Morzé war von Bruno Ganz eingeschüchtert

Simon Morzé über seine Rolle im Kinofilm “Der Trafikant”

Dienstag, 09. Oktober 2018 | 17:40 Uhr

Als Franz Huchel ist der junge Schauspieler Simon Morzé (23) in der Verfilmung von Robert Seethalers Erfolgsroman “Der Trafikant” in seiner ersten Kino-Hauptrolle zu erleben. Im APA-Interview erzählt der Wiener von seinen ersten Erfahrungen mit dem Roman, dem Zugang zu berühmten Kollegen und dem Aufwachsen in einer Theaterfamilie.

APA: Regisseur Nikolaus Leytner hat mit “Der Trafikant” den 2012 erschienenen Bestseller verfilmt. Waren Sie vor dem Casting bereits mit dem Roman vertraut?

Simon Morzé: Ja! Meine Mutter hat mir das Buch – noch bevor klar war, dass es verfilmt wird – auf den Schreibtisch geknallt und gesagt: ‘Lies das, das ist super!’ Und dann habe ich es gelesen und fand es auch super. Daher war ich glücklich und auch nervös, als ich dann zum Casting eingeladen wurde. Glücklich, weil ich schon wusste, dass das ein super Stoff ist, und nervös, weil ich das Projekt toll fand und die Rolle unbedingt haben wollte.

APA: Wie leicht oder schwer ist es Ihnen gefallen, sich mit dem vom Attersee stammenden Protagonisten zu identifizieren, der in der Großstadt erwachsen wird und zugleich auch in die politisch aufgeladene Zeit zu Beginn des Nationalsozialismus hineingeworfen wird?

Morzé: Ich war, als ich das Buch gelesen habe, nicht mehr in einer so naiven Phase wie die Hauptfigur Franz. Aber die Fragen, die er sich stellt – auch was Liebe angeht und dieses Nicht-Auskennen in der Welt -, die kennt natürlich jeder Mensch.

APA: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Morzé: Durch viel Recherche. Ich habe versucht, mich durch verschiedene Techniken emotional an diese Zeit anzunähern. Zunächst habe ich viel über die Zeit gelesen, mir Bildbände besorgt, ich war aber auch in Nußdorf am Attersee, um ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen. Jede Verbindung ist gut für die Rolle. Man muss einfach so viel wie möglich ins Unterbewusstsein bringen: Tagebücher lesen, aber auch etwa Tagebücher als Figur schreiben.

APA: Wie war die Zusammenarbeit mit Größen wie Bruno Ganz, Johannes Krisch oder Regina Fritsch?

Morzé: Als ich erfahren habe, welche Kollegen ich haben werde, war ich einerseits total glücklich, andererseits zweifelt man, ob man es schafft, da mitzuhalten und nicht komplett unterzugehen. Das Gute an der Rolle war allerdings, dass es in den Beziehungen zwischen Franz und Sigmund Freud (Bruno Ganz, Anm.) und Franz und Otto (Johannes Krisch, Anm.) genau um dieses Aufschauen und beobachtende Lernen geht. Das passt super und da musste ich gar nicht mehr so viel machen (lacht).

APA: Vielen jungen Menschen fehlt mittlerweile die familiäre Verbindung zur Zeit des Nationalsozialismus. Wie war das bei Ihnen?

Morzé: Die Zeit ist tatsächlich in meiner Familie nicht so stark präsent, da ich mit der Generation meiner Urgroßeltern nicht mehr darüber sprechen konnte. Eher habe ich von Freunden meines Vaters (Stefan Matousch, Anm.) etwas erfahren, wenn die von ihren Vätern erzählt haben.

APA: Wie gut eignet sich die Verfilmung für den Geschichtsunterricht an Schulen?

Morzé: Ich glaube, sehr gut. Weil der Film das Thema auf eine emotionale Art und Weise behandelt, das ist in der Schule wichtig. Das bringt vielleicht mehr als ein reiner Fakten-Film.

APA: Sie haben bisher viel Erfahrung im Fernsehen gesammelt, etwa in “Schnell ermittelt”, sind aber auch schon auf der Bühne gestanden. Worauf wollen Sie den Schwerpunkt in Zukunft legen?

Morzé: Man muss schauen, was auf einen zukommt. Ich habe Lust auf Rollen, die komplex sind, auf große Vorbereitung und darauf, durch jede Rolle stark an Erfahrung zu gewinnen. Ich muss schauen, was passiert. Jetzt kommt einmal die Tour mit “Der Trafikant”. Derzeit entscheiden sich ein paar Projekte, worüber ich noch nicht reden darf.

APA: Inwiefern hat sich die Bekanntheit Ihrer Mutter, der Burgschauspielerin Petra Morzé, auf Ihre Karriere ausgewirkt?

Morzé: Der Name war sicher eine Eintrittskarte und hat geholfen. Aber ab einem gewissen Alter hilft das nicht mehr. Dem Regisseur ist es dann auch irgendwann egal, wie du heißt.

APA: Wie hat Ihre Familie auf Ihren Wunsch, Schauspieler zu werden, reagiert?

Morzé: Kritik gab es aus der Familie nicht, vielmehr eine Offenheit. Nach dem Motto: Wir halten dich nicht davon ab, aber wir zwingen dich auch nicht.

APA: Sie sind ja in der Branche aufgewachsen. Gab es gute Tipps oder Warnungen?

Morzé: Das Schwierige an dieser Branche mussten meine Eltern mir nicht mehr erklären. Ich habe durch sie mitbekommen, dass es ein sehr schöner, aber auch ein schwieriger Beruf ist. Sie mussten mich also nicht mehr warnen, ich wusste, wie das ist. Es ist ein sehr spannender Beruf.

Simon Morzé wurde als Sohn der Burgschauspielerin Petra Morzé 1996 in Wien geboren. Sein Filmdebüt gab er 2006 im Fernsehfilm “Die Entscheidung” von Regisseur Nikolaus Leytner, seit 2009 ist er als Jan Schnell in der ORF-Fernsehserie “Schnell ermittelt” als Fernsehsohn von Ursula Strauss zu erleben. Theatererfahrung sammelte er etwa 2010 in “Ein Monat auf dem Lande” am Theater in der Josefstadt sowie am Theater Bronski & Grünberg in Kleists “Familie Schroffenstein” in der vergangenen Saison. 2016 und 2018 war er als bester Nachwuchsschauspieler für eine “Romy” nominiert. In dem am Freitag anlaufenden Streifen “Der Trafikant” spielt er seine erste Kino-Hauptrolle.

Das Gespräch führte Sonja Harter/APA

Von: apa

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