Seit 40 Jahren bei den "Stones"

Stones-Gitarrist Ron Wood ist 70

Donnerstag, 01. Juni 2017 | 09:59 Uhr

Sex, Drugs und Rock’n’Roll hat er überlebt und genießt gerade späte Vaterfreuden. Seit 40 Jahren gehört Ron Wood zu einer der bekanntesten Bands der Welt. Jetzt feiert der Maler, Gitarrist, Sänger und Songwriter seinen 70. Geburtstag.

Dunkler fransiger Schopf, enge Röhrenjeans, verschmitztes Grinsen: Seit 1973 hat sich Ron Wood nicht verändert. Nur seinem zerfurchten, holzschnittartigen Gesicht sieht man das halbe Jahrhundert Rockgeschichte an. Das erste Mal sah er die Stones 1964 beim Richmond Jazz and Blues Festival. Dem “Guardian” verriet er, dass er dachte: “Eines Tages werde ich in der Band sein.”

Aber bis dahin dauerte es noch: Zuerst spielte er Bass und Gitarre bei The Birds, der Jeff Beck Group und The Faces mit Rod Stewart. Mick Jagger – so erzählt Wood – habe immer wieder versucht, ihn zu ködern, um Stones-Gitarristen Mick Taylor zu ersetzen: “Er sagte: “Wenn ich richtig verzweifelt bin, kann ich dich anrufen?” Und ich sagte: “Ja.” Ein Jahr später klingelte er und sagte: “Ich bin verzweifelt.” “Und The Faces hatten sich gerade aufgelöst. So kam das.”

Seit mehr als 40 Jahren ist Wood Mitglied der Stones: Erst als Angestellter mit Monatslohn, so dass er mehrmals Pleite geht, denn er wird nur bezahlt, wenn sie touren. Seit 1993 ist er vollwertiges Mitglied mit Gewinnbeteiligung. Trotzdem gilt er immer noch als der “Neue”.

Am Donnerstag wird der Rockstar 70, nur zwei Tage nach dem ersten Geburtstag seiner Zwillingstöchter Gracie und Alice. Sie stammen aus seiner derzeitigen Ehe mit der 31 Jahre jüngerer Sally Humphreys. Er hat außerdem vier erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen.

Geboren am 1. Juni 1947 als Ronald David Wood in der Nähe Londons wächst er in einer Roma-Familie auf – auf Schleppkähnen und in Sozialwohnungen. Mit neun spielt er Washboard in der Skiffleband seiner Brüder. Mit vierzehn fängt Wood an zu trinken – in den 70ern steigert er sich zu mehrere Flaschen Guinness, Wodka und Sambuca pro Tag. Drogen kommen dazu – Kokain, Crack, alles außer Spritzen; seine Nasenscheidewand ist schon lange aus Plastik. Entziehungskuren helfen immer nur kurz.

Musik ist seine Rettung. Zuerst spielte er mit den Birds – damals die britische Top-Band des Rhythm and Blues. Ende der 60er prägte seine Bassgitarre den Sound der legendären Jeff Beck Group. Er spielte mit Bob Dylan und Eric Clapton, war mit Keith Moon von The Who, Bob Marley, Jimi Hendricks und Janis Joplin befreundet. Man kannte sich im Rockstar-Jetset: Keith Richards ist an Woods erster Soloplatte beteiligt, die er bezeichnenderweise “I’ve Got My Own Album to Do” (dt.: “Ich muss meine eigene Platte machen”) betitelt.

Als er bei den Stones landete, gehörte es zum Job, zwischen den beiden Dauerstreithähnen Keith Richards und Mick Jagger zu schlichten. Am schlimmsten wurde es Ende der 80er, als es fast zum Bruch kam. Wood erinnerte sich im “Independent”, wie er Mick Jagger zuredete: “Ruf Keith jetzt an und dann ruf mich in 15 Minuten zurück.” So etwas Gutes lasse er nicht einfach kaputtgehen.

Genauso wichtig wie Musik ist ihm die Kunst: Zwar verließ er in den 1960ern vorzeitig das Ealing Art College, das übrigens auch Freddie Mercury und Pete Townshend besuchten, um bei den Birds einzusteigen. Doch seither malt und zeichnet er. Wie gut – darüber sind sich selbst seine Freunde nicht ganz einig, obwohl seine Bilder schon für mehrere hunderttausend Pfund versteigert worden sind.

Der Rockstar machte gegenüber dem “Guardian” kein Hehl aus der Kritik: Seine “sehr gute Freundin”, die bekannte Künstlerin Tracey Emin, habe ihm gesagt: “Manche Bilder mag ich und manche mag ich nicht. Manche sind wirklich gut und einige sind schrecklich.” Und Bob Geldof sagte der “Daily Mail”: “Ich persönlich denke, Ronnies Arbeit ist schrecklich. Rockstars wie Ronnie sollten sich an Musik halten und nicht malen.”

Das hält Wood nicht davon ab, im Herbst einen Bildband mit seinen Kunstwerken herauszubringen. Falls er nicht gerade eine Auszeichnung entgegennimmt oder für seine beiden jüngsten Töchtern zeichnet und ihnen auf der Gitarre etwas vorspielt. Der Zeitschrift “Hello” beschrieb er sein Leben als Rockstar und Vater: “Ich lasse sie Bäuerchen machen, gehe mit ihnen spazieren, wechsle Windeln und ich versuche immer noch zu arbeiten, wenn ich zwischen all dem schlafen kann.”

Von: APA/dpa