Über einen Mangel an Preisen kann sich Östlund nicht beschweren

“The Square”-Regisser Ruben Östlund wird 44

Freitag, 13. April 2018 | 11:21 Uhr

An einem Auslands-Oscar ist Ruben Östlund in diesem Jahr vorbeigeschrammt, aber über mangelnde Auszeichnungen für seine brillante Gesellschaftssatire “The Square” kann der schwedische Regisseur, der am 13. April seinen 44. Geburtstag feiert, nicht klagen.

Neben der Golden Palme in Cannes hat Ruben Östlund unter anderem auch sechs Europäische Filmpreise gewonnen. Laut der Filmdatenbank “Imdb” hat der Regisseur annähernd 60 Auszeichnungen im Laufe seiner Karriere bereits erhalten. Darunter auch einen Goldenen Bären für seinen Kurzfilm “Händelse Vid Bank” , in dem 96 Darsteller einen gescheiterten Banküberfall spielen.

In seiner schrägen Satire “The Square” spießt der Schwede nun genüsslich den Kunstbetrieb auf und fragt gleichzeitig nach der Menschlichkeit in der westlichen Wohlstandsgesellschaft. Im Mittelpunkt steht ein Museumskurator (Claes Bang), der sich zwar gern als tolerant und fortschrittlich gibt, sich aber zunehmend als Macho und äußerst unsozialer Mensch entpuppt.

“Im Grunde handeln alle meine Filme davon, dass Menschen versuchen, ihr Gesicht zu wahren”, sagt Ruben Östlund – und meistens gelingt es ihnen nicht. Wie dem Familienvater Tomas (Johannes Bah Kuhnke) in dem gefeierten und beklemmenden Drama “Höhere Gewalt” (2014).

Mit seiner Frau Ebba (Lisa Loven Kongsli) und den beiden Kindern verbringt er einige Tage in den französischen Alpen. Als eine Lawine nur knapp an ihnen vorbei ins Tal donnert, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn während sich Ebba schützend über die Kinder wirft, ergreift Tomas panisch die Flucht. Die Naturkatastrophe bleibt zwar aus, die Familie überlebt unversehrt, doch das Vertrauen zwischen Ebba und Tomas ist zerstört. Tomas hat nicht nur seine Familie im Stich gelassen, er spielt die Situation auch noch herunter – und zerbricht schließlich an seinem eigenen Versagen.

Was läuft in dieser Gesellschaft falsch? Darum dreht sich auch Östlunds provozierendes TV-Drama “Play” (2014), in dem es um die Folgen des Wegsehens geht: Junge Kriminelle aus Einwandererfamilien rauben schwedische Jugendliche vor aller Augen aus, aber niemand hilft. Im Kern geht es dabei um Vorurteile und um Rassismus, um den sichtbaren Zerfall des ehedem so gelobten schwedischen Modells der klassenlosen Gesellschaft.

Seinen nächsten Film hat der Absolvent der Göteborg Filmschule bereits in Arbeit. In seiner Satire “Triangle of Sadness” geht es diesmal um die Welt der Mode.

Von: APA/dpa

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