Larry Clark hat die Jugend im Blickfeld

Underground-Filmer Larry Clark wird 75

Freitag, 19. Januar 2018 | 10:22 Uhr

Die provokante Kunst von Larry Clark ist eine Gratwanderung. In seinen Arbeiten beschreibt der Fotograf und Regisseur (u.a. “Kids”), der am 19. Jänner 75 Jahre alt wird, ungeschminkt und realistisch das Leben von Teenagern zwischen Drogen, Sex und Gewalt. Seine direkten und ungeschönten Einblicke in die Jugendkultur haben ihm immer wieder den Vorwurf der Pornografie eingebracht.

“Natürlich geht es auch um Sex, das gehört nun mal zum Leben”, sagt Larry Clark, der den Vorwurf der Pädophilie aber weit von sich weist. Er zeige die Jugendlichen nicht, weil es ihn errege, sondern eher, weil er sich wünsche, an ihrer Stelle zu sein. “Manche Fotos sind anstößig. Kunst ist eben anstoßend”, meint die Ikone der Subkultur.

Ein Paar, das sich in der Badewanne liebt, schwangere Junkies, Masturbation oder nackte Teenager, die sich einen Schuss setzen – für Larry Clark gibt es kein Tabu. Mit Voyeurismus aber hat das nichts zu tun, denn Larry Clark war nie nur der ferne Beobachter, der Künstler wollte auch immer Teil der Jugendkultur sein, die er durch seine Linse sah.

Seinen Durchbruch hatte Larry Clark mit seinen Underground-Fotos der Serie “Tulsa” (1971), benannt nach seiner Heimatstadt – verstanden als eine “Sozialfotografie ohne Anklage und Vollständigkeitsanspruch” (Manfred Hermes). Kids in ihrem natürlichen Umfeld ohne romantische Verklärung.

“Als ich die Fotos zu ‘Tulsa’ machte, wollte sich niemand vorstellen, dass die wohlerzogenen Kids von Oklahoma irgendetwas mit Drogen zu tun hatten”, sagte Larry Clark. Oder dass sie einfach auch nur Sex hatten. Ein drastischer Blick hinter den vordergründig schönen Schein der amerikanische Jugend. Immer aber auch ein sympathischer Blick.

Durch ein Video für Chris Isaak (“Solitary Man”) kam Larry Clark schließlich zum Film. In zwei Wochen drehte er den Film “Kids” (1995) ab, in dem es um Sex, Drogen und Aids geht. “Kids”fühlte sich gefährlich an, schrieb das Magazin” Rolling Stone” über den Film, in dem Chloë Sevigny einen HIV-positiven Teenager spielte. Rosario Dawson (“Sin City”) spielte ebenfalls mit – für beide sollte es der Beginn einer großen Karriere werden.

“Als 15-Jähriger war ich selbst in der Gosse. Ich war Junkie, ich hab’ geklaut. Ich bin sehr vertraut mit dieser Welt und wollte endlich einen realistischen Film darüber machen”, sagte Clark.

Ein Anti-Hollywood- und Anti-Teenager-Film wurde auch “Bully – Diese Kids schockten Amerika” (2001), in dem sich eine Gruppe von Jugendlichen gegen ihren sadistischen Peiniger zur Wehr setzt und ihn in einer Kiesgrube umbringt. Bald bekommt die Polizei von dem stümperhaft ausgeführten Mord Wind.

Einen letzten Triumph als Filmemacher erlebte Larry Clark 2012 beim internationalen Filmfestival in Rom, wo er mit “Marfa Girl” den Hauptpreis gewann. Die Themen: Sex, Drogen und Gewalt – angesiedelt in der Skaterszene, die in Clarks Filmen schon immer eine große Rolle spielte. Erst mit 47 Jahren hatte er sich selbst das Skateboardfahren beigebracht.

Inzwischen ist der “Punk-Picasso” auch als Maler aktiv. Seine abstrakte Bilderserie “Heroin” war im letzten Jahr unter anderem in einer Pariser Galerie zu sehen.

Von: APA/dpa