Für diese Ohrfeige wird Smith lange auf die Oscars verzichten müssen

Will Smith für zehn Jahre von Oscar-Gala ausgeschlossen

Samstag, 09. April 2022 | 10:51 Uhr

Für Will Smith (53) bleibt die Oscar-Bühne zehn Jahre lang gesperrt: Nach dem Ohrfeigen-Eklat bei den Academy Awards wird der Schauspieler nun bis 2032 von Oscar-Verleihungen und anderen Academy-Events ausgeschlossen. Weder virtuell noch persönlich dürfe Smith an Veranstaltungen teilnehmen, gab der Filmverband am Freitag in Los Angeles bekannt. Diese Regelung soll ab sofort gelten. “Ich akzeptiere und respektiere die Entscheidung der Academy”, teilte Smith umgehend mit.

Der Academy-Vorstand hatte am Freitag hinter verschlossenen Türen getagt, um über Konsequenzen für das gewalttätige Verhalten des Hollywoodstars zu beraten. Dem “Board of Governors”-Gremium gehören 54 Filmschaffende an, darunter Oscar-Preisträger wie Steven Spielberg, Laura Dern und Whoopi Goldberg.

Zwölf Tage zuvor hatte Smith mit einem Gewaltausbruch vor einem Millionenpublikum Gäste in Hollywoods Dolby Theatre und an den Bildschirmen schockiert. Wutentbrannt stürmte er auf die Bühne und verpasste dem Komiker Chris Rock eine Ohrfeige, nachdem dieser einen Witz über Smiths Ehefrau Jada Pinkett gemacht hatte. Darin ging es um ihren kahlgeschorenen Kopf, die Schauspielerin leidet unter krankhaftem Haarausfall. Von seinem Platz aus legte Smith dann noch mit derben Schimpfworten nach.

Die Oscar-Nacht am 27. März hätte eigentlich ein Höhepunkt seiner Karriere sein sollen. Denn nur kurz nach dem Eklat wurde Smith für seine Rolle in dem Tennisdrama “King Richard” zum besten Hauptdarsteller gekürt, sein erster Oscar-Gewinn. In seiner Dankesrede rang sich Smith eine Entschuldigung ab, die an die Zuschauer und die Academy gerichtet war, nicht aber an Rock.

Der Filmverband leitete wenig später ein Disziplinarverfahren ein. Dem Schauspieler drohte etwa der Ausschluss aus dem Verband. Dem kam Smith zuvor, als er am vergangenen Freitag seinen Austritt aus dem Verband bekanntgab. Sein Verhalten sei “schockierend, schmerzhaft und unentschuldbar” gewesen, schrieb der Oscar-Preisträger in einer Mitteilung. Er habe das Vertrauen der Filmakademie missbraucht.

Der Oscar-Vorstand äußerte sich am Freitag auch selbstkritisch. Sie hätten in der Gala-Nacht nicht angemessen reagiert. Dazu gab es ein Dankeschön an Chris Rock, dass er “unter diesen außergewöhnlichen Umständen” die Fassung bewahrt habe, hieß es in der Mitteilung.

Der Akademie gehören über 10.000 Filmschaffende an, darunter Schauspieler, Regisseure und Produzenten. Die meisten davon stimmen jedes Jahr über die Oscar-Gewinner ab. Dieses und andere Mitgliedsprivilegien stehen Smith nun nicht mehr zu. Nach langjähriger Academy-Tradition werden Oscar-Preisträger im Folgejahr zu der Gala eingeladen, um auf der Bühne Trophäen zu überreichen. Die zehnjährige Sperre für Smith verhindert dies nun.

In Hollywood war eine Debatte über die angemessene Strafe für Smith entbrannt. Hätte die Akademie etwa seinen Oscar zurückfordern sollen? Die Aberkennung einer Oscar-Trophäe ist in der Geschichte des Verbands erst einmal vorgekommen. 1969 traf es wegen einer Formsache den Dokumentarfilm “Young Americans”. Die Auszeichnung wurde zurückgenommen, denn der Film war vor dem erlaubten Zeitraum bereits im Kino gezeigt worden.

Auch ein Ausschluss aus der Akademie hat Seltenheitswert. 2017 wurde Filmproduzent Harvey Weinstein nach Missbrauchsvorwürfen aus dem renommierten Verband ausgeschlossen, er sitzt eine langjährige Haftstrafe ab. 2018 traf es den Komiker Bill Cosby nach einem Schuldspruch wegen sexueller Übergriffe und Regisseur Roman Polanski für ein Sexualdelikt in den 70er-Jahren. Die Oscar-Preisträger Weinstein und Polanski sind aber weiterhin im Besitz ihrer Trophäen.

Smith könnte während der zehnjährigen Eventsperre erneut für einen Oscar nominiert werden. Doch es ist fraglich, ob Hollywood den Ohrfeigen-Ausraster schnell verzeiht. Wie geht es nun mit seiner Filmkarriere weiter? Das Branchenportal “IMDB.com” listet mehrere Projekte in Vorbereitung auf, darunter “Bad Boys 4”. Als Produzent und Hauptdarsteller wirkte Smith zuletzt an dem Sklaventhriller “Emancipation” unter der Regie von Antoine Fuqua (“Equalizer”) mit. Der Streamingdienst Apple TV+ soll über 100 Millionen Dollar für die weltweiten Rechte gezahlt haben. Der Film ist im Kasten, ein Starttermin ist aber noch nicht bekannt.

Von: APA/AFP

Kommentare

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13 Kommentare auf "Will Smith für zehn Jahre von Oscar-Gala ausgeschlossen"


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Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
1 Monat 17 Tage

Und was bekommt der Moderator für die Beleidigung von Smiths Ehefrau?

giesskanne
giesskanne
Neuling
1 Monat 17 Tage

Genau. Wie viele Mobbing – Opfer begehen Selbstmord, weil sie ständig beleidigt werden!

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage
Das gleiche wie für alle anderen harmlosen Scherze bisher, die von der Regie abgesegnet wurden: Einschaltquoten. “Jada, I love you: G.I. Jane 2 – Can’t wait to see it” Wo ist hier eine Beleidigung? Das ist eine “mach das Beste daraus” Aussage. Da ist nichts beleidigendes, sie hat’s nur in den falschen Hals gekriegt. Nur wenn man beleidigt sein WILL, ist man das auch. Und das sag ich als Glatzenträger als Folge der selben Krankheit. Die Dame ist durch die Talkshows gezogen und hat ständig über ihre Glatze gejammert. Dass das mal jemand anderes auch erwähnt, ist doch wohl mehr… Weiterlesen »
Untermoaser
Untermoaser
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

in den Usa isch des awia onderst zem konnsch du jeden dorhoasn wia du willsch. Drüben konnsch niamand wegn Beleidigung unzoagn zem zählt des olls zu Meinungsfreiheit. Gleich wia ba denn “Scherz”.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Neumi Eines gebe ich aber zu bedenken. Du kannst es ab, sie nicht. Ja, du hast Recht, es war eigentlich ne normale Verarsche die ein in der Öffentlichkeit stehender Künstler ab haben…. .
Aber die drakonische Strafe finde ich trotz der übertriebenen Reaktion von Smith nicht ok
Immerhin haben sie Abstand davon genommen ihm den Oskar abzuerkennen. Das wäre definitiv zu viel gewesen!
Wie es aussieht, haben alle, inklusive Smith Einsehen und damit ok

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Untermoaser Wenn mans dahingehend beurteilen möchte, dann ist es so , dass ich bei bin Beleidigungen auch keine Anzeigen beführworte, allerdings bei der kleinsten Gewalt Tat zu grösseren Strafen tendiere. Aus einem Grund, Gewald wird weniger bestraft als Diebstahl oder Raub. Aber nur darum .. Was ist wichtiger, Leib und Leben oder Geld?

Untermoaser
Untermoaser
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

@N. G. wos willschn du schun wieder von mein Leben. Kommentar hot wieder mol gor nix mit meinen zu tian ober sell kennt man fa dir jo 🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 14 Tage

@N. G. Ich gebe zu bedenken, dass sie damit durch Talkshows zieht und ich nicht.

Schnauzer
Schnauzer
Superredner
1 Monat 16 Tage

Und ich fände es gerecht wenn auch der “Georfeigte” für seinen geschmacklosen Scherz gegenüber einer Kranken sanktioniert würde!!
Meine Sympathie gilt Will der hinter seiner Frau steht!!!

Offline1
Offline1
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Schnauzer..würde man Alle, die sich öffentlich geschmacklos über Kranke, Alte und Behinderte äußern, durch “Aussperren” sanktionieren, käme auch hier die Eine oder der Andere nicht mehr zu Wort.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage

Er hätte ihn ja auf Twitter zurückbeleidigen können.

Aber tätlich werden … der Großteil von uns Tirolern denkt wohl immer noch so.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

@Neumi Hätte er tun können. Hätte ich persönlich aber als schäbig empfunden. Gerade in der heutigen Zeit.
Statement nach 3 Tagen, ein vielleicht sehr böses hätte mehr gebracht!

Heino
Neuling
1 Monat 17 Tage

Richtig so.

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