Blumen zur Erinnerung in der Horst-Schimanski-Gasse

“Unersetzlicher Verlust”: Trauer um Schauspieler Götz George

Montag, 27. Juni 2016 | 16:00 Uhr

Trauer um Götz George: Prominente aus Politik, Film und Fernsehen haben den mit 77 Jahren gestorbenen Schauspieler als Ausnahmekünstler und großen Charakterdarsteller gewürdigt. “Sein Tod ist ein unersetzlicher Verlust für die Fernseh- und Kinokunst im ganzen deutschsprachigem Raum”, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Montag.

George war bereits am 19. Juni nach kurzer Krankheit gestorben, wie seine Agentin am späten Sonntagabend in Berlin mitteilte. Für Millionen Fernsehzuschauer war er vor allem der raubeinige “Tatort”-Kommissar Horst Schimanski aus dem Ruhrgebiet. In 32 Jahren verkörperte er diese Rolle 48 Mal, im Fernsehen und auf der Kinoleinwand. Er glänzte aber auch als Charakterdarsteller in vielen Spielfilmen.

“Wir verlieren mit Götz George einen großen deutschen Charakterschauspieler”, sagte sein Schauspieler-Kollege Armin Mueller-Stahl. “Für mich war er der Beste, den wir hatten.” “Er war so großzügig, lustig, talentiert”, sagte Denise Virieux (52), die über 20 Jahre lang die Geliebte von TV-Ermittler Schimanski spielte, dem Hörfunksender hr1. “Seine Energie ist charakteristisch für ihn.” Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte George einen “Ausnahmekünstler, der mit seinem vielseitigen, tiefgründigen und intensiven Spiel über Jahrzehnte Millionen von Menschen im In- und Ausland die Abgründe und Hintergründe unserer Gesellschaft offen legte”.

Götz Georges letzter großer Auftritt im deutschen Fernsehen ist für den 3. Oktober vorgesehen. Am Tag der Deutschen Einheit wird das Erste das im vergangenen Jahr produzierte und bisher noch nicht gesendete Drama “Böse Wetter” erstmals ausstrahlen, wie die Programmdirektion in München am Montag mitteilte. In dem Krimidrama zur deutsch-deutschen Vergangenheit spielt George einen zwielichtigen Unternehmer.

Eine seiner berühmtesten Kinorollen hatte der gebürtige Berliner als homosexueller Massenmörder Fritz Haarmann in “Der Totmacher” von 1995. In Satiren wie “Schtonk!” oder “Rossini” zeigte George sein komödiantisches Talent. 2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt. Sechs Jahre später spielte er im TV-Drama “George” seinen eigenen Vater Heinrich, der wegen seiner Schauspieler-Karriere in der Nazi-Zeit umstritten war.

“R.I.P. Götz George”, rief Schauspieler Matthias Schweighöfer dem Verstorbenen auf Facebook nach – übersetzt: Ruhe in Frieden. Schauspielerin Veronica Ferres twitterte: “Scheisse, tut das weh.” Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow, sagte: “Götz George war ein Gigant des deutschen Films.”

2014 wurde Götz George mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Juli wäre er 78 Jahre alt geworden. Sein Privatleben hielt George immer weitgehend unter Verschluss. Auch die Nachricht von seinem Tod wurde erst mit siebentägiger Verzögerung an die Öffentlichkeit gegeben. “Götz George hat sich eine Verabschiedung im engsten Kreis gewünscht”, hieß es in der Mitteilung der Agentin. Von weiteren Nachfragen solle aus Rücksicht auf die Privatsphäre abgesehen werden. Die “Bild”-Zeitung berichtete, George sei in Hamburg im Kreis der Familie beigesetzt worden. Dazu wollte die Agentin keine Angaben machen.

Von: apa