Proteste im Iran

Schauspielerin Foroutan unterstützt Proteste im Iran

Mittwoch, 12. Oktober 2022 | 09:40 Uhr

Schauspielerin Melika Foroutan hofft auf breite Unterstützung für die protestierenden Menschen im Iran. “Man darf nicht das Interesse verlieren. Wir müssen weiterhin in den Iran schauen. Das ist sehr wichtig”, sagte die 46-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Vor einigen Tagen hatte sie mit anderen ein Solidaritätsvideo veröffentlicht, in dem sich mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler Haarsträhnen abschneiden.

Dazu gehören etwa Meret Becker, Sandra Hüller und Jasmin Tabatabai. Französische Stars hatten zuvor ein ähnliches Video veröffentlicht. Dass sich Frauen vor laufender Kamera Haare abschneiden, sei kein Instagram- oder Tiktok-Hype, sagte Foroutan. Sie sehe darin vielmehr die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu schaffen. “Das war auch der Grund, warum ich mitgemacht habe.”

Foroutan ist derzeit in der Netflix-Serie “Die Kaiserin” zu sehen und hat ihre ersten Lebensjahre im Iran gelebt, nach der Revolution floh ihre Familie nach Deutschland. Sie lebt in Berlin.

“Aus einer so freien und sicheren Position heraus wie in Deutschland kann so eine Aktion immer auch wohlfeil wirken”, sagte Foroutan. “Mir ist klar gewesen, dass es Kritik in diese Richtung gibt und manche sagen: ‘Wenn ihr euch ein paar Zentimeter eurer Haare abschneidet, was soll das jetzt den Menschen im Iran bringen?'”

Es gehe aber nicht um einen selbst, sondern darum, den Aufmerksamkeitskorridor zu erweitern für das, was im Iran stattfinde. “Und es geht nicht darum, wie viele Zentimeter Haare ich mir abschneide oder ob ich mir den Kopf rasiere – so viele Opfer können wir gar nicht bringen wie die Menschen dort auf der Straße.” Sie könnten aber ein Symbol der Solidarität setzen, und das werde von den Menschen vor Ort gesehen, das sei wichtig.

Im Iran kommt es seit Wochen zu Protesten. Auslöser war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie die Zwangsvorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die junge Frau starb in Polizeigewahrsam. Seit dem Tod der Frau demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie den Kopftuchzwang.

“Große Teile meiner Familie leben noch dort. Deswegen bin ich natürlich sehr involviert”, sagte Foroutan. Sie habe viele Verwandte, die nach der Revolution in alle Länder der Welt geflohen seien. “Zu denen habe ich nach wie vor Kontakt, da werden die Entwicklungen täglich kommentiert, und alle sind voller Hoffnung.” Aber sie seien auch starr vor Entsetzen angesichts der Brutalität, mit der das Regime gegen die eigene Bevölkerung vorgehe.

Auf die Frage, wie sie die Lage im Iran derzeit beobachte, sagte sie, sie lese jeden Tag Nachrichten, sei ziemlich viel auf Social Media. “Die Proteste ziehen sich weiter. Menschen gehen auf die Straße, werden erschossen, verschwinden.”

Die Menschen riskierten ihr Leben, weil sie seit 43 Jahren unterdrückt würden. Das Land sei gebeutelt von Sanktionen, Inflation, Wegfall von Arbeitsplätzen und der Corona-Pandemie. Es gebe keine Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Medien würden zensiert und soziale Medien blockiert. Es herrsche Armut und Perspektivlosigkeit, es gebe Folter und Misshandlungen.

Die Bevölkerung habe mehrfach Reformen verlangt, und die Proteste seien immer wieder unterdrückt worden. “Bis sich in einer solchen Situation Dinge verändern, kann es Monate dauern.” Normalerweise höre die Aufmerksamkeitsspanne für solche Themen, die weit weg seien, irgendwann auf. “Ich hoffe, dass das hier nicht der Fall sein wird.”

Zur Frage, ob sich mit dieser Protestwelle etwas grundlegend ändern werde im Land, sagte Foroutan: “Das hoffen alle.” Diesmal gingen viele Menschen geeint auf die Straße. “Mittlerweile ist es eine Bewegung geworden, die die unterschiedlichsten Menschen vereint. Unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Alters oder ihrer Religiosität.” Foroutan sprach von einer Revolution gegen Armut, Korruption und Unterdrückung.

Von: APA/dpa

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