Dem TV-Star droht eine lange Haftstrafe

Urteilsfindung im Prozess gegen Bill Cosby zieht sich hin

Freitag, 16. Juni 2017 | 16:24 Uhr

Was geschah an jenem Abend im Jänner 2004 zwischen Bill Cosby und Andrea Constand? Das Verhältnis der beiden ist im Prozess gegen den Schauspieler bis ins letzte Detail zerpflückt worden. Der Jury, die nun ein Urteil fällen muss, scheint die Sache nicht leicht zu fallen.

Die Jury im bisher einzigen Strafprozess gegen US-Entertainer Bill Cosby (79) wegen sexueller Nötigung sucht seit Tagen erfolglos nach einem Urteil. Eigentlich hatten die Geschworenen Richter Steven O’Neill erklärt, sich nicht einigen zu können. Nachdem er sie aufforderte, einen neuen Anlauf zu starten, zogen sie sich in Norristown im Staat Pennsylvania erneut zurück. Am Freitag begannen die fünf Frauen und sieben Männer den mittlerweile fünften Tag ihrer insgesamt mehr als 40-stündigen Beratungen in dem Fall.

Es ist nicht unüblich, dass Geschworene in Strafprozessen in den USA zunächst zu keinem einstimmigen Urteil kommen, sich dann aber doch noch einigen. Löst sich das Patt aber nicht, endet das Verfahren als ergebnisloser sogenannter “mistrial” (fehlerhaft geführter Prozess). Staatsanwaltschaft Kevin Steele müsste dann innerhalb von vier Monaten entscheiden, ob er den Fall mit einer neuen Jury neu verhandeln lassen will. Geäußert hat er sich dazu bisher nicht.

Bis zu einer Neuauflage des Prozesses würde Cosby wohl auf freiem Fuß bleiben. Er hat eine Kaution von einer Million Dollar (897.000 Euro) gezahlt. Sein Sprecher Andrew Wyatt bezeichnete das Patt in der Jury als ein Zeichen für Cosbys Unschuld. Auch den Geschworenen sei klar, dass die Beweise in dem Fall einfach nicht schlüssig seien, sagte Wyatt am Donnerstag am Gerichtsgebäude Medienberichten zufolge.

Das noch nicht endgültige Patt sei keinerlei Bestätigung für Cosbys Unschuld, sagte dagegen Anwältin Gloria Allred. Sie vertritt die rund 60 weiteren Frauen, die dem 79-Jährigen ebenfalls sexuellen Missbrauch vorwerfen. Cosbys Kontakt zu diesen Frauen ist aber nicht Teil des laufenden Prozesses. Da diese Fälle verjährt wären, kann er dafür auch nicht mehr strafrechtlich belangt werden. “Das ist nicht das Ende. Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist”, sagte Allred.

In dem Prozess geht es um die Frage, ob Cosby die Klägerin Andrea Constand an einem Abend im Jahr 2004 sexuell missbraucht hat. Bei Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft. Auf jeden der drei Anklagepunkte steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Richter O’Neill könnte Cosby diese im Fall einer Verurteilung aber gleichzeitig absitzen lassen und in seinem Strafmaß auch andere Faktoren berücksichtigen.

Cosbys Verhältnis zu den mehr als 50 weiteren Frauen, die ihm Sexualdelikte vorwerfen, sind bis auf eine Ausnahme nicht Teil des Verfahrens. Weil diese Fälle verjährt sind, kann Cosby dafür auch nicht mehr strafrechtlich belangt werden. Cosby sagte selbst nicht aus, seine Aussagen aus einem Zivilprozess von 2005 und 2006 wurden aber als Beweismittel zugelassen. Darin hatte er erklärt, der Sex mit Constand sei einvernehmlich geschehen.

Von: APA/dpa