Der Ansturm auf die McCartney-Tickets war groß

Sir Paul trifft auf Cloudrap und Volks-Rock’n’Roll

Donnerstag, 23. August 2018 | 12:20 Uhr

Campingsessel verräumt, Schlafsack durchgelüftet, Sonnenbrille abgenommen: Kaum ist die Festivalsaison geschlagen, schon steht für den geneigten Musikfan die umfangreiche Herbstsaison vor der Tür. Wobei heuer im heimischen Konzertprogramm ein gewisser Sir Paul alle überstrahlt. Dennoch dürfen nicht nur alte Beatles-Nummern gefeiert werden, sondern auch junge Cloudrapper und Volks-Rock’n’Roll.

Paul McCartney ist immer noch für einen Ansturm gut: Als vor einigen Wochen Tickets für sein Wien-Konzert am 5. Dezember in den Verkauf gingen, schaute man bereits nach 20 Minuten durch die Finger. Grund genug also für den Ex-Beatle, am Folgetag eine weitere Show in der Stadthalle zu bestreiten. Mit im Gepäck hat er dann sein neues Album “Egypt Station”, das Anfang September erscheinen wird. Aber die meistens Fans werden wohl auf die alten Klassiker hoffen, entweder von den Beatles, den Wings oder aber aus dem umfangreichen Soloschaffen des Briten, der mit ein paar Geheimgigs in den Londoner Abbey Road Studios Lust auf seine anstehenden Aufgaben machte. Popherzen werden sicherlich höherschlagen.

Eine andere Institution verabschiedet sich wiederum von ihren Anhängern: Die Thrash-Metal-Urgesteine Slayer begeben sich heuer ein letztes Mal auf Tournee und beehren am 23. November ebenfalls die Wiener Stadthalle. Lockenkopf Tom Araya und Konsorten sind seit über 30 Jahren Garanten für harte Riffs, schnelle Songs und böse Texte – und dabei sympathisch wie nur was, passt das Image der kantigen Metaller doch kaum zu den privat äußerst zugänglichen Musikern. Schade, dass mit der Slayer’schen Headbanging-Anregung nun Schluss sein soll. Dafür gab es heuer mit “Eat The Elephant” nach langer Pause eine neue Platte von A Perfect Circle, dem gemeinsamen Baby von Tool-Sänger Maynard James Keenan und Gitarrist Billy Howerdel. Verkopfter Alternative Rock mit hymnischen Melodien und dem gewissen Etwas, zu erleben am 16. Dezember in – erraten – der Wiener Stadthalle.

Dort gibt es bereits im September Festspiele für Fans von progressivem Rock der alten Schule: Schlagzeuger Nick Mason, seines Zeichens Mitbegründer von Pink Floyd, bringt das Frühwerk der einflussreichen britischen Legenden am 19. September nach Wien, allerdings unter dem verspielten Namen Saucerful of Secrets. Die so getaufte Band hat er für die aktuelle Konzertreise auf die Beine gestellt und sich Gary Kemp, Guy Pratt, Lee Harris sowie Dom Beken ins Boot geholt. Ebenfalls mit Inselhintergrund ist Jeff Lynne ausgestattet, der sein Electric Light Orchestra (ELO) am 23. September in Wiens größte Konzerthalle führen wird – aufwendige Inszenierungen und Arrangements inklusive. Schließlich sind die Songs von ELO von einem verträumt-ambitionierten Gestus durchzogen.

Neues Futter serviert im Herbst Song-Contest-Siegerin Conchita – jedenfalls zum Teil: Die Sängerin ist am 20. Oktober im Wiener Konzerthaus gemeinsam mit den Symphonikern zu erleben, mit denen sie auch ihr zweites Album “From Vienna With Love” eingespielt hat. Darauf gibt es laut Ankündigung “bekannte Balladen und hingebungsvolle Diven-Songs”, es sollte also zu einem Heimspiel für die ausdrucksstarke Conchita werden, die seit ihrem ESC-Triumph als Könnerin des balladesken Bombast gilt. Den kennt auch Kylie Minogue gut, wobei das australische Energiebündel elektronisch-infizierte Tanzmusik ebenso wenig verschmäht. Mit “Golden” hat sie kürzlich ihre bereits 14 Studioplatte vorgelegt. Wie die darauf enthaltenen Nummern live klingen, wird man am 14. November im Wiener Gasometer erfahren.

Zwei österreichische Musiker bieten schließlich noch das völlige Kontrastprogramm. Einerseits ist der nahende Winter die traditionelle Zeit für Andreas Gabaliers Hallentournee. Der im Sommer vorzugsweise in den großen Stadien beheimatete “Volks-Rock’n’Roller”, der Anfang Juni das neue Album “Vergiss mein nicht” veröffentlicht hat, macht nach etlichen Deutschlandauftritten ab 29. November (Start ist in Innsbruck) die rot-weiß-roten Konzertlocations unsicher. Wem nicht nach Lederhose und Dirndl ist, aber trotzdem einem Hype nacheifern möchte, der ist bei Yung Hurn gut aufgehoben: Der Wiener Cloudrapper surft derzeit von einem Erfolg zum nächsten, landete weit oben in den deutschen Charts mit “1220” und begeisterte Tausende jugendlicher Fans beim Frequency. Das Spiel mit den Massen ließe sich im Liveaufeinandertreffen zwar noch etwas verfeinern, aber dazu hat Yung Hurn ja in den kommenden Monaten Gelegenheit. Sollte also alles angerichtet sein für sein Heimspiel, das am 2. Dezember im Wiener Gasometer den Höhepunkt seiner Tour markiert.

Von: apa