König Bhumibol war schon seit Jahren schwer krank

Thailands König Bhumibol Adulyadej gestorben

Donnerstag, 13. Oktober 2016 | 15:10 Uhr

Der thailändische König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) ist am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben. Er wurde 88 Jahre alt. Das teilte der Königspalast mit. Das Land hatte bereits seit Tagen um den schwer kranken Monarchen gebangt. Seit Tagen beteten täglich Hunderte Thailänder vor dem behandelnden Krankenhaus in Bangkok. Das Parlament berief für Donnerstagabend eine Sondersitzung ein.

Bhumibol hatte zwar auf dem Papier vorwiegend repräsentative Aufgaben, doch hatten Palast und Kronrat hinter den Kulissen enormen politischen Einfluss. Keine Regierung konnte sich ohne das Wohlwollen des Königs lange halten.

Der König war seit mehr als 70 Jahren im Amt und damit der am längsten amtierende Monarch der Welt. Er wurde wie ein Gottkönig verehrt. Er verbrachte die letzten Jahre überwiegend im Sirijaj-Krankenhaus in der Hauptstadt Bangkok. Dort wird auch seine schwerkranke Frau Sirikit behandelt.

Nachfolger wird der Kronprinz des Landes. Wie der thailändische Regierungschef Prayut Chan-O-Cha am Donnerstag bekannt gab, soll der 64-jährige Prinz Maha Vajiralongkorn den Thron besteigen.

Die Regierung werde das Parlament darüber informieren, dass König Bhumibol seinen Sohn am 28. Dezember 1972 zu seinem Nachfolger bestimmt habe. Zugleich rief der Militärmachthaber eine einjährige, nationale Trauerzeit aus.

Der 88-jährige Bhumibol war am Donnerstag im Siriraj-Krankenhaus in Bangkok nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Das Land hatte bereits seit Tagen um den schwer kranken Monarchen gebangt. Hunderte Menschen beteten Tag und Nacht vor dem Spital in Bangkok.

“Die blühende Regentschaft des Königs (Bhumibols) ist zu Ende”, sagte Prayut in einer Fernsehansprache. “Er hat das Leben aller auf das Tiefste berührt, wir schulden ihm große Dankbarkeit.”

Kronprinz Vajiralongkorn ist bei weitem nicht so beliebt, wie sein Vater es war. Theoretisch wäre auch eine Thronfolge etwa durch die unverheiratete Tochter Bhumibols, Sirindhorn (61), möglich gewesen.

Im Land zeigte sich sofort beispiellose Trauer. Vor dem Krankenhaus saßen seit dem frühen Morgen schon Tausende Menschen betend auf den Straßen. Viele hielten große Porträts des hoch verehrten Königs in den Händen. Die Sorge um ihren Monarchen ließ viele hemmungslos weinen. Die “Bangkok Post” legte ihr Online-Layout in schwarz-weiß auf.

Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden sollen 30 Tage auf halbmast wehen. Das ordnete Paryut an. In dieser Zeit sollen keine Feiern oder Festlichkeiten organisiert werden. Er empfahl Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ein Jahr schwarz zu tragen.

Das buddhistische Königreich in Südostasien mit fast 70 Millionen Einwohnern dürfte vor großen politischen Umwälzungen stehen. Die rund 30 Millionen Touristen, die jedes Jahr kommen, sollen davon aber unberührt bleiben, wie die Behörden versichern.

Kronprinz Maha Vajiralongkorn (64) ist bei weitem nicht so beliebt wie sein Vater es war. Vajiralongkorn verbringt viel Zeit in München, weil sein jüngster Sohn Dipangkorn Rasmijoti (11) in Bayern in die Schule geht. Von der Mutter hat der Kronprinz sich 2014 scheiden lassen. Er hat sieben ältere Kinder mit zwei weiteren Ex-Frauen.

Das Land hat strikte Gesetze gegen Majestätsbeleidigung. Sie schützen den König, seine Frau und den Kronprinzen vor jeder Kritik. Selbst harmlos klingende Kommentare können zu Anzeigen führen. Die Gesetze werden seit Jahren ausgenutzt, um politische Gegner zu diskreditieren. Die Gesetze haben einen Diskurs darüber, wie das Land sich nach dem Ableben des Königs weiterentwickeln will, unterbunden. Die per von oben gebilligtem Putsch im Mai 2014 an die Macht gekommene Militärregierung unter Premier Prayut Chan-o-cha hat sich mit einer im August durchgesetzten neuen Verfassung andauernden Einfluss gesichert.

Die thailändische Gesellschaft ist seit mehr als zehn Jahren politisch tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die sogenannten Gelbhemden. Sie geben sich als Monarchie-Treue, die die alte Ordnung, in der wenige einflussreiche Familien die Geschicke des Landes bestimmten, aufrechterhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen die Rothemden, unterstützt vor allem von der ärmeren Bevölkerung, die mehr Mitsprache und eine Politik zur Forderung der Armen fordern. Beide Seiten werfen einander maßlose Korruption vor. Mit Demonstrationen und Blockadeaktionen haben beide Lager die jeweils andere Regierung immer wieder unter Druck gesetzt und deren Sturz herbeigeführt.

Von: APA/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz