Ihre Rollen sind meist so quirlig wie sie selbst

Schauspielerin Gisela Schneeberger wird 70

Mittwoch, 03. Oktober 2018 | 09:08 Uhr

Schule, das war nichts für Gisela Schneeberger. Statt brav in der Bank zu sitzen, sorgte sie lieber für Stimmung. “In der Schule war ich der Klassenkasperl”, bekannte die Schauspielerin vor gut einem Jahr im “Zeit Magazin”. Das ist schon eine Zeit her, Schneeberger feiert am 3. Oktober ihren 70er.

Nur eine Sache war ihr an der Schule wichtig: Die Theatergruppe. So ist es kein Wunder, dass die aufsässige Schülerin nach der Matura ihre Leidenschaft zum Beruf machte – nicht zuletzt, weil Theaterproben nicht in aller Frühe beginnen. “Ich bin nie gern früh aufgestanden und das war dann glaube ich der Knackpunkt”, scherzt Schneeberger in der Sendung “Zwischen Spessart und Karwendel” im BR Fernsehen, die am Samstag um 17.45 Uhr läuft.

Schneeberger wurde in Dollnstein nahe Eichstätt geboren, wuchs dann aber in München auf. Sie war die Jüngste von drei Mädchen. Der Vater war Richter und legte Wert auf Autorität, die Mutter war Hausfrau. Die Schauspielerin ist der Beweis dafür, dass gute Noten und Bravsein in der Schule nicht unbedingt notwendig sind, um berühmt zu werden und dass manche Talente nicht mit Noten zu messen sind. Zweimal blieb sie während ihrer Schulzeit sitzen. Die Matura schaffte sie dennoch – 1970 mit 21 Jahren. Zunächst schrieb sie sich an der Universität in München für Psychologie ein, folgte dann aber ihrer wahren Berufung: der Schauspielerei. 1971 bekam sie einen Platz an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, 1976 folgte ihr erstes Engagement am Schillertheater in Berlin.

“Ich hätte schon immer gern die schönen Prinzessinnen gespielt”, sagte Schneeberger dem Bayerischen Rundfunk (BR). Doch daraus wurde nicht wirklich was. Ihre Rollen sind meist so quirlig wie sie selbst. So war es kein Wunder, dass sie mit dem Kabarettisten Gerhard Polt große Erfolge feierte. Ab 1975 arbeiteten sie zusammen, auch mit Schneebergers damaligem Ehemann, dem Regisseur Hanns Christian Müller. 1979 brachten sie im Werkraum der Münchner Kammerspiele die bitterböse Gesellschaftssatire “Kehraus” auf die Bühne, die 1983 verfilmt wurde.

Viele bissige und meist sehr vergnügliche Auftritte folgten, etwa in der TV-Serie “Fast wia im richtigen Leben”, im Theaterstück “München leuchtet” oder in der Urlaubs-Satire “Man spricht deutsh”, mit Polt und Schneeberger als Spießer-Ehepaar in Italien. Als sich ihre Wege trennten, blieb die Münchnerin gefragt. In Helmut Dietls Kultserie “Monaco Franze” sorgte sie als eifersüchtige Elli für Wirbel – und für das geflügelte Wort “Immer des Gschiss mit der Elli”. Mit Doris Dörrie drehte sie die Komödie “Bin ich schön?”, sie stand mit Senta Berger für die TV-Serie “Die schnelle Gerdi” vor der Kamera und war im TV-Krimi “Der Hahn ist tot” als Mörderin zu sehen.

Ein Überraschungserfolg wurde die Kinokomödie “Eine ganz heiße Nummer”, in der drei Frauen in der Provinz eine Hotline für Telefonsex aufziehen, um Geld zu verdienen. 2019 soll die Fortsetzung anlaufen. Im ZDF wird sie zudem in dem Zweiteiler “Bier Royal” zu sehen sein, in dem eine Brauerei-Familie ums Erbe streitet.

Schneeberger mit ihrem charmanten Münchner Dialekt ist vielen Zuschauern ans Herz gewachsen. Ihre Frauenfiguren sind oft eigenwillig und skurril, mit Ecken und Kanten. Oft sehr temperamentvoll und warmherzig, dann wieder vernünftig, obwohl es unter der beherrschten Oberfläche brodelt. Ihr Spiel ist von großer Leichtigkeit – und sie besitzt die wunderbare Gabe, über sich selbst lachen zu können.

Mit ihren Fähigkeiten überzeugte sie die Juroren des Grimme-Preises und des Deutschen Schauspielerpreises. 2014 bekam sie den Bayerischen Fernsehpreis für ihre Rolle in der TV-Serie “Im Schleudergang”. Als Chefin eines Waschsalons erlebt sie die Freuden und Dramen des Alltags. “Schneeberger lebt alle ihre Rollen in unnachahmlicher Manier”, lobte die Jury damals. Sie spiele die Schwabinger Unternehmerin “mit Witz, Temperament, Attraktivität und Resolutheit ironisch und sich selbst persiflierend zugleich”.

Warum ihr das so leicht fällt? “Ich habe ganz viele so penible, spießige auch kleinkarierte Sachen in mir”, räumt sie im BR-Interview ein. “Aber ich kann’s auch zugeben.”

Von: APA/dpa

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