Da kommt ein Sturm auf Trump zu

Trump lässt Affäre mit Pornostar Stormy Daniels dementieren

Dienstag, 27. März 2018 | 11:51 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat nach Darstellung des Weißen Hauses kein Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels gehabt. Trump habe dies “deutlich, klar und beständig bestritten”, sagte Trump-Sprecher Raj Shah am Montagnachmittag in Washington. Die 39-Jährige hatte zuvor behauptet, mit Androhung von Gewalt zum Schweigen über die Affäre gebracht worden zu sein.

Shah trat der Darstellung entgegen, die Schauspielerin sei bedroht worden. “Es gibt nichts, was diesen Vorwurf stützt”, sagte Trumps Sprecher. Daniels – die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt – hatte im Sender CBS am Sonntagabend (Ortszeit) in der Sendung “60 Minutes” von Moderator Anderson Cooper berichtet, sie habe 2006 ein einziges Mal Sex mit dem Immobilienmogul und TV-Star gehabt. Als dann 2011 ein Interview mit ihrer Schilderung der Affäre vor der Veröffentlichung gestanden habe, sei sie auf einem Parkplatz in Las Vegas von einem Mann bedroht worden.

Dieser habe sie gewarnt: “Lass Trump in Ruhe, vergiss die Geschichte”, sagte Clifford. Dann habe er ihre kleine Tochter angesehen und gesagt: “‘Das ist ein hübsches kleines Mädchen. Es wäre schade, wenn ihrer Mama etwas zustoßen würde'”. Die Drohung habe ihr einen großen Schrecken eingejagt, erzählte Clifford. Deshalb habe sie sich auch nicht an die Polizei gewandt.

Sie habe in der Vergangenheit aus Furcht vor Konsequenzen über die Affäre geschwiegen, sagte Daniels im Interview der CBS-Sendung “60 Minutes”. “Ich hatte Angst”, sagte die Schauspielerin. Sie beharrte darauf, dass sie 2006 eine Affäre mit Donald Trump hatte – kurz nachdem dessen Frau Melania den gemeinsamen Sohn Barron zur Welt gebracht hatte. Sie habe Trump nach seiner Frau gefragt, sagte die Pornodarstellerin. Er habe aber nur kurz geantwortet: “Mach Dir keine Gedanken, wir haben getrennte Zimmer.” Auch habe er sie damals nicht um Geheimhaltung gebeten.

Mit einem Magazin, dessen Titelseite Trump abgebildet haben soll, habe sie ihm den Hintern versohlt, erzählte Clifford. Er habe zu ihr gesagt: “Wow, du, du bist besonders. Du erinnerst mich an meine Tochter.” Sie habe Trump wenig attraktiv gefunden, sagte Stormy Daniels.

Nach dem angeblichen kurzen Abenteuer blieb Clifford nach eigenen Angaben bis 2007 mit Trump in Kontakt. Er habe ihr gesagt, er wolle sie in seiner TV-Show “The Apprentice” unterbringen. Doch dazu kam es nie.

Vier Jahre später habe sie dann gegen Zahlung von 15.000 Dollar (12.149,68 Euro) dem Magazin “In Touch” ein Interview über ihre Beziehung zu Trump zugesagt, sagte Clifford. Kurze Zeit danach soll der Vorfall auf dem Parkplatz stattgefunden haben.

Das Magazin verzichtete damals auf Veröffentlichung des Interviews. Der Grund war laut CBS, dass Trumps Anwalt Michael Cohen mit einer Klage gedroht hatte. Anfang diesen Jahres veröffentlichte “In Touch” das Interview aber dann doch. Deshalb waren viele Details der angeblichen Affäre schon vor Cliffords jetzigem TV-Interview bekannt.

Daniels’ Anwalt Michael Avenatti, der seit Tagen nimmermüde durch TV-Sendungen pendelt, winkte jüngst mit einer CD in die Kameras – so als wollte er Trump zeigen, es gebe Videoaufnahmen, die das Volk besser nicht zu sehen bekomme.

In dem TV-Interview schilderte die Frau, dass sie wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl 2016 ein Schweigegeld in Höhe von 130.000 Dollar von Trumps persönlichem Anwalt Cohen angenommen habe. Sie habe sich an die Drohung des Unbekannten Jahre zuvor erinnert, nichts über die Affäre verlauten zu lassen, sagte Clifford, deshalb habe sie auch die Schweigevereinbarung mit Cohen unterzeichnet.

Das Weiße Haus dementierte die Darstellung der 39-Jährigen am Montag. Der Präsident habe die Vorwürfe immer wieder entschieden und deutlich bestritten, sagte dessen Sprecher Raj Shah. Trump glaube nicht, dass die Aussagen der Darstellerin aus dem Interview richtig seien, fügte er hinzu. Es gebe nichts, was die Behauptungen bestätige.

Daniels wies in dem Gespräch mit “60 Minutes” darauf hin, dass sie im Laufe der Zeit Magazin-Angebote erhalten habe, die ihr weitaus mehr Geld hätten einbringen können als die 130.000 Dollar. “Ich habe nicht einmal verhandelt”, sagte sie über die von Cohen angebotene Summe. Das allein schon beweise, dass sie nicht aus Opportunismus oder Geldgier gehandelt habe. Auch mehrere Dementi der Affäre habe sie nur aus Angst unterzeichnet, sagte Clifford. “Ich fühlte mich eingeschüchtert. (…) Und ich wusste nicht, was ich tun sollte.”

Die Affäre um Stormy Daniels ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Problemen, die der US-Präsident mit Frauen aus seiner Vergangenheit hat. Auch das Ex-Playmate Karen McDougal will an gleicher Stelle – in einem Hotel am Lake Tahoe in Kalifornien – mit Trump intim gewesen sein. Er habe versucht, sie für den Sex zu bezahlen, sie habe abgelehnt. Insgesamt 19 Frauen behaupten, Sexualkontakte mit Trump gehabt zu haben – nicht in allen Fällen soll der Sex den Klagen zufolge im Konsens erfolgt sein.

Die in ihrer Branche über Jahre hinweg äußerst erfolgreiche Pornodarstellerin und -regisseurin Clifford betonte, dass sie nur einmal Sex mit Trump gehabt habe. Das sei völlig freiwillig geschehen, auch wenn sie sich nicht zu ihm hingezogen gefühlt habe. Sie sei kein Opfer gewesen.

Ob sich der Präsident das Interview anschaute, blieb unklar. Sein Sprecher wich Fragen danach aus. Trump war am Sonntagabend allein von einem Familienwochenende auf seinem Anwesen in Florida ins Weiße Haus zurückgekehrt. First Lady Melania hält sich mit dem Sohn Barron, der Schulferien hat, weiter dort auf – “der Tradition entsprechend”, wie das Weiße Haus betonte.

Das Interview war groß angekündigt worden. Das “Wall Street Journal” hatte im Jänner über die mutmaßliche Schweigevereinbarung berichtet – seitdem lässt das Thema Trump nicht mehr los. In konservativen Medien, wie etwa Trumps Haussender Fox News, werden Stormy Daniels und andere als Lügnerinnen beschimpft. In sozialen Netzwerken hagelt es Kraftausdrücke und Obszönitäten zumindest gegen einen Teil der Frauen.

Trumps Anwalt Cohen gab bereits zu, Clifford rund eine Woche vor der Wahl die 130.000 Dollar aus eigener Tasche bezahlt zu haben – weder direkt noch indirekt sei die Trump Organization oder Trumps Wahlkampflager an der Zahlung beteiligt gewesen oder habe ihn dafür entschädigt. Die Zahlungen erfolgten nach Medienberichten über eine Scheinfirma, die er zuvor gegründet hatte.

Am Montag ließ Cohen der Schauspielerin eine Unterlassungsaufforderung zukommen. Daniels solle sich für ihre Andeutungen entschuldigen, Trump stecke hinter gegen sie erhobene Drohungen, heiße es in dem Schreiben des Anwalts von Cohen, wie der Sender Fox News am Montag berichtete. Zudem solle Daniels künftig “falsche und verleumderische Erklärungen” über Cohen unterlassen.

Großes Interesse gibt es an der Frage, ob mit der Schweigegeldzahlung Gesetze zur Wahlkampffinanzierung gebrochen wurden – und ob Trump selber dabei eine Rolle spielte.

Clifford zog kürzlich vor Gericht, um die Vereinbarung zu kippen. Sie argumentiert, dass diese nie gültig gewesen sei, da Trump persönlich sie nicht unterzeichnet habe. Cohen droht ihr im Gegenzug mit massiven Schadensersatzforderungen – eine Million Dollar für jeden Vertragsbruch. Zusammen mit Trump will er zudem erreichen, dass der Rechtsstreit nicht in einem öffentlichen Prozess, sondern in einem Schlichtungsverfahren hinter geschlossenen Türen entschieden wird.

Auf die Frage des Starreporters Anderson Cooper, warum sie jetzt alles an die Öffentlichkeit bringen wolle, antwortete Clifford unter anderem: “Es ist nicht okay für mich, als Lügnerin dargestellt zu werden.” Sie wolle sich verteidigen.

Von: APA/ag./dpa

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