Pacher ist in "Der Boden unter den Füßen" zu sehen

Schauspielerin Valerie Pachner startet durch

Mittwoch, 06. Februar 2019 | 09:38 Uhr

Valerie Pachner startet derzeit durch: Die österreichische Schauspielerin, lange an Martin Kusejs Münchner Residenztheater engagiert, ist am 9. Februar nicht nur in Marie Kreutzers Berlinale-Wettbewerbsfilm “Der Boden unter den Füßen” zu sehen und hat mit Terrence Malick “Ragedun” abgedreht. Auch in Teil 3 der Blockbusterproduktion “Kingsman” ist die Oberösterreicherin bald zu sehen.

Mit der APA sprach die 31-Jährige über den Spaß, eine Böse zu spielen, die Idee ans Burgtheater zu gehen und darüber, ob sie ihre Figur der toughen Unternehmensberaterin Lola im Berlinale-Film “Der Boden unter den Füßen” mag.

APA: Ist die Lola ein Mensch, den Sie mögen?

Valerie Pachner: Ehrlich gesagt tue ich mir schwer, sie zu mögen. Ich habe auch beim Dreh eine Aversion gegen sie und ihre Art bemerkt. Zugleich hatte ich ein tiefes Mitgefühl und Verständnis für sie – das hat mich gerettet. (lacht)

APA: Ist es für Sie überhaupt relevant, ob Sie eine Figur bei der Erarbeitung mögen?

Pachner: Es ist nicht wirklich wichtig. Aber ich muss meine Figur mit mir vereinbaren können. Ich muss sie nicht mögen, aber zumindest verstehen.

APA: Was hat Sie überzeugt, trotz dieser Ablehnung “Der Boden unter den Füßen” zu machen?

Pachner: Für mich war es bereits beim Lesen des Drehbuchs klar, dass ich das spielen möchte. Hier wird ein Mensch gezeigt, der den Kontakt zu seinen Gefühlen abgeschnitten hat, um besser funktionieren zu können – und in meinem Verständnis zugleich darin völlig verloren ist. Lola agiert nicht gefühlskalt, sondern müsste selbst aus dieser Situation ausbrechen, was sie sich aber nicht zutraut.

APA: Ist sie eher Opfer oder Täterin in Ihren Augen?

Pachner: Es ist nie gut, nur das Opfer oder die Täterin zu spielen. Lola ist einfach eine sehr komplexe Figur – wie alle Menschen. So ist unser Film am Ende doch primär ein Psychogramm geworden, auch wenn er eine parabelhafte Seite hat. Der Aspekt des inneren Ausgehöltseins und der Versuch, dennoch zu funktionieren, das ist im fertigen Film beinahe unheimlich präsent – was ich mir so gar nicht erwartet hätte.

APA: Regisseurin Marie Kreutzer zeichnete auch für das Drehbuch verantwortlich. Hat man da als Schauspielerin Chancen, seine eigenen Vorstellungen einzubringen?

Pachner: Wir hatten relativ früh ein großes Einverständnis, was die Figuren betrifft, das eigentlich keiner Worte bedurft hat. Ich war völlig überzeugt von dem, was im Drehbuch stand, und sie hat mich im Gegenzug total machen lassen. Sie hat mir die Lola gleichsam überantwortet.

APA: Sie sind gerade in “Der Boden unter den Füßen” – klarerweise anders als auf der Bühne – sehr oft in extremer Nahaufnahme zu sehen. Genießen Sie die Möglichkeiten, die sich hier mimisch bieten?

Pachner: Man hat natürlich auch im Theater seine Mittel, kann aber im Film insofern nuancierter arbeiten. Man kann zulassen, dass einen die Kamera beobachtet und es einfach geschehen lassen. Das Schöne beim Film ist außerdem, dass etwas vom Spiel erhalten bleibt. Am Theater verschwindet es – was natürlich auch seinen Reiz ausmacht.

APA: Sie sind nach Jahren im Ensemble mittlerweile noch Gast an Martin Kusejs Residenztheater. Ein Wechsel mit ihm an das Burgtheater war für Sie kein Thema?

Pachner: Wir haben darüber gesprochen und sind in Kontakt diesbezüglich, dieses Jahr wird wohl aber knapp, da es durch die Filmprojekte schon sehr dicht ist. Aber ich möchte unbedingt weiter Theater spielen.

APA: Sie haben jüngst mit Terrence Malick die Jägerstätter-Verfilmung “Radegund” gedreht. Liegt Ihr Fokus nun auf dem internationalen Markt?

Pachner: Ich drehe momentan mit der Fortsetzung von “Kingsman” eine internationale Produktion – und da darf ich eine Böse spielen. Und das macht dermaßen Spaß, das hätte ich mir auch nicht gedacht! Schauen wir also, was passiert.

APA: Sie haben mit Elisabeth Scharang, Maria Schrader oder jetzt Marie Kreutzer schon mit vielen Regisseurinnen gedreht. Hat die #MeToo-Debatte des Vorjahres in der Filmbranche etwas verändert?

Pachner: Ich glaube schon, dass ein Bewusstsein entstanden ist. Gewisse Themen kann man nicht mehr auf eine bestimmte Art behandeln. Aber zur Gleichberechtigung ist es nach wie vor ein weiter Weg, und es gibt strukturell einfach weniger interessante Frauenrollen.

Von: apa