Publikumsliebling Elfriede Ott ist tot

Schauspielerin Elfriede Ott 94-jährig gestorben

Mittwoch, 12. Juni 2019 | 15:55 Uhr

Für Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, war sie eine “herausragende Komödiantin und eine der außergewöhnlichsten Volksschauspielerinnen Österreichs”: In der Nacht auf Mittwoch ist die Doyenne und Ehrenmitglied des Theaters in der Josefstadt am Tag nach ihrem 94. Geburtstag in Wien gestorben.

“Mein Theater war und ist die Josefstadt”, bekannte Ott einmal. Dort fand sie 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte seit damals zu den Publikumslieblingen. Mit Ott verliere die Republik “eine ihrer beliebtesten und profiliertesten Schauspielerinnen”, zollte Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Verstorbenen seinen Respekt. “Mit unverwechselbarer Raffinesse gelang es ihr, selbst einfache Texte der Trivialität zu entheben und Kultstatus erlangen zu lassen”, würdigte Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) die Verstorbene.

“Elfriede Ott war eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des Landes, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Film und Fernsehen das Publikums zu begeistern verstand”, so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. “Mit ihrem vielseitigen Talent als Schauspielerin, Kabarettistin, Regisseurin, Festspielintendantin und Autorin sowie ihrer ansteckenden Vitalität verewigte sich die Grande Dame des Volksschauspiels in den Herzen der Menschen.” Programmdirektorin Kathrin Zechner würdigte Ott als “eine wahrhaft Große des österreichischen Geschichten-Erzählens”.

Elfriede Ott stand 70 Jahre lang auf der Bühne, spielte 60 Jahre lang Soloprogramme und ebenso lange TV-Rollen. Die Wiener Uhrmachertochter, die nach eigenen Angaben das Theaterspielen schon als Kind dem Verstecken oder Tempelhüpfen vorzog, brachte das Publikum in all diesen Varianten jahrzehntelang zum Lachen und Weinen. Die am 11. Juni 1925 in Wien Geborene nahm schon früh heimlichen Schauspielunterricht bei Lise Medelsky. 1944 debütierte die spätere Grande Dame der Wiener Volkskomödie am Burgtheater, dessen Ensemble sie bis 1949 angehörte, in Gerhart Hauptmanns “Die Goldene Harfe”. Ott spielte auch in Goethes “Stella”, in Grillparzers “Sappho” oder in Shakespeares “Sommernachtstraum”. Die Partner an ihrer Seiten waren Kapazunder wie Curd Jürgens, Raoul Aslan und Oskar Werner.

Ihre ganze Liebe gehörte aber dem Theater an der Josefstadt, wie sie selbst in einem Interview bekannte. Dort fand die Schauspielerin 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte bis 2011 als Ensemble- und Ehrenmitglied zu den unangefochtenen Publikumslieblingen. Zum letzten Mal war die Doyenne dort am 9. Jänner 2011 in der musikalischen Collage “Eh wurscht” zu sehen. Ihre zweite Karriere als Kabarettistin startete Ott in den 1950er-Jahren u.a. an der Seite ihres ersten Ehemanns Ernst Waldbrunn, mit dem die Kammerschauspielerin von 1950 bis 1964 verheiratet war und dem sie bis zu dessen Tod 1977 freundschaftlich verbunden blieb. Nach der Scheidung schlug die Spezialistin des klassisch-wienerischen Genres die nächste Richtung ein und gab Abende als Diseuse, gemeinsam mit Julius Patzak oder Waldemar Kmentt. Ihre Soloprogramme wurden großteils von “Lebensmensch Hans Weigel” zusammengestellt, mit dem sie bis zu seinem Tod 1991 liiert und das gemeinsame letzte halbe Jahr auch verheiratet war. Er galt als Otts “Erfinder” und gestaltete für sie das legendäre Programm “Phantasie in Ö-Dur”, das zu einem Markenzeichen der Partnerschaft Ott-Weigel wurde.

Wie nebenbei und doch mit vollem Herzblut leitete Elfriede Ott – in den letzten Jahren gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn Goran David – 30 Jahre lang die Maria Enzersdorfer Festspiele, die sie 1983 gemeinsam mit Hans Weigel ins Leben gerufen hatte. 2012 fand mit Nestroys Posse “Umsonst” die letzte Inszenierung statt, nachdem der Pachtvertrag für den Standort auf Burg Liechtenstein nicht mehr verlängert wurde. “Mit Evi Ott verlieren wir eine große Volksschauspielerin, Intendantin, Regisseurin, Lehrmeisterin und liebenswerte Kollegin, aber vor allem auch einen wunderbaren Menschen”, reagierte Werner Auer, Obmann des Theaterfest Niederösterreich.

1985 gründete Ott die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums, die sie bis 2004 leitete. Danach folgte die “Schauspielakademie Elfriede Ott”, die heute von ihrem Adoptivsohn geleitet wird. Ihr erster Kinofilm “Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott” von Andreas Prochaska, in dem sich die damals 85-Jährige selbst spielte, wurde nicht nur ein Kassenschlager, sondern auch mit dem Österreichischen Filmpreis 2011 ausgezeichnet. Bildschirmpopularität hatte sich die Künstlerin aber bereits zuvor in populären Fernsehserien wie “Hallo – Hotel Sacher…Portier!” und “Die liebe Familie” erworben. Gebeutelt von einigen körperlichen Gebrechen gab Ott 2013 ihren endgültigen Abschied von der Bühne. Untätig blieb die Frau mit dem vitalen Naturell aber auch danach nicht: sie malte und schrieb einige populäre Bücher. Ihr später Wunsch, das Publikum solle von ihr in Erinnerung behalten, “dass ich viele Menschen zum Lachen gebracht habe”, dürfte der Schauspiellegende jedenfalls gelungen sein.

Von: apa