Owen, Barlow und Donald gehen 2019 zusammen auf Tournee

Take That feiern mit großer Tournee Bandjubiläum

Mittwoch, 21. November 2018 | 15:52 Uhr

In den Bärten schimmern einige graue Haare, in den Gesichtern sind ein paar Falten, aber ihr jungenhaftes Lächeln haben sich Gary Barlow (47), Mark Owen (46) und Howard Donald (50) bewahrt. Im kommenden Jahr feiern Take That mit einer großen Tournee ihr 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veröffentlicht die auf ein Trio geschrumpfte britische Band schon jetzt das Jubiläumsalbum “Odyssey”.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur blicken die drei Musiker auf 30 spannende Jahre zurück, in denen die Posterboys aus Manchester zu einer erfolgreichen Männer-Band wurden.

Der Zeitpunkt des Jubiläums dürfte einige Fans überraschen. Denn die erste Single “Do what u like” erschien erst im Juli 1991, das Debütalbum “Take That and Party” im August 1992. Gary klärt auf: “Ganz am Ende des Jahres 1989 standen wir alle zum ersten Mal in einem Raum und haben uns in die Augen geschaut.” Howard blickt rüber zu Mark und grinst: “Ich hab gedacht, der schafft es nicht in die Band.” Lautes Gelächter bricht in der Runde aus.

Gemeinsam mit Robbie Williams und Jason Orange eroberte die britische Boygroup in den 90ern europaweit die Hitparaden. Fortan durfte das Quintett in keiner Ausgabe der “Bravo” oder anderen Jugendmagazinen mehr fehlen. Ihre Poster hingen in den Zimmern unzähliger junger Mädchen – und vermutlich auch einiger Jungs. Wo Take That auftraten, wurde laut gekreischt, da gab es Heulkrämpfe und Ohnmachtsanfälle.

Im hektischen Boygroup-Leben verging die Zeit für die Mitglieder manchmal wie im Flug. In ihrem Hit “Never forget” sangen sie schon 1995: “Wir sind weit gekommen, aber wir sind uns nicht ganz sicher, wo wir gewesen sind.” Die Strophe ist wörtlich zu nehmen. “An manchen Tagen denke ich: 30 Jahre, wo sind die geblieben?”, sagt Gary. “An anderen Tagen hab ich das Gefühl, dass das schon sehr lang her ist.”

Heute nehme er alles bewusster wahr, sagt er. “An den meisten Abenden sehe ich mich erstmal um, wenn ich auf die Bühne komme. Dann denke ich: Wow, sieh dir das an. Unglaublich. Guck mal, wo wir nach so langer Zeit immer noch sind. Das hab ich beim ersten Mal nicht oft getan. Ich wünschte, ich hätte es häufiger gemacht.”

Davon abgesehen gibt es nichts, was Take That wirklich bereuen. “Wenn man länger drüber nachdenkt, gibt es wahrscheinlich viele Dinge, die man anders machen würde”, sagt Howard. “Aber das waren eben Lehrjahre. Was wir in den Jahren gemeinsam erlebt haben, hat uns zu dem gemacht, was wir sind, und es hat uns zusammengeschweißt.”

Ein “extremes Leben” habe er bisher gelebt, mit “gewaltigen Höhen, wunderbaren Dingen, und auch großen Tiefen”, resümiert Mark, der damals mit der Schmachtschnulze “Babe” Teenagerherzen eroberte. “Die Tiefen muss man haben, um daraus zu lernen”, wirft Howard ein. Nach kurzem Zögern stimmen seine Bandkollegen zu und lachen. “Eigentlich schade”, scherzt Gary. “Ich hasse die Tiefen.”

Ein besonderer Tiefpunkt sei die Auflösung der Gruppe im Jahr 1996 gewesen. “Eigentlich war das ein zehn Jahre langer Tiefpunkt,” meint Gary sogar. Erst 2005 entschieden sich Take That zum großen Comeback. “Manchmal muss man sich eben trennen, um zurückzukommen”, sagt der Songwriter, der auch für Stars wie Elton John oder ABBAs Agnetha Fältskog Lieder komponierte und 2012 das Konzert zum diamantenen (60.) Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. organisierte.

Nach der gefeierten Reunion 2011 sei die jetzige Konstellation als Trio “nicht unbedingt besser, aber leichter”, sagt Howard. “Wenn es um die Band geht, sind wir uns alle ziemlich einig.” Zu dritt arbeiteten Gary, Mark und Howard sogar an einem Musical – “The Band” – und natürlich am Jubiläumsalbum.

“Den Gedanken, einfach nur die Songs zu veröffentlichen, die die Leute sowieso schon haben und seit Jahren hören, fanden wir überhaupt nicht spannend”, betont Gary. Für “Odyssey” wurden die Lieder deshalb neu abgemischt, neu arrangiert und teils stark modernisiert. 25 Songs gehen wie auf einem Konzeptalbum oder in einem Musical ineinander über. Dazwischen sind nostalgische Interview-Schnipsel zu hören.

Einige Lieder wurden auch zu Duetten umfunktioniert. So gastiert beim Bee-Gees-Cover “How deep is your love” jetzt der letzte lebende Bee Gee, der 72-jährige Barry Gibb. Die US-R&B-Gruppe Boyz II Men schmachtet bei “Love ain’t here anymore” mit. Dazu kommen drei neue Kompositionen, darunter die für Take That äußerst untypische Single “Out of our heads” im klassischen Skiffle-Sound, zu der die Band ein witziges Rock’n’Roll-Video mit 60er-Optik produziert hat.

Apropos Rock’n’Roll. Ob sich das Trio vorstellen kann, wie etwa die Rolling Stones mit Mitte 70 noch auf der Bühne zu stehen? “Ja, auf jeden Fall”, sagt Gary. Mit den Tanzbewegungen? “Wenn Mick (Jagger) das immer noch macht, machen wir das auch”, scherzt Mark. Howard lacht: “Vielleicht eine Choreographie mit Gehstock.”

Am 26. Juni steht ein Konzert in der Wiener Stadthalle auf dem Tour-Programm. In Deutschland sind die Bühnen für Take That etwas kleiner geworden, in Großbritannien ist der Erfolg ungebrochen. Allein in London geben Gary, Howard und Mark auf der “Odyssey”-Tournee acht Hallenkonzerte hintereinander. Sieben sind es in Birmingham, fünf in Manchester. In Liverpool, Cardiff und mehreren anderen Städten treten sie 2019 in Fußballstadien auf. Die meisten Konzerte sind längst ausverkauft.

Die Jubiläumstour markiert laut Gary “das Ende von Take That Teil zwei”. Ein Ende der Band ist aber noch lange nicht in Sicht. “Nein, ich glaube, dieser Punkt kommt nie”, sagt Mark. Gary glaubt sogar, dass Robbie Williams und Jason Orange irgendwann wieder dazustoßen. “Wir haben das 2011 gemacht”, sagt er, “und wir machen das bestimmt nochmal, da bin ich mir sicher, in der Zukunft.” Bis es soweit ist, könnte es noch dauern. “Momentan ist das hier Take That.”

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz