Grönemeyer appelliert an die Politiker

Was Herbert Grönemeyer bei “Wir schaffen das” vermisste

Freitag, 09. November 2018 | 12:15 Uhr

Politiker sollten aus Sicht von Sänger Herbert Grönemeyer (62) ihr Handeln besser erklären. In einem Interview des Magazins “Boa”, das am Samstag erstmals erscheint, sagte er: “Die Wiedervereinigung wurde in Windeseile durchgezogen, ohne einen richtigen Plan zu haben. (…) Als die Geflüchteten nach Deutschland kamen, war es ähnlich.”

“Von oben hieß es ‘Wir schaffen das’, aber eine Idee, wie man es schaffen könnte und was das für jeden Einheimischen bedeutet, die wurde nicht vermittelt”, sagte Grönemeyer weiter. “Das haben zu großen Teilen die Freiwilligen gestemmt.”

“Männer”-Sänger Grönemeyer, der zuletzt bei der großen Berliner “Unteilbar”-Demonstration ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt hatte, warnte erneut vor Ausgrenzung: “Ich habe die Sorge, dass Deutsche mit Migrationshintergrund, deren Eltern oder Großeltern einst eingewandert sind, die in vielen Fällen ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht haben, dass die plötzlich anders angeguckt werden. (…) Das macht mich wild. Diese Menschen sind genauso deutsch wie jeder “Bio-Deutsche”, Ich-Deutsche, Wer-auch- immer-Deutsche. Wir alle sind Deutsche.”

Das “Boa”-Gespräch wurde gemeinsam mit Fußballprofi Jerome Boateng (30) geführt, der das neue Lifestyle-Magazin herausbringt. Der in Berlin geborene Boateng sagte in dem Interview: “Ich spüre, dass viele Leute ihre Mitmenschen wieder mehr in Schubladen stecken: Eine für die Deutschen, eine für die Migranten. Und die Deutschen, deren Eltern vielleicht ausländische Wurzeln haben und die nicht weiß sind, sich aber völlig deutsch fühlen, weil sie hier aufgewachsen sind, werden wieder skeptischer angeschaut.”

Von: APA/dpa

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