Juan Carlos soll das Land bereits am Wochenende verlassen haben

Spanischer Ex-König Juan Carlos offenbar in Karibik

Dienstag, 04. August 2020 | 15:44 Uhr

Der frühere spanische König Juan Carlos hat sich inmitten von Korruptionsvorwürfen Medienberichten zufolge in die Dominikanische Republik zurückgezogen. Der 82-Jährige sei Montag früh mit dem Auto nach Portugal gefahren und von dort in die Dominikanische Republik geflogen, berichtete die Zeitung “La Vanguardia” am Dienstag.

Dort wolle er einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem neuen Ziel umschauen. Der Palast hat sich zum Aufenthaltsort von Juan Carlos nicht geäußert, der 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe abdankte.

Juan Carlos hatte nach dem Tod von Diktator Francisco Franco 1975 eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Spaniens gespielt und sich damit große Sympathien in der Bevölkerung erworben. Zuletzt machte er jedoch vor allem mit Affären von sich reden. Der Druck auf Juan Carlos wuchs, seit Staatsanwälte in Spanien und der Schweiz Korruptionsvorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit einem Vertrag über den Bau einer Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke in Saudi-Arabien prüften.

Der Palast erklärte am Montag, Juan Carlos habe das Land verlassen, um seinem Sohn Felipe die ungestörte Arbeit zu ermöglichen. Mehrere Medien hatten spekuliert, der ehemalige König könnte sich im portugiesischen Ferienort Cascais aufhalten, wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte.

In der Bevölkerung traf Juan Carlos’ Ausreise auf ein geteiltes Echo. “Ich finde, er läuft wie ein Feigling davon”, sagte Paz Rodriguez. “Er sollte ehrlich sein und zugeben, was er getan hat.” Die Pensionistin Manuela Fernandez brachte mehr Verständnis für den ehemaligen König auf. “Ich halte es nicht für falsch, dass er weggegangen ist”, sagte sie. “Wenn er allerdings vor etwas wegläuft, gefällt mir das nicht.”

Juan Carlos’ Anwalt hatte am Montag erklärt, der frühere König stehe den Ermittlern weiter zur Verfügung. Da keine formalen Ermittlungen gegen ihn laufen, befindet er sich für die Behörden nicht auf der Flucht. Die Schweiz stuft die Dominikanische Republik als Land ein, mit dem sich die juristische Zusammenarbeit sehr schwierig gestaltet. Spanien hat allerdings ein Auslieferungsabkommen mit dem Karibikstaat. Die Staatsanwaltschaft beim Obersten Gerichtshof in Spanien erklärte, sie setze ihre Untersuchungen fort. Juan Carlos’ Ausreise ändere daran nichts. Die Staatsanwaltschaft in Genf äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.

Mehrere große spanische Zeitungen berichteten am Dienstag, der 82-Jährige habe Spanien am Montag verlassen. Das dem Königshaus nahestehende Blatt “ABC” vermeldete auf der Titelseite, dass sich Juan Carlos nun in der Dominikanischen Republik aufhalte. Auch die konservativen Zeitungen “El Mundo” und “La Vanguardia” berichteten, der frühere König wolle für einige Zeit bei Freunden in dem Karibikstaat leben. Der wegen zahlreicher Affären ins Zwielicht geratene Juan Carlos hatte seinen Sohn, den spanischen König Felipe VI., am Montag in einem Brief über seine Absicht zum Verlassen Spaniens informiert.

Das spanische Königshaus wollte am Dienstag – ebenso wie am Montag – keine Stellungnahme zum Aufenthaltsort des früheren Monarchen abgeben. In manchen Medienberichten in Spanien war auch die Rede davon, Juan Carlos könnte sich in Portugal aufhalten, wo er als Kind gelebt habe, oder in Frankreich oder Italien, wo er Verwandte habe. Die frühere Königin Sofia, die seit langem von Juan Carlos getrennt lebt, hält sich immer noch in Spanien auf, wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus Kreisen des Königshauses erfuhr.

In dem Brief an seinen Sohn hatte Juan Carlos nach Angaben des Königspalasts in Madrid erklärt, er gehe ins Exil, um Felipe die Ausübung seiner Aufgaben als König zu erleichtern und ihn nicht mit den “öffentlichen Konsequenzen bestimmter Geschehnisse der Vergangenheit” zu belasten. “Es ist eine Entscheidung, die ich mit großem Schmerz, aber auch mit großem Seelenfrieden treffe.” Felipe akzeptierte dem Palast zufolge die Entscheidung seines Vaters und verwies vor allem auf die “historische Bedeutung” der Regentschaft seines Vaters für Spaniens Demokratie.

Der Anwalt von Juan Carlos versicherte seinerseits, sein Mandant wolle sich mit dem Gang ins Exil nicht der Justiz entziehen. Vielmehr werde er den Ermittlern weiter zur Verfügung stehen. Wegen der Immunitätsrechte von Juan Carlos kann nur der Oberste Gerichtshof Ermittlungen gegen den 82-Jährigen führen. Zudem darf die Untersuchung nur Vorfälle betreffen, die sich nach seiner Abdankung als König 2014 ereigneten.

Juan Carlos hatte nach 39 Jahren auf dem Thron zugunsten seines Sohnes Felipe abgedankt. Seit dem vergangenen Jahr hat er sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.

Von: APA/dpa/ag.

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