Die Darsteller Tristan Göbel (l.) und Thomas Stipsits

Thomas Stipsits wird in ORF-Komödie nichts “Geschenkt”

Mittwoch, 19. Dezember 2018 | 11:42 Uhr

Eine mysteriöse Spendenserie; ein 14-jähriger, mitten in der Pubertät steckender “WG-Kollege”; und ein waschechtes Alkoholproblem: Für den Lokaljournalisten Gerold Plassek läuft es nicht gerade rund. Und doch bringt er in der neuesten ORF-“Stadtkomödie” aus St. Pölten viel Herz, Charme und Witz mit. “Geschenkt” nach dem Roman von Daniel Glattauer läuft am Samstag um 20.15 Uhr auf ORF eins.

“Sonst wäre ich nicht hier”, lachte Glattauer im Gespräch mit Journalisten auf die Frage, ob ihm das Endergebnis gefalle. “Natürlich mag ich den Stoff, aber ich finde, er ist auch wirklich gut übersetzt. Jeder will ja, dass seine Bücher verfilmt werden, aber kaum jemand ist mit dem Produkt wirklich glücklich.” Oft sei das auf “die Sprache” eines Buchs zurückzuführen – diesmal habe das aber bestens funktioniert. “Was besonders gut rüberkommt, sind die Emotionen”, so Glattauer.

Stimmt: An Emotionen, egal welcher Form, mangelt es “Geschenkt” nicht. Da darf Thomas Stipsits nach allen Regeln der Kunst den vollbärtigen, meist leicht angetrunkenen Plassek verkörpern, geht in Wutausbrüchen auf, driftet in Tagträume ab und himmelt die Lehrerin von Manuel (Tristan Göbel) an. Dieser Sohn einer Bekannten von Plassek wurde bei ihm geparkt, was keinem der beiden wirklich schmeckt. Nicht nur in diesem Zusammenspiel punktet die Komödie von Regisseur Daniel Prochaska, der damit seinen Erstling abliefert, mit Timing und viel Gespür für skurrile Einfälle.

Die Spendenserie, über die Plassek berichtet und die immer Einrichtungen aus seinen Meldungen trifft, dient dabei als Anker, wenngleich das Zwischenmenschliche sukzessive in den Fokus rückt. “Der Film ist wahnsinnig lustig und sozialkritisch”, meinte Glattauer. “Man muss das nicht zum Thema Nummer 1 machen. Trotzdem kommt es in die Sinne der Zuseher hinein. Es kommt auf subtile Weise etwas heraus, was mir politisch wichtig ist. Nie hat mich jemand als einen politischen Schreiber eingeschätzt, das wird auch nicht mehr so sein. Aber diese Dinge kommen dennoch im Film vor.”

Stipsits hat die Buchvorlage bereits vor Jahren gelesen, die “Stadtkomödie” weicht nun in einigen Aspekten davon ab. “Deshalb habe ich es jetzt auch nicht mehr in die Hand genommen, sondern mich an das Drehbuch gehalten. Wir haben sehr viel geprobt für diesen Film, was oft gar nicht so üblich ist”, gab der Kabarettist und Schauspieler zu bedenken. “Wir hatten eine sehr lange Vorbereitungszeit, in der wir viel über Gerold Plassek gesprochen haben. Das hat sich dann insofern bezahlt gemacht, als es am Set gar keine Diskussionen mehr über die Figuren gegeben hat – auch die anderen nicht. Dadurch spielt man freier.”

Einen wichtigen Anteil hatte auch der Bart, den sich Stipsits stehen ließ. “Diese optische Veränderung macht schon etwas mit dir”, schmunzelte er. “Auch wenn man privat ist, man zieht sich langsam diesen Plassek-Mantel an. Ich habe mich dann oft ertappt bei Gesprächen, dass ich überlegt habe: Was würde der Plassek jetzt sagen? Meine Frau war dann aber schon froh, als der Bart weg war”, lachte Stipsits. “Aber ich habe wirklich selten einen so tiefgründigen Charakter gespielt. Der Film ist zwar lustig, hat aber auch viele leise, emotionale und berührende Momente. Da ist das Eis sehr dünn, dass man es nicht verkitscht.”

Ein eigentlich grantiger Typ, der fast schon mit dem Leben abgeschlossen hat, dann aber plötzlich das Gute in sich und anderen entdeckt? Ganz so einfach ist die Rechnung bei Plassek nicht, aber mit allerlei Hilfe und vielen Zufällen kommt er wieder in die richtige Bahn. Eine Figur, die Glattauer sehr interessiert hat. “Es ist doch unheimlich langweilig, wenn die Typen immer so gut sind. Jeder kennt sie. Wir sind doch ständig mit unseren eigenen Schwächen konfrontiert und wollen sie überspielen. Helden geben uns das Gefühl, dass sie das nicht haben – zu ihnen kann man aufblicken. Aber näher rückt die Person zu einem, wenn sie auch schwach sein kann. Meine Figuren zeigen teils sofort ihre Schwächen, die Stärken kommen erst später. Das ist doch reizvoller.”

Und so sind auch die restlichen Charaktere – von Julia Koschitz als Lehrerin Rebecca bis zu den Freunden von Plassek – in ihrer Schusseligkeit und Verpeiltheit extrem glaubhaft und liebenswürdig. Auch Maria Happel kann mit einem Kurzauftritt als Schuldirektorin glänzen. Dennoch: “Geschenkt” gehört in erster Linie Stipsits, der sicherlich eine seiner besten Leistungen abliefert. Und Tristan Göbel, den man vom Kinoerfolg “Tschick” kennt, harmoniert bestens mit seinem österreichischen Kollegen. So wird aus “Geschenkt” wirklich ein vorweihnachtliches Fernseh-Geschenk.

Von: apa