Der Schlagerstar durchlebte Höhen und Tiefen

Schlagersängerin Connie Francis wird 80

Mittwoch, 12. Dezember 2018 | 10:38 Uhr

Vor ihrem 80. Geburtstag am 12. Dezember hat Connie Francis so richtig aufgeräumt. Mehr als 1.000 Erinnerungsstücke aus ihrer persönlichen Sammlung hat die Schlagersängerin im vergangenen Jahr zur Auktion freigegeben – darunter Kleidungsstücke, Briefe und Auszeichnungen. “Ich wollte, dass meine Fans diese Stücke haben, wenn ich noch am Leben bin”, sagte Francis damals.

Die vielen Abendkleider habe sie eigentlich vorher noch in die Reinigung bringen wollen, aber das Auktionshaus habe sie gebeten, alles im Originalzustand zu belassen. Der Verschleiß mache sie zu Sammlerstücken. “Jeder kleine Fleck auf ihnen ist wichtig.”

Die Schlagerhits der Musikerin würden eine ganze Jukebox füllen: Ohrwürmer wie “Schöner fremder Mann”, “Barcarole in der Nacht” und “Die Liebe ist ein seltsames Spiel” brachten Deutschland in den 60er Jahren zum Tanzen und machten Francis zum Superstar. Aber auch wenn sie für viele Menschen noch immer zu den besten deutschen Schlagersängerinnen aller Zeiten gehört – Francis ist eigentlich Amerikanerin, lebt heute in der Nähe von Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida und ist auch in ihrer Heimat ein Superstar.

Die von vielen wegen ihres zierlichen Körpers nur “Queenie” genannte Sängerin gibt noch immer hin und wieder Konzerte, Interviews und zeigt sich in der Öffentlichkeit – so wie im vergangenen Jahr bei der Columbus Day-Parade in der Ostküstenmetropole Philadelphia. Außerdem setzt sie sich für das Wohlergehen von US-Kriegsveteranen ein. Mit Benefizsendungen im US-Fernsehen sammelt Francis beispielsweise Spenden für die Veteranen.

Geboren wurde die Sängerin am 12. Dezember 1938 als Concetta Rosa Maria Franconero im US-Bundesstaat New Jersey. Ihre Eltern waren italienische Einwanderer, die sie schon bald zum Singen und Musikmachen ermunterten. “Mit drei Jahren habe ich Akkordeon gespielt und mit vier dann meine Stimme hinzugefügt.” Bald trat sie auf Feiern und kleineren Bühnen und schließlich – noch als Kind – im Fernsehen auf. Mit “Who’s Sorry Now?” gelang ihr 1957 schließlich der Durchbruch. Die Erfolgssingle sollte der Beginn einer kometenhaften Karriere werden: Allein in den folgenden sechs Jahren landeten 35 ihrer Songs unter den Top-40, drei davon auf dem ersten Platz: “Everybody’s Somebody’s Fool”, “My Heart Has a Mind of Its Own” und “Don’t Break the Heart that Loves You”.

Francis eroberte nicht nur die USA. In mehr als zehn Sprachen nahm die Sängerin in den sechziger Jahren Platten auf, darunter Japanisch, Französisch, Griechisch, Schwedisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch – und natürlich Deutsch, stets mit charmantem amerikanischen Akzent. In Deutschland, Japan, Spanien und Italien feierte sie mit ihren Songs riesige Erfolge. Neben Schlagern gehörten Country-Musik, Jazz sowie jüdische und irische Volkslieder zu ihrem Repertoire.

Aber nach den sensationell erfolgreichen 60er Jahren sollten die 70er für Francis zur Hölle werden. Musikalisch lief es nicht mehr richtig – unter anderem auch wegen der Beatles, wie die Sängerin später in einem Interview des Nachrichtensenders CNN sagte. “Als die Beatles kamen, waren wir alle am Ende, sogar Elvis.”

1974 versucht Francis ein Comeback, aber wird kurz darauf in einem Hotel in der Nähe von New York überfallen und vergewaltigt. Der Täter entkommt und wird nie gefunden. Francis verklagt die Hotelkette wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen auf Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen Dollar und gewinnt – aber die Wunden bleiben. Seither leidet die Sängerin an schweren psychischen Problemen. “Ich nehme jeden Tag Lithium.”

Ihre Tante fällt einem Mord zum Opfer, ihr geliebter Bruder George wird vor seinem Haus von der Mafia erschossen. Zwischenzeitlich kann Francis wegen eines missglückten medizinischen Eingriffs vier Jahre lang nicht singen.

Auch ihre Ehen halten nicht. Viermal heiratet Francis, viermal wird sie wieder geschieden. “Drei meiner Männer waren qualvoll, einer hat mich missbraucht.” Die “große Liebe meines Lebens” hatte Francis schon in den 50er Jahren kennengelernt, den 1973 gestorbenen Entertainer Bobby Darin. Aber Francis’ Vater verbot die Beziehung. Die Briefe von Darin hat Francis noch, nur einen gab sie zur Auktion frei. “Ich bin so verdammt unglücklich und elend ohne dich, dass ich den Knoten in meinem Hals spüre, wie wenn man weinen muss”, schrieb Darin ihr darin 1956.

Trotz aller Höhen und Tiefen hat sich Francis, auch mit Hilfe ihres Adoptivsohns, immer wieder aufgerappelt. Die Musik und das Showbusiness werde sie immer lieben, sagte sie einmal. “Ich will mit 90 auf der Bühne sterben.”

Von: APA/dpa