"Mundl"-Darsteller muss den Runden im Lockdown feiern

Viel mehr als “Mundl” und Bockerer: Karl Merkatz ist 90

Dienstag, 17. November 2020 | 12:09 Uhr

Erst kürzlich war er im ORF unter jenen Prominenten, die über ihren “goldenen Herbst” sprachen. Für Karl Merkatz bedeutet das u.a., sich an seinen gelernten Beruf zu entsinnen und zu tischlern. Den Österreichern hat er sich freilich weniger als Tischler denn als Fleischhauer Karl Bockerer und als Elektriker Edmund “Mundl” Sackbauer eingeprägt: zwei raue, aber herzliche Proletarier. Am 17. November feiert der legendäre Schauspieler seinen 90. Geburtstag.

Geboren wurde Karl Merkatz 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt. Schon als Kind war er vom Theater fasziniert und spielte in einer Laiengruppe, doch auf Wunsch seiner Eltern, “ein richtiges Handwerk” zu erlernen, machte er zunächst eine Tischlerlehre. Nach absolvierter Lehre ging er nach Zürich und verfolgte von dort sein Ziel, Schauspieler zu werden.

Nach Schauspielunterricht unter anderem in Wien begann er ein Studium am Mozarteum in Salzburg, das er 1955 mit Auszeichnung abschloss. Seine ersten Bühnenengagements hatte Merkatz am Kleinen Theater in Heilbronn und am Salzburger Landestheater. In Heilbronn lernte er auch seine Frau Martha Metz kennen, mit der er seit 1956 verheiratet ist. Danach ging er für einige Jahre nach Deutschland, wo er an den Städtischen Bühnen Nürnberg, an den Bühnen der Stadt Köln, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Thalia Theater und den Münchner Kammerspielen arbeitete.

In seinen über 150 Bühnenrollen spielte Merkatz vor allem Nestroy-, Raimund- und Shakespeare-Figuren, aber eines seiner Lieblingsstücke ist bis heute Becketts “Warten auf Godot”. Am Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen 2005 war er in “König Ottokar” zu sehen und gab im selben Jahr im “Jedermann” den armen Nachbar. Merkatz wirkte auch in Operetten mit und gastierte in Hamburg ebenso wie an der Niederländischen Oper Antwerpen.

1993 spielte er erstmals in einer Musicalrolle am Stadttheater Klagenfurt als “Der Mann von La Mancha” und später am Theater an der Wien als Milchmann Tevje in “Anatevka”. 2009 gab er seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt – sein großer Wunsch, einmal den “König Lear” zu spielen, ging nicht in Erfüllung.

Nachdem er ab 2008 erfolgreich sein Kabarettprogramm “Der Blunzenkönig” auf die Bühne brachte, kam das Stück 2015 mit Merkatz in der Hauptrolle auch in die heimischen Kinos – beileibe nicht der einzige Leinwandauftritt des Vielseitigen.

Im Lauf seiner Karriere war Merkatz in mehr als 250 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Den Durchbruch und seinen bis heute prägenden Auftritt hatte er in Reinhard Schwabenitzkys “Ein echter Wiener geht nicht unter”. Die Rolle des “Mundl” wurde zu einer der populärsten Fernsehfiguren der Zweiten Republik und machte Merkatz zu einem der beliebtesten Schauspieler. 2008 fand die Erfolgsgeschichte der Sackbauers mit dem Film “Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga” eine erfolgreiche Fortsetzung, der sich 2010 “Echte Wiener 2 – Die Deppat’n und die Gspritzt’n” anschloss.

Seine zweite Leibrolle wurde die des “Bockerer” in Franz Antels gleichnamiger Filmreihe. Für die Rolle als Franz Bockerer wurde der Jubilar 1982 mit dem Filmband in Gold und dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet. Für “Anfang 80” schließlich erhielt er 2013 unter anderem den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Aber auch von offizieller Seite gab es zahlreiche Ehrungen, etwa das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, die Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien oder 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

“So bin ich”, heißt seine 2005 erschienene Autobiographie (Styria Verlag), “Ein Schamerl braucht vier Haxen” war der Titel seiner 2015 von Christoph Frühwirth aufgezeichneten Erinnerungen (Amalthea Verlag). Zum umfangreichen ORF-Schwerpunkt zum 90er gehört auch ein von Günter Kaindlstorfer gestaltetes Ö1-“Hörbild”. “Das Wort ,Karriere’ existiert in meinem Wortschatz nicht”, sagt Merkatz dort. “Mir ist es immer darum gegangen, zu arbeiten, Menschen zu unterhalten, ihnen, so gut es geht, eine Freude zu bereiten. Manchmal ist mir das, so hoffe ich, gelungen.”

Von: apa

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