Stefan Zweig floh vor den Nazis

Vier “Stolpersteine” vor Stefan Zweigs Villa verlegt

Freitag, 19. August 2016 | 14:03 Uhr

Beim ehemaligen Wohnsitz des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig auf dem Kapuzinerberg in der Stadt Salzburg sind am Freitag vier sogenannte Stolpersteine verlegt worden. Sie sollen an den Autor, dessen Gattin Friederike und deren zwei Töchter erinnern. Zweig hatte das Haus von 1919 bis 1934 bewohnt, ehe er ins Ausland ins Exil floh.

“… Mit wem haben wir dort nicht herzliche Stunden verbracht, von der Terrasse hinausblickend in die schöne und friedliche Landschaft, ohne zu ahnen, dass gerade gegenüber auf dem Berchtesgadener Berg der eine Mann saß, der all dies zerstören sollte?”, erinnerte sich Zweig später an seine Zeit in Salzburg, das er dann auch als “größte Nazi-Stadt” bezeichnete.

Zweig floh 1934 vor dem Nationalsozialismus nach London, später nach New York und 1941 nach Brasilien, wo er sich nach einem halben Jahr gemeinsam mit seiner zweiten Frau Lotte am 23. Februar 1942 das Leben nahm. Die Villa auf dem Kapuzinerberg hatte er 1937 verkauft, der Erlös wurde aber von den Nazis genauso beschlagnahmt wie sein übriges Vermögen. Und auch Friederike Zweig verlor ihr Vermögen an die neuen Machthaber: Sparguthaben, Wertpapiere, Familienschmuck, Tafelgeschirr, Möbel, Teppiche, Bilder, Bibliothek, etwa 600 Bücher und Manuskripte, teils mit Widmungen Stefan Zweigs, sowie das Gästebuch des Hauses Kapuzinerberg 5.

Friederike Zweig – die Ehe mit Stefan wurde 1938 geschieden – verließ nach der Machtergreifung der Nazis 1938 mit den beiden Töchtern ebenfalls Österreich, hielt sich zunächst in Frankreich auf und floh 1940 über Spanien und Portugal in die USA, wo sie 1971 starb. Ihre beiden Töchter sind inzwischen ebenfalls tot, sie starben 1986 bzw. 1998 in den USA.

“Stolpersteine” sollen an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Roma und Sinti, politisch Verfolgten, Zwangsarbeitern und Euthanasie-Opfern erinnern. Mit dem Projekt richtet sich der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 1996 gegen das Vergessen an die Opfer des Nationalsozialismus. Seither wurden in 18 europäischen Ländern über 56.000 Steine (Stand Juni 2015) verlegt. In Salzburg gibt es zurzeit 310 derartige Gedenksteine, gestern und heute wurden 46 weitere verlegt.

Von: apa

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