Mary Wilson war eine der erfolgreichsten US-Musikerinnen der 60er Jahre

Soulsängerin Mary Wilson von den Supremes stirbt mit 76

Dienstag, 09. Februar 2021 | 13:26 Uhr

Die Soulsängerin Mary Wilson, Gründungsmitglied des Trios The Supremes und eine der erfolgreichsten US-Musikerinnen der 60er Jahre, ist tot. Sie starb am Montag im Alter von 76 Jahren in ihrem Zuhause in Las Vegas, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf Wilsons langjährigen PR-Agenten Jay Schwartz berichteten. Die Todesursache war den Berichten zufolge noch nicht bekannt.

Zwischen 1964 und 1969 schafften The Supremes insgesamt zwölf Nummer-eins-Hits in den USA – fast so viele wie die Beatles. Das Trio mit Wilson und der noch berühmteren Leadsängerin Diana Ross gilt als wichtigste sogenannte Girlgroup der US-Soulmusik und als weibliches Aushängeschild des afroamerikanischen Musiklabels Motown.

Dessen langjähriger Chef Berry Gordy teilte mit, er sei “extrem geschockt und traurig, vom Tod eines wichtigen Mitglieds der Motown-Familie zu hören”. Wilson sei neben Ross selbst ein echter Star gewesen und habe “das Vermächtnis der Supremes über die Jahre mit viel Arbeit vorangebracht”. In den sozialen Netzwerken drückten Fans und Musiker am Dienstag ihre Trauer aus – etwa Produzent Questlove von der einflussreichen Hip-Hop- und Soul-Band The Roots, Popsänger Richard Marx oder der frühere Kiss-Gitarrist Paul Stanley, der bald ein Soul-Album veröffentlicht. “Ich hatte gerade erst am Mittwoch ein einstündiges Zoom-Gespräch mit ihr und hätte mir das nie vorstellen können”, erklärte Stanley. “Sie war so voller Leben und Geschichten. Absolut geschockt.”

Die am 6. März 1944 in Greenville im US-Bundesstaat Mississippi geborene Wilson hatte mit Ross und Florence Ballard 1959 zunächst The Primettes gegründet – da war sie gerade mal 15 Jahre alt. Wenig später benannte sich die Gruppe in The Supremes um und hatte mit “Your Heart Belongs To Me” 1962 ersten Erfolg. Dass die nur wenige Tage jüngere Ross bald Leadsängerin und Star des Trios wurde, war eine strategische Entscheidung des mächtigen Motown-Bosses.

“Mr. Gordy sagte: Ich will nur eine von euch nach vorn stellen, das macht es leichter für die Leute”, erzählte Wilson vor einigen Jahren dem “Las Vegas Magazine”. “Wir verstanden das. Wir wollten nur berühmt sein, also waren wir total happy.” Als schwarzer Mensch habe man damals in den USA “doch gar nicht davon träumen können, ein Star zu sein”, sagte die für Bürgerrechte engagierte Sängerin in einem Fernsehinterview. “Es ging nur darum, ein menschliches Wesen zu sein, respektiert und gleichgestellt zu werden.”

ber diese Jahre seien magisch gewesen, “und ich wusste immer, das wir auf ewig da sein würden”. Ross verließ das Trio 1970 für eine ebenfalls enorm ertragreiche Solokarriere (“Upside Down”, “Muscles”), Wilson machte noch einige Jahre in wechselnden Supremes-Besetzungen weiter, heiratete und bekam drei Kinder. In ihrem sehr gut verkauften Erinnerungsbuch “Dreamgirl, My Life as a Supreme” (1986) setzte sie sich kritisch mit der Girlgroup-Geschichte und Motown auseinander.

2019 präsentierte die stets stilvoll auftretende Künstlerin den Band “Supreme Glamour” voller persönlicher Geschichten und Modefotos. Und noch mit 75 nahm sie an der ABC-Tanz-Castingshow “Dancing With The Stars” teil – umso überraschender kam nun die Todesnachricht. Der mit Wilson gut bekannte ABC-Fernsehjournalist George Pennacchio erzählte am Dienstag, sie habe an neuen Projekten für 2021 gearbeitet – inklusive einem Album, das sie kürzlich schon auf YouTube angekündigt habe. “Ich hoffe, an meinem Geburtstag 6. März wird etwas herauskommen”, sagte Wilson in einem Video.

Die Solokarriere dieser fabelhaften Soulsängerin war nicht allzu erfolgreich verlaufen: 1979 brachte Wilson eine Platte heraus – in die “Rock and Roll Hall of Fame” wurde sie 1988 allerdings als Gründungsmitglied der Supremes und eine der erfolgreichsten Motown-Musikerinnen aufgenommen.

Von: APA/dpa