Johan Botha wurde nur 51 Jahre alt

Trauer um Startenor Johan Botha

Donnerstag, 08. September 2016 | 14:56 Uhr

Groß ist am Donnerstag die Trauer der Opernwelt über die Nachricht, dass mit Johan Botha einer ihrer prominenten Vertreter verstorben ist. Der gebürtige Südafrikaner, der seit 1998 die österreichische Staatsbürgerschaft besaß, verstarb am Donnerstag im Alter von 51 Jahren in Wien an seiner schweren Krankheit. Er zählte seit Jahren zu den zentralen Künstlern der Wiener Staatsoper.

“Wir hatten uns so auf seine Rückkehr als Calaf gefreut, nachdem ihm seine schwere Krankheit nicht erlaubt hatte, im Frühjahr ‘seine’ Turandot-Premiere zu singen”, zeigte sich Staatsopern-Direktor Dominique Meyer betroffen von der Todesnachricht: “Johan Botha war weltweit einer von wenigen Spitzentenören in seinem Fach – und bis zuletzt einer der wichtigsten Sänger unseres Hauses.” Die offizielle Verleihung des Titels als Ehrenmitglied des Hauses am Ring hatte aufgrund der Erkrankung des Publikumslieblings nicht mehr stattfinden können.

Auch Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) streute dem Wahlwiener am Donnerstag Rosen: “Johan Botha war ein wahrer Weltkünstler mit enormer Strahlkraft. Er begeisterte mit einer der eindrucksvollsten Stimmen der Opernwelt und in stets echter Bescheidenheit das Publikum in unterschiedlichsten Rollen.” ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter schrieb in einer Aussendung: “Wir werden diesen wunderbaren Künstler in Erinnerung behalten.” FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz verwies auf das wohltätige Engagement des Künstlers: “Johan Bothas großes Herz zeigte sich auch bei ungezählten Auftritten zu karitativen Zwecken. Mit ihm geht ein Aushängeschild der österreichischen Kulturnation von uns.”

Dabei war eigentlich nicht absehbar, dass der Lebensweg Johan Botha nach Österreich führen sollte, stammte der später umjubelte Startenor doch aus dem südafrikanischen Rustenburg, wo er am 19. August 1965 geboren wurde. Dennoch fand Botha, der in der frühen Jugend mit Gesangsunterricht begonnen hatte, seinen Weg an die Weltspitze, als er 1990 nach Europa wechselte.

Nach ersten Stationen in Kaiserslautern und weiteren deutschen Städten, sang er 1993 an der Pariser Opera Bastille in Puccinis “Madama Butterfly” – sein Durchbruch. Es folgten bald Engagements an der Berliner Komischen Oper und der dortigen Staatsoper, bevor er in Wien reüssierte. Zunächst war Johan Botha an der Volksoper zu hören, bevor er am 20. Februar 1996 seinen Einstieg an der Wiener Staatsoper feierte – als Mario Cavaradossi in Puccinis “Tosca”. Die Bindung an das Haus am Ring sollte Botha bis zu seinem Tode begleiten, stieg er doch hier mit seinem klaren Timbre und der verlässlichen Höhenlage zum Publikumsliebling auf, der alleine unter der Direktion Ioan Holender in acht Neuproduktionen zu hören war, darunter Strauss’ “Die Frau ohne Schatten” (1999) oder Wagners “Parsifal” (2004).

So war der Sänger ungeachtet des Erfolgs rund um den Globus in Wien tief verwurzelt, hatte er doch im zarten Alter von 37 Jahren den Titel des Österreichischen Kammersängers erhalten und 1998 gemeinsam mit seiner Familie die österreichische Staatsbürgerschaft erworben. Überraschend ereilte den Künstler die Nachricht einer schweren Erkrankung im Vorjahr. Botha sagte sine Verpflichtungen ab, um sich dem Kampf gegen die Krankheit zu widmen. Die Rückkehr auf die Bühne im vergangenen Juni in Budapest und München war jedoch trügerisch. Nach einer Reise in seine alte Heimat Südafrika und einem letzten Konzert in Kapstadt brach die Erkrankung wieder aus. In den frühen Morgenstunden des heutigen Donnerstag erlag Johan Botha schließlich seinem Leiden.

Von: apa

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