Dolores O'Riordan wollte ihren Hit "Zombie" neu einsingen

Trauer um Cranberries-Sängerin O’Riordan

Dienstag, 16. Januar 2018 | 16:47 Uhr

Die Polizei in London geht beim unerwarteten Tod der Cranberries-Sängerin Dolores O’Riordan nicht von einem Verbrechen aus. Die 46-Jährige wurde am Montag in einem Hotel in der britischen Hauptstadt leblos aufgefunden. Sie wollte mit der US-Band Bad Wolves eine Neuauflage ihres Hits “Zombie” aufnehmen. Der Fall werde aber als “nicht verdächtig” behandelt, teilte Scotland Yard am Dienstag mit.

Die Todesursache solle nun von der zuständigen Behörde ermittelt werden. Die irische Band The Cranberries hatte sich von dem plötzlichen Tod ihrer Frontfrau geschockt gezeigt. “Wir sind am Boden zerstört angesichts des Todes unserer Freundin Dolores. Sie war ein außergewöhnliches Talent, und wir fühlen uns sehr privilegiert, von 1989 an Teil ihres Lebens gewesen zu sein, als wir die Cranberries gründeten”, hieß es in einer Mitteilung der Gruppe am Montagabend auf Twitter. Die Welt habe eine “echte Künstlerin” verloren.

Cranberries-Sängerin Dolores O’Riordan wollte kurz vor ihrem Tod eine neue Version ihres Hits “Zombie” aufnehmen. Das teilte die Hardrock-Band Bad Wolves, die den Song neu interpretiert hat, am Montagabend auf Facebook mit. “Wir sind schockiert und traurig über die Nachricht von Dolores’ Tod, wenige Stunden bevor sie ihre Stimme für unsere Version von ‘Zombie’ aufnehmen wollte”, schrieb die Band.

Bad-Wolves-Leadsänger Tommy Vext schrieb, die amerikanische Band hätte sich geehrt gefühlt, dass O’Riordan die “Zombie”-Version der Band mochte und dazu singen wollte. “Es war das größte Kompliment, das eine neue Band, oder jede andere Band in so einem Fall bekommen konnte.”

Der Musikproduzent Dan Waite, ein Freund der Verstorbenen, sagte, O’Riordan habe ihm kurz vor ihrem Tod eine Sprachnachricht hinterlassen, in der sie von der “Zombie”-Version der Bad Wolves geschwärmt habe. Sie habe gesagt, dass sie sich auf die Aufnahme freue. “Sie klang so voller Leben, machte Witze und freute sich darauf, meine Frau und mich diese Woche zu sehen”, sagte Waite.

Die Cranberries aus der beschaulichen irischen Hafenstadt Limerick verkauften in den 90er-Jahren weltweit Millionen Tonträger. Das Lied “Zombie” aus dem Jahr 1994 blieb vor allem wegen O’Riordans Gesangs (“In your head, in your head / zombie, zombie”) ein Ohrwurm. In dem Song geht es um den jahrzehntelangen blutigen Nordirlandkonflikt, der im selben Jahr mit einem Waffenstillstand ein vorläufiges Ende fand. Die wehklagende Stimme O’Riordans schien nicht nur auf der von der Gewalt zermürbten irischen Insel einen Nerv zu treffen.

Irlands Regierungschef Leo Varadkar würdigte O’Riordan als “Stimme einer Generation”. “Für jeden, der in den 90ern in Irland aufgewachsen ist, waren die Cranberries eine Kult-Band, die die Lebensangst der Teenager-Jahre auffing”, sagte Varadkar einer Mitteilung zufolge. Bereits am Montag hatte Irlands Präsident Michael D. Higgins mitgeteilt, O’Riordans Tod sei ein “großer Verlust” für alle, die “irische Musik, irische Musiker und die darstellenden Künste begleiten und unterstützen”.

“Sie hatte die erstaunlichste Stimme und Präsenz. Ich bin so traurig zu hören, dass sie gestorben ist”, schrieb der aus Großbritannien stammende US-Talkshow-Moderator James Corden auf Twitter. “Wir sind bedrückt, die Nachrichten vom Tod Dolores O’Riordans zu hören. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie in dieser schrecklichen Zeit”, teilte die englische Pop-Band Duran Duran mit.

Die Karriere der Cranberries begann Anfang der 90er-Jahre mit dem Song “Dreams”. Mit dem zweiten, mehrfach mit Platin ausgezeichneten Album “No Need to Argue” und der Single-Auskopplung “Zombie” gelang den vier Musikern der internationale Durchbruch. Im Jahr 2003 kündigten die Cranberries an, eine Pause einzulegen. O’Riordan verfolgte verschiedene Soloprojekte, bevor sie sich 2009 wieder mit den anderen Mitgliedern zusammentat. 2012 erschien das Album “Roses”, im April vergangenen Jahres veröffentlichte die Band ihre jüngste Platte “Something Else”.

Eine geplante Tournee musste die Band aber wegen Rückenproblemen O’Riordans kurzfristig absagen. Das schien sich zu Ende des Jahres gelegt zu haben. Noch kurz vor Weihnachten teilte die Sängerin auf der Facebook-Seite der Band mit, wie sehr ihr das Auftreten Freude mache. “Fühle mich gut!”, schrieb sie. Sie hinterlässt drei Kinder.

Von: APA/dpa/ag.