Vincent Bueno kann zunächst nicht nach Rotterdam fahren

“Schwierige Entscheidung”: Song Contest abgesagt

Mittwoch, 18. März 2020 | 16:45 Uhr

Der 65. Eurovision Song Contest (ESC) wird nicht heuer stattfinden. Nach eingehender Diskussion sei man zum Entschluss gekommen, dass aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus in Europa der Bewerb nicht durchführbar ist. Diese “schwierige Entscheidung” hat die European Broadcasting Union (EBU) als Veranstalter am Mittwoch mitgeteilt. Für Österreich hätte Vincent Bueno teilgenommen.

“In den vergangenen Wochen haben wir verschiedene alternative Optionen durchgespielt, um am Eurovision Song Contest festhalten zu können”, heißt es im offiziellen Statement auf der ESC-Website. Die “Unsicherheit” durch die Verbreitung von Covid-19 in Europa sowie damit verbundene Restriktionen auch im Ausrichterland Niederlande hätten letztlich zur Absage geführt. Der Gesangswettbewerb wäre von 12. bis 16. Mai in Rotterdam über die Bühne gegangen. Üblicherweise sind bei den beiden Semifinals sowie dem großen Finale mehrere tausend Besucher vor Ort.

Die Entscheidung nachvollziehen kann jedenfalls auch Bueno, der mit der selbstkomponierten Nummer “Alive” vom ORF ins Rennen geschickt worden wäre. “Natürlich berührt mich diese Nachricht sehr, aber Sicherheit hat immer Vorrang”, betonte er in einem Statement gegenüber der APA. “Man kann das Glas halb voll oder halb leer sehen. Mein ganzes Team und ich haben zwar viel Leidenschaft, Zeit und Herzblut in den Song Contest gesteckt, aber jetzt kann ich in dieser für alle schwierigen Zeit zu 100 Prozent für meine Familie da sein, und meine Töchter müssen mich nicht ständig vermissen.”

Auch ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner fand die Absage in einer ersten Reaktion “unendlich schade”, allerdings sei es von der EBU die “einzig richtige Entscheidung”. “Es geht hier immerhin um die Gesundheit der InterpretInnen und Delegationen aus 41 Ländern sowie der MitarbeiterInnen in Rotterdam – und die hat immer Priorität.” Der Song Contest zeichne sich dadurch aus, “dass Tausende Menschen aus zahlreichen Nationen zwei Wochen lang in der Host-City ein völkerverbindendes Fest der Musik feiern – und genau das wäre im Moment nicht zu verantworten”.

Wie es mit der 65. Ausgabe des Wettbewerbs nun weiter geht, soll sich in den kommenden Tagen und Wochen klären. Einerseits befindet sich die EBU nach wie vor in Gesprächen mit der Stadt Rotterdam, was eine Durchführung des ESC 2021 angeht. Andererseits bittet man auch um Geduld, während man sich den “Auswirkungen dieser beispiellosen Entscheidung” stellt. Eine Verschiebung auf einen späteren Termin in diesem Jahr wäre jedenfalls keine Option gewesen, da man auch in den kommenden Monaten noch mit Einschränkungen durch das Coronavirus rechnet.

Ebenso wenig machbar wäre ein Event ohne Publikum aufgrund der aktuellen Auflagen und Reisebeschränkungen. “Das einzigartige Format des Song Contest als internationales Liveevent bedeutet letztlich, dass es keine realistische Alternative dazu gibt. Deshalb haben wir keine andere Möglichkeit als die Show abzusagen.” Ob die von den 41 teilnehmenden Ländern ausgewählten Künstler nun auch im kommenden Jahr dabei sein werden, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Das werde zwischen der ESC-Reference-Group und den einzelnen Rundfunkanstalten entschieden.

Auch das legendäre Glastonbury-Musikfestival in Großbritannien wurde wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr verschoben. Im Juni sollte das 50-Jahr-Jubiläum des Festivals in der englischen Grafschaft Somerset gefeiert werden. Erwartet wurden Stars wie der Ex-Beatle Paul McCartney, Taylor Swift, Diana Ross und US-Rapper Kendrick Lamar.

“Wir hoffen sehr, dass sich die Situation bis Ende Juni enorm verbessert”, hieß es vom Veranstalter. Doch selbst wenn das der Fall sein sollte, seien die Vorbereitungen mit Tausenden Mitarbeitern nicht mehr durchzuführen. Gerechnet wurde mit 200.000 Besuchern. Wer bereits ein Ticket reserviert habe, erhalte die Chance, für nächstes Jahr eines zu kaufen.

Von: APA/ag.