Brian Wilson gastiert am 20. Juli in der Wiener Stadthalle

Wilson über “Pet Sounds”: “Hat den Test der Zeit bestanden”

Montag, 26. Juni 2017 | 09:15 Uhr

“Pet Sounds” von den Beach Boys gilt als eines der besten Popalben aller Zeiten. Im vergangenen Jahr wurde das Meisterstück von Brian Wilson, der die Songs aufgenommen hatte, während seine Bandkollegen auf Tour waren, 50 Jahre alt. Am 20. Juli präsentiert der Amerikaner das Werk live in Wien. “Diese Lieder machen mich stolz”, sagte der 74-Jährige im APA-Interview.

Musikhistoriker wie Fans stellen “Pet Sounds” seit Jahrzehnten in eine Reihe mit “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” von den Beatles. “Und ich freue mich darauf, das Album den Besuchern in angemessener Weise vorzustellen”, betonte Wilson, auf sein Konzert in der Stadthalle F angesprochen. Neben “Pet Sounds”, Hits und Raritäten bringt der Miterfinder des Surf-Sounds seine ehemaligen Beach-Boys-Kollegen Al Jardine und Blondie Chaplin mit nach Wien.

Die vielen Lobeshymnen auf seine Arbeit versteht Wilson als “großes Kompliment”. “Es gibt so viele Musiker rund um den Globus, die durch das Hören von ‘Pet Sounds’ gelernt haben, wie man Alben macht. Ich weiß, dass diese Platte viele Leute beeinflusst hat”, meinte Wilson. Paul McCartney etwa war davon so begeistert, dass er später jedem seiner Kinder ein Exemplar schenkte – zu Erziehungszwecken. “Ich glaube, niemand ist musikalisch reif, bevor er nicht dieses Album gehört hat”, begründete der Ex-Beatle die Maßnahme.

Mentale Probleme, Drogen, von der Band fallen gelassen – für Brian Wilsons Leben war sein Song “Good Vibrations” nicht immer der geeignete Soundtrack. Aber das Musikgenie hat zurückgefunden. An die Arbeit für “Pet Sounds” erinnert er sich heute gerne zurück: “Es war, als wäre es gestern gewesen. Es war ein großartiges Erlebnis. Das Album hat sich bei seinem Erscheinen nicht gleich so gut wie unsere anderen Platten verkauft, aber es hat den Test der Zeit bestanden, das ist sicher.”

Die Beach Boys hatte Wilson noch auf der High School mit seinen jüngeren Brüdern Dennis und Carl, dem Cousin Mike Love und dem gemeinsamen Freund Alan Jardine geformt. Sie schafften es, zwei Dutzend Hits in die Top 40 zu bringen. Feel-Good-Lieder waren Wilson, der sich immer mehr vom Bandleader zum Produzenten entwickelte hatte, irgendwann zu wenig.

Als die vier anderen Beach Boys auf eine Asien-Reise gingen, begann der damals 24-Jährige daheim eine musikalische Reise durch seine Fantasie und Imagination. Dabei kamen reife Melodien und vielschichtige Arrangements heraus, mit Akkordeon, Banjo und selbst mit Glockenspiel, Fahrradklingeln und Hundegebell. 16 Songs waren mit Studiomusikern schon fertig eingespielt, als die Gruppe zurückkehrte. Nur noch deren Gesang musste aufgenommen werden.

Über Streit und Zwist innerhalb der Beach Boys wurden inzwischen Bücher geschrieben. Auf die Frage, ob Spannungen zwischen Musikern die Kreativität befeuern, antwortete Wilson knapp: “Nein, das glaube ich nicht.” Lieber spricht der Sänger, Musiker und Produzent über sein nächstes Projekt: “Ich werde ein Rock-and-Roll-Album aufnehmen, ein Tribut an die Größten.” Zuvor aber kann man “Pet Sounds” vielleicht zum letzten Mal in voller Länge vom Meister selbst inszeniert live erleben.

Von: apa

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