Jöcker unterhielt bereits mehrere Generationen von Kindern

Singen und Tanzen im Kinderzimmer: Detlev Jöcker wird 70

Dienstag, 05. Oktober 2021 | 07:19 Uhr

Er hat mehrere Generationen von Kindern mit seinen Liedern geprägt. Und dabei manchmal die Nerven der Eltern mit den dauernden Wiederholungen durch den Kassettenrekorder ungewollt strapaziert. Detlev Jöcker, der Komponist von Liedern wie “1, 2, 3 im Sauseschritt”, “Dicke rote Kerze” oder “Si-Sa-Singemaus” wird am Dienstag 70 Jahre alt. “Nach über 1.300 komponierten Liedern bin ich so weit, dass ich keine neuen Lieder mehr schreibe”, sagte Jöcker vor seinem Geburtstag der dpa.

Jöcker, der mit seiner Frau auf dem Land bei Münster wohnt, wird gern mit dem Autor von “In der Weihnachtsbäckerei” verwechselt: Rolf Zuckowski. Beide haben gemeinsam eine Ära geprägt. Auf unterschiedliche Arten, wie Jöcker sagt.

“Viele Menschen kennen meine Lieder, aber bringen sie oft nicht mit meinem Namen im Zusammenhang. Das Phänomen begleitet mich bis heute”, sagt der Vater von vier Söhnen und Opa von sieben Enkelkindern. Das liege daran, “dass ich anders als Rolf Zuckowski, der vor allem auch durch seine Medienpräsenz sehr bekannt geworden ist, einen eigenen Weg eingeschlagen habe. Ich schrieb Themenlieder, die Kinder von klein an durch die Phasen ihrer Entwicklung begleiten, und das war etwas ganz Neues.” Bis heute hat Jöcker über 13 Millionen Tonträger verkauft und mit Liederbüchern auch den Buchmarkt erobert.

So richtig verbreiteten sich seine Lieder durch unzählige Seminare mit Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. Es begann mit der Anfrage eines Pastors aus Schwerte: Der wollte ein Seminar mit einigen Religionslehrerinnen zum Thema “Singen mit Kindern” anbieten. Neben vielen Liedern und praktischen Tipps für die Singepraxis war es vor allen Dingen Jöckers Ziel, Mut zu machen, das “innere Kind” zum Leben zu erwecken und ausdrucksstark sowie mit Spaß mit den Kindern zu agieren. “Ich bin dann über vier Jahre lang von Stadthalle zu Stadthalle getingelt und habe so mit Tausenden Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen meine Lieder gesungen, die sie mit in ihre Einrichtungen und Schulen genommen haben.”

Am Wickeltisch seines ersten Sohnes begann Jöcker mit dem Komponieren, “weil ich sehr schnell merkte, dass ich meinen Sprössling am besten mit einem Kinderlied bei Laune halten konnte”, erzählt er. Weiter ging es dann im Kindergarten. Irgendwann hieß es: Welche Eltern können was machen? Da buken die einen Waffeln, die anderen betreuten die Spielecke, “und ich konnte meine ersten Kinderlieder vorsingen. Das war mein erstes Kinderkonzert. Es kam so gut an, dass ich dann wegen der großen Nachfrage in immer größeren Räumen aufgetreten bin.”

An der klassischen Gitarre galt der Teenager Jöcker, der in einfachen Verhältnissen in Münster aufwuchs, als hochbegabt. Am Konservatorium der Westfälischen Schule für Musik in Münster bestand er als 15-Jähriger die Aufnahmeprüfung und wurde zum jüngsten Studenten in Deutschland. “Meine unternehmerische Karriere begann aber mit einem fatalen Rechenfehler. Zu Beginn hatte ich die Idee, in einer Zeitschrift für Eltern Werbepostkarten für mein Unternehmen zu platzieren. Die Leute konnten dann ein Liederbuch und eine Musikkassette bestellen. Ich hatte aber einen großen Fehler in der Kalkulation gemacht und die Portogebühren ganz vergessen. Es begannen die schlimmsten 14 Tage meines Lebens. Ich wusste nicht, ob ich jetzt ruiniert war.”

Doch es kam anders. Am ersten Tag kamen 25 Bestellungen, am zweiten 50, am dritten 100. “Und so ging es weiter. Am Ende hatte ich ein großes finanzielles Polster, mit dem ich weiterarbeiten konnte. Das war Anfang der 1980er-Jahre, der erste Schritt in die erfolgreiche Selbstständigkeit”, erzählt Jöcker. Aus ihm wurde ein Funk-Bassist, der viel im Studio arbeitete und Musik für Hörspiele komponierte. Anfang der 70er-Jahre lernte Jöcker den Telgter Theater- und Kirchenmusiker Peter Janssens kennen. Mit dem Erfinder des Sacropops, einer damals neuen Art, religiöse Texte und Melodien zu schreiben, spielte er vier Jahre lang in einer Band. Pro Jahr trat die Gruppe bis zu 240 Mal auf. “Er hat mich in meiner Art, Lieder zu schreiben, stark beeinflusst.”

Zu dieser Zeit lief er in einem Verlag in Hamburg dem damals noch unbekannten Dieter Bohlen über den Weg. “Er hörte sich meine Musik an und lobte meine Begabung, aber meinte auch, ich müsste noch ein bisschen weiter daran arbeiten. Und dann erzählte er mir, wie schwer es ist, Musik zu verkaufen”, erzählt Jöcker. “Auch wenn ich kein Fan von Bohlens Musik bin, so habe ich aber von dieser Begegnung mitgenommen, dass man sich nicht durch andere Meinungen von seiner Überzeugung abbringen lassen sollte, wenn es um die Einschätzung seiner Musik geht.”

Von: APA/dpa

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