Stephin Merritt und seine Band Magnetic Fields: Neues Album

The Magnetic Fields – 50 Lieder für 50 Lebensjahre

Dienstag, 07. März 2017 | 09:56 Uhr

Stephin Merritt hat mit seiner Band The Magnetic Fields schon einmal “69 Love Songs” veröffentlicht. Das am Freitag erscheinende Album “50 Songs Memoir” ist nicht viel weniger üppig ausgefallen: Für jedes seiner 50 Lebensjahre schrieb Merritt ein Lied. “Ich habe nie Tagebücher geführt. Ich habe auch kein super Gedächtnis”, gestand der Amerikaner mit der Brummbärstimme im Interview mit der APA.

Hilfe kam aus der Familie und aus dem Arbeitsumfeld: “Meine Mama hat eine Zeitlinie für die erste Hälfte meines Lebens verfasst, mein Manager für die zweite. Ich habe mein erstes Album mit 25 herausgebracht. Also genau in der Mitte meines Lebens”, erzählte Merritt bei einem Tee in einem Wiener Hotel. “Für ’69 Love Songs’ habe ich ein Jahr gebraucht, für dieses Projekt ein Jahr und ein halbes.”

Ein derartiges Projekt scheint bisher einzigartig zu sein. “Ich weiß auch nicht, ob das schon jemand gemacht hat. Das lässt sich schwer googeln”, knurrte der 50-Jährige Sänger und Songschreiber. “Einige Künstler haben ja zuletzt ihr Alter zu Plattentitel gemacht. Adele sogar mehrmals. Rick Astley hat sein Album ’50’ betitelt. Ich denke wohl mehr als Parodie auf Adele. Ich glaube nicht, dass es so autobiografisch ausgefallen ist wie meines.”

50 Lieder von Album-Qualität in relativ kurzer Zeit (“über drei Monate”, so der Multiinstrumentalist) zu komponieren, stellt sich der Laie als schwieriges Unterfangen vor. “Songschreiben ist keine Arbeit”, winkte Merritt ab. “Das Aufnehmen ist Arbeit.”

Beachtlich ist die stilistische Bandbreite, die auf “50 Songs Memoir” von Country über Rock bis zu Folk, Singer-Songwriter, Electronic und Indie ein weites Feld abdeckt. “Das Problem dabei ist, dass viele Leute gewisse Genres rundweg ablehnen. Sie machen Playlists und lassen Songs aus, die etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen oder die sie nicht gleich verstehen, weil ihnen das Genre fremd ist. Ich habe kein Problem damit, aber bei diesem Album schlage ich doch vor, es zuerst als Ganzes anzuhören”, sagte Merritt.

Dann lächelte der Musiker und erhob seine sonst sonore Stimme: “Fuck Genre! Genres existieren, um damit herumzuspielen und daraus auszubrechen.” Er selbst schätze die unterschiedlichsten Musikarten. “Ich lasse mir Death Metal genauso wenig nehmen wie Hip-Hop und Oper. Ich könnte diese Musik nicht machen, weil meine Stimme dazu nicht passt. Aber ich liebe Black Sabbath und Carcass. Das heißt nicht, dass ich nicht auch Jimmy Durante lieben kann.”

Der Frage, ob sein Wohnort Einfluss auf sein Schaffen habe, kann Merritt wenig abgewinnen. “Ich weiß nicht, was Leute damit meinen. Der große Unterschied zwischen Ost- und Westküste ist das Angebot in Musikgeschäften”, raunte Merritt. “In Los Angeles kann man kleine Saiteninstrumente aus Peru kaufen. Ich habe keine Ahnung, wo ich die in New York bekomme. Vielleicht ist das nur ein Problem, weil ich in Manhattan lebe. Vielleicht werden sie irgendwo in anderen Stadtteilen angeboten, wo ich noch nicht nachgeschaut habe. Hmmmm, dafür braucht man in LA ein Auto, wenn man ein Musikgeschäft aufsuchen will.”

Spannend werden die kommenden Auftritte “mit aufwendiger Lichtshow” (Merritt) und mit dem aktuellen Material. “Bei der Tour zu ’69 Love Songs’ haben wir die Instrumentierung auf der Platte ignoriert”, erzählte Merritt. “Diesmal stehen sieben Musiker auf der Bühne, also wird es mehr Übereinstimmungen geben. Auch wenn ich es gar nicht mag, dass Lieder live wie auf dem Album klingen, habe ich das diesmal aus logistischen Gründen zuglassen. Ich hoffe, dass wir scheitern und die Lieder am Ende doch anders klingen.”

Von: apa