Die Debütantinnen sind seit Beginn in Weiß gekleidet

Vom Reifrock zum Puffärmel: Die Opernball-Robe im Wandel

Freitag, 26. Januar 2018 | 08:18 Uhr

Mit Pailletten bestickte Stoffe, weit schwingende Röcke und lange Schleppen: Im Mittelpunkt des Opernballs, der in knapp zwei Wochen wieder in der Staatsoper über die Bühne geht, stehen immer auch die Roben der Ballbesucherinnen. Silhouette und Stil haben sich im Lauf der Jahrzehnte gewandelt. Der strikte Dresscode blieb seit den Anfängen des Balls bestehen: großes, langes Abendkleid ist Pflicht.

Die Tanzveranstaltung findet seit 1935 unter dem heutigen Namen in der Wiener Staatsoper statt. Doch bereits 1877 lud Kaiser Franz Josef zur Hofopern-Soiree in das Haus am Ring. Damals war die sogenannte Tournüre in Mode – ein Reifrock, der das Kleid über dem Gesäß mit Hilfe von Halbgestellen aus Stahl, Fischbein oder Rosshaar aufbauschte. Die schmale Taille wurde durch ein Korsett geformt.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wurde 1921 die erste Opernredoute abgehalten. In den 1920er-Jahren war ein androgyner Look gefragt. Das Korsett wich gerade geschnittenen Kleidern. Auch wenn zu jener Zeit kürzere Kleider in Mode kamen, waren auf den großen Bällen bodenlange Kleider Vorschrift. Häufig verlängerten Fransen den Saum bis zum Boden. Im Haar wurden Stirnbänder und Strassschmuck getragen, erzählt Regina Karner, Leiterin der Modesammlung des Wien Museums, im Gespräch mit der APA.

Im Gegensatz zu den 1920er-Jahren, “wo sämtliche weibliche Formen weggeschnürt” wurden, ging man in den 1930ern wieder zu körperbetonten Kleidern über. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Opernball erstmals am 9. Februar 1956 wieder statt. Die 50er-Jahre brachten Bustierkleider ohne Träger mit weit ausgestelltem Rock. In die Kleider waren Mieder eingearbeitet, die für eine schmale Taille sorgten, erzählt Karner. In den 60ern wurde die Silhouette schmäler. Zum Tanzen eigneten sich aber die schwingenden Röcke besser: “Die Frauen, die gerne viel getanzt haben, haben alle eher weite Röcke getragen. Einen Walzer im engen Kleid zu tanzen, ist nicht angenehm.”

In den 1970er-Jahren waren große Muster gefragt, in den 80er-Jahren hatten die Kleider dann häufig weite Puffärmel. Bis in die 1970er war es außerdem üblich, lange Handschuhe zum Ballkleid zu tragen. Das sieht man mittlerweile selten, bedauert Karner. “Ich finde es eigentlich schade. Denn ein langer Handschuh gibt dem Kleid, der ganzen Erscheinung noch den letzten Schliff.” Nur die Debütantinnen sind auch heute noch mit über die Ellenbogen reichenden Handschuhen ausgestattet. Die jungen Frauen, die den Ball eröffnen, sind seit Beginn des Opernballs in Weiß gekleidet. Schon seit den 1950er-Jahren tragen sie außerdem ein funkelndes Krönchen von Swarovski.

Auch bei der Ballmode der Männer hat sich seit den Anfängen des Balls nicht viel verändert. Am Opernball herrscht seit jeher Frackzwang.

Gewandelt haben sich dagegen die Frisuren der Frauen: In den 1920ern kam der berühmte Bubikopf auf, in den 30ern wurde das Haar in glänzende Wellen gelegt. Während es in den 1950er- und 1960er-Jahren wichtig war, dass die Frisur möglichst korrekt saß, konnten die Haare in den 70ern offen getragen werden.

Auch die Stoffe, aus denen die Ballkleider genäht wurden, änderten sich im Lauf der Zeit, sagt Karner. Früher wurde schwere Seide oder Spitze getragen, heutzutage bestehen die Roben oft aus synthetischen Stoffen.

Heuer sind übrigens weit schwingende Röcke mit einem zierlichen Oberteil im Trend. Während in den vergangenen Jahren auf Spitze, Pailletten und Opulenz gesetzt wurde, sind heuer auch gemusterte Stoffe in Mode. Hoch im Kurs stehen Silber-, Bronze- und Goldtöne. Lange Haare werden in dieser Saison besonders gerne in einem Chignon im Nacken getragen.

Von: apa