Cage und Genreikone Kier in Wien

/slash-Filmfestival mit Nicolas Cage und Udo Kier gestartet

Freitag, 21. September 2018 | 11:05 Uhr

Mit der Österreichpremiere von Panos Cosmatos’ “Mandy” ist am Donnerstag im ausverkauften und liebevoll dekorierten Wiener Gartenbaukino das neunte /slash Filmfestival eröffnet worden. Bei dem Auftakt war neben Oscar-Preisträger Nicolas Cage auch Udo Kier zugegen, dem das Festival des fantastischen Films dieses Jahr eine Retrospektive widmet.

Festivalleiter Markus Keuschnigg, der mit viel Applaus vom Publikum begrüßt wurde, gab sich mit dem Auftakt zufrieden: “Zwickts mi – i glab, i tram”, sagte er besonders in Bezug auf seine beiden Stargäste. Auch Udo Kier wurde von den Zuschauern gebührend empfangen. “In Wien hat alles angefangen, vor 50 Jahren drehte ich hier ‘Schamlos'”, erinnerte sich der Schauspieler. “Österreich ist für mich ganz wichtig”, sagte der in den USA lebende Deutsche, der mit vielen charmant und humorvoll vorgetragenen Anekdoten das Herz des Publikums gewann.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch der Auftritt von Nicolas Cage. “Wir dachten, dass das nie und nimmer passiert”, so Keuschnigg. Auch Cage betonte sein positives Verhältnis zu Wien: “Ich liebe diese Stadt, es ist der einzige Ort, wo man Karten für klassische Konzerte auf der Straße kaufen kann”, sagte er. Cage berichtete von seinem Zugang zu “Mandy”, in dem er die Hauptrolle spielt, und erzählte ebenfalls einige Anekdoten. Das Festival habe er besucht, weil fantastischer Film und Horrorfilm für ihn einen besonderen Stellenwert habe: “Ich wollte so viele Horrorfilme wie möglich machen, da man dort die Grenzen der Schauspielerei sprengen kann”, erklärte er.

Der Eröffnungsfilm “Mandy” ist des zweite Werk von Regisseur Panos Cosmatos, der auch das Drehbuch für den Film schrieb. Die Handlung ist schnell erzählt: Mandy (Andrea Riseborough), die Partnerin des Holzfällers Red (Nicolas Cage), wird von einer Sekte um Kultführer Jeremiah (Linus Roache) mit Hilfe einer durch Drogen entmenschlichten Bikergang entführt und später vor Reds Augen brutal ermordet. Red begibt sich daraufhin mit selbstgeschmiedeter Axt auf einen blutigen Rachefeldzug – Kettensägenfechten inklusive.

Was wie eine klassische Rachestory aussieht, ist jedoch viel mehr als das: Der Film überzeugt vor allem durch die eindrucksvollen, hypnotisierenden Bilder in intensiven Farben, die gemeinsam mit der von Synthesizer und Doom Metal geprägten schweren und dröhnenden Musik von Johann Johannsson die Zuschauer in eine Trance zwingen und das Publikum mit offenen Kinnladen in die Sessel drücken. Dafür ist Kino da! Die Regie ist phänomenal und macht aus dem narrativen Dauerbrenner einen zweistündigen psychedelisch-blutrünstigen Horrortrip der Extraklasse, der die Abgründe menschlichen Daseins erforscht und schwer an die Substanz geht.

Der Film hat viele Deutungsebenen und visuelle Querverweise, die besonders die Schrecken männlicher egozentrischer Willkür thematisieren. So sieht sich Sektenführer Jeremiah in Anlehnung an Charles Manson als göttlich erleuchtetes Wesen, der auf alles und jeden ein Recht hat. Die von ihm entführte Mandy soll für die geplante Vergewaltigung auch noch dankbar sein – bricht aber den Bann, indem sie ihn durch ihr verhöhnendes Gelächter auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Besonders Nicolas Cage liefert in diesem Genre-Kleinod eine unvergessliche Darstellung: Die Wandlung des wortkargen Red zeichnet Cage mit wunderbar expressionistischer Intensität, die “Mandy” zu einem seiner besten Filme überhaupt macht. Auch Linus Roache überzeugt als zwischen Wahnsinn, Megalomanie und Bösartigkeit pendelnder Sektenführer.

“Mandy”, dessen Atmosphäre durch den heißen und stickigen Kinosaal noch verstärkt wurde, stellt so einen gelungenen Festivalauftakt dar, der von den anderen am Festival gezeigten Filmen wohl nur schwer überboten werden kann – aber man darf gespannt bleiben!

Von Martin Auernheimer/APA

INFO: www.slashfilmfestival.com

Von: apa

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