Pete Doherty und Carl Barât - Ein kongeniales Duo

The Libertines konzertierten im Wiener Gasometer

Dienstag, 08. November 2022 | 08:26 Uhr

Vor 20 Jahren machten The Libertines ihren Straßenköter-Rock mit Punk-Attitüde und schwelgenden Melodien zum Hype der Stunde: Nie wieder danach klang Brit-Pop so räudig und gleichzeitig schön wie ihr Debüt “Up The Brackets”. Am Montagabend spielten The Libertines dieses Album in voller Länge im Wiener Gasometer – und die Formation um Carl Barât und Pete Doherty hat es noch immer drauf. “A good old-fashioned Rock and Roll band”, sagte Doherty. Diese wurde ausgiebig gefeiert.

“Up The Brackets”, produziert von Mick Jones von The Clash, vermittelte das Gefühl, die Welt zu umarmen, aber auch alles niederreißen zu wollen. Die nachfolgenden Alben waren sehr gut bis gut, aber sie trafen nie so den Nerv wie der Erstling, dem nun mit einer Deluxe-Box und einer Jubiläums-Tour gehuldigt wird. Auch wenn es gestern darum ging, zu den Indie-Hits des Millenniums abzutanzen, klangen The Libertines frisch und am richtigen Platz im Jetzt: Gitarrenrock braucht das Volk!

Beim ersten Gastspiel der Libertines in der Bundeshauptstadt war die Stadthalle zu groß gewesen und das Bewusstsein von Doherty weilte auf einem anderen Planeten. Der gute Pete musste diesmal nicht wie 2016 von einem Stagehand daran gehindert werden, vom Bühnenrand zu fallen. Denn die Eskapaden hat der brillante Musiker mit dem Ruf eines Enfant terrible gegen eine Wohlstandsfigur eingetauscht, seine Vocals und sein Gitarrenspiel klangen je nach Bedarf herzzerreißend oder (auch ohne Substanzenmissbrauch) ruppig.

Barât und Doherty – sich Gesang und Gitarrenparts kongenial teilend – rockten, angetrieben von den wuchtigen Drums von Gary Powell, was das Zeug hielt, der Opener “Vertigo” gab die Richtung vor: Laut sollte es sein, ausgelassen, wild und mit Platz für Melodien zwischen den Attacken. Es wurde gebolzt (“Horrorshow”), in Melancholie geschwelgt (“Radio America”) und Hymnen losgelassen (“Up The Bracket”). Nach zwölf Songs vom Debüt am Stück kamen als Zugabe noch mal zehn Lieder als Art “Best Of” aller Alben.

Ob nun das punkige “Mayday” oder das subtilere, balladeske “Waterloo” mit Barât am Klavier und Dohertys Herz-Schmerz-Gesang (samt furiosen Gitarrensolo-Intermezzo Barâts) am Speisezettel stand, das Publikum hatte so viel Spaß wie die Band – die hatte spürbar jede Menge davon. “Don’t Look Back Into The Sun”, eine Single, die nie den Weg auf ein Album gefunden hat, setzte den Schlusspunkt und wurde von den Fans enthusiastisch aufgenommen. Was wirklich faszinierte: “Up The Brackets” kann man komplett live durchspielen, da gibt es keine Füller. Oder vielleicht können das nur The Libertines in der Form wie derzeit.

(S E R V I C E – https://www.thelibertines.com)

Von: apa

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