herzlichkeit und freundschaftlichem Respekt begegnete.” Betroffen äußerten sich sowohl Seniorenbund als auch Pensionistenverband sowie Kultursprecher zahlreicher Parteien und Vertreter von Kulturinstitutionen.

Von: apa

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