Schuhbeck: "Ich habe einiges falsch gemacht"

Schuhbeck-Geständnis im Prozess wegen Steuerhinterziehung

Mittwoch, 12. Oktober 2022 | 13:42 Uhr

Der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Starkoch Alfons Schuhbeck hat ein Teilgeständnis abgelegt. In dem Verfahren vor dem Landgericht München I gab er am Mittwoch zu, die Umsätze in einem seiner Restaurants manipuliert und Geld aus den Kassen entnommen zu haben. Er sei ein leidenschaftlicher Koch, aber unternehmerisch gescheitert, sagte der 73-Jährige. Schuhbeck droht eine Haftstrafe.

“Ich habe einiges falsch gemacht”, sagte der aus zahlreichen Fernsehsendungen und durch viele Kochbücher bekannte Schuhbeck. “Wenn ich etwas ungeschehen machen könnte, würde ich es sofort tun – ich muss mir aber selber eingestehen, dass ich kein guter Kaufmann bin.” Nach der Insolvenz seiner Betriebe im vergangenen Jahr und der vorliegenden Anklage “stehe ich vor den Trümmern meines Lebenswerks”.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schuhbeck vor, in seinen zwei Münchner Restaurants die Umsätze um Millionenbeträge nach unten manipuliert und dadurch gut 2,3 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Schuhbeck gab zu, in seinem Münchner Restaurant “Orlando” habe er ein Computertool genutzt, mit dem er Umsätze manipulieren konnte. Immer wieder habe er Geld aus der Kasse entnommen.

Im Restaurant “Südtiroler Stuben” in München habe er hingegen die Kasse nicht einmal bedienen können und könne sich nicht erklären, wie dort Geld verschwunden sei. Er könne nicht ausschließen, dass dort aber ebenfalls Umsätze nicht angegeben worden seien. Schuhbeck räumte ein, dass er die steuerlichen Konsequenzen als Geschäftsführer auch für dieses Restaurant zu tragen habe.

Zu der ungeklärten Frage, wo das Geld geblieben ist, sagte Schuhbeck, er habe weder ausländische Konten noch ein Schatzkästchen. Vor allem habe er finanzielle Löcher seiner zahlreichen Betriebe gestopft. Außerdem habe er seinen vier Kindern Geld zugesteckt für Ausbildung und Studium, allerdings keine großen Beträge. Darüber hinaus habe er von dem Geld immer wieder Antiquitäten gekauft, die inzwischen aber nicht mehr viel wert seien.

“Ich kann mir nicht erklären, wo das ganze Geld letzten Endes geblieben sein soll”, sagte Schuhbeck. “Ich darf sie bitten, mir zu glauben, dass ich mit Leib und Seele Koch und Gastronom bin, aber kein guter Kaufmann”, ergänzte er an die Adresse des Gerichts.

Energisch wies Schuhbeck den Vorhalt des Gerichts vom Prozessauftakt vor einer Woche zurück, er habe Kontakte in die Karibik und womöglich dorthin Geld verschoben. Tatsächlich habe er im Zuge einer Umschuldung 2015 Geld aus der Karibik von Kreditgebern erhalten sollen, die Finanzierung sei aber nicht zustande gekommen. Nur so ließen sich für ihn die vom Gericht geäußerten Verbindungen in die Karibik erklären.

Bei Steuerdelikten gilt als Maßstab für eine mögliche Haftstrafe, dass ab einer Hinterziehung von einer Million Euro eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt werden soll. Für eine mögliche Strafe für den geständigen Schuhbeck ist damit nun entscheidend, welche Höhe der Steuerhinterziehung ihm am Ende nachgewiesen werden kann.

Schuhbecks Verteidiger sagten, in dem Restaurant “Südtiroler Stuben” sei es schlicht nicht zu ermitteln gewesen, warum Rechnungen in den Umsätzen fehlten. Nach Angaben des Gerichts fehlten dort allein in einem Jahr 1200 Rechnungen bei den Umsätzen. Eine Vermutung Schuhbecks, dass wegen eines Problems mit dem Kabel Rechnungen nicht an den Computer übertragen wurden, wies Richterin Andrea Wagner wegen der hohen Zahl der Fälle als unglaubwürdig zurück.

Der Prozess war ursprünglich bis kurz vor Weihnachten geplant. Nach dem Geständnis zum Restaurant “Orlando” könnte die Beweisaufnahme allerdings kürzer ausfallen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Schuhbeck-Geständnis im Prozess wegen Steuerhinterziehung"


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koana
koana
Tratscher
1 Monat 25 Tage

Ein Opfer seiner schlechten Berater und einfach zu gierig. In dem Alter nochmal in der Knast einfahren zu müssen ist das Allerletzte was ein Mensch braucht.

peterle
peterle
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

Das kennt der FC Bayern ja von einem anderem Häuptling. Der Starkoch hat halt aus den Fehlern des Anderen nicht gelernt. Aber der Knast auf dem Lech hatte immer wieder Bekannte zu Gast.

Tantemitzi
1 Monat 25 Tage

peterle – nun ja, der “andere” Bayern Häuptling hat immerhin 28 Mio hinterzogen! da steht der Alfons mit 2,3 ja schon fast als armer Schlucker da! somit hoffe ich, der Knast bleibt ihm erspart!

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

@Tantemitzi….wird es vermutlich nicht. Der BGH hat festgelegt, dass ab 1 Million hinterzogener Steuern zwingend eine Haftstrafe fällig wird. Vielleicht “rettet” ihn sein Geständnis, seine vollständige Kooperation und seine “Bekanntheit😡” in die Bewährung….

Fernet
Fernet
Grünschnabel
1 Monat 25 Tage

@Rudolfo

und falls doch – bringt er halt a bisserl Ingwer mit rein und dann wird’s scho

Hustinettenbaer
1 Monat 25 Tage

@Fernet
… und a wengerl (Staatsanwalt-)Soiz für´s Steuervermeidungs-Gschwerl kunt need schodn.

OH
OH
Superredner
1 Monat 23 Tage

@Tantemitzi Hoeneß (auch geständig) hat zwar weitaus mehr Steuern hinterzogen, aber er hat auch jeden Cent plus 14 Millionen Strafe zurückbezahlt !!! Das darf man dann auch nicht vergessen !
Die Frage ist, ob das der Alfons auch (noch) kann ?!

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 25 Tage

DES PASSIERT WENN MAN NIA GENUA KREG – MEIN MITLEID HOLTET SICH IN GRENZEN!!!!!!!!!!!!!

Goennenihrwichtigtuer
1 Monat 25 Tage

Wos hom de kinder um 2,3mio studiert? 🤔

Tantemitzi
1 Monat 25 Tage

Goennenihrichtigtuer – i hoff sie hom um des Geld eppas studiert wos mit Finanzen oder Wirtschaft zu tion hot 😉

Fernet
Fernet
Grünschnabel
1 Monat 25 Tage

Hm… und ich dachte immer der Alfons kann gut Saucen reduzieren, wusste nicht dass er sogar Umsatz reduzieren kann! 😄

StreetBob
StreetBob
Superredner
1 Monat 25 Tage

Do nutzt es Rosmsrinstäudel im Weißwurstkessl a nix….

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