Flip, Laima und DJ Dan haben immer noch Spaß an der Musik

“Wir sind uns treu geblieben”: Hip-Hop-Band Texta ist 30

Samstag, 16. September 2023 | 10:15 Uhr

Jubiläen gehören gefeiert. Deshalb hat die Hip-Hop-Institution Texta Freitagabend zur großen Sause in die Wiener Arena geladen. Anlass war das 30-jährige Bestehen der Linzer Band, die mit Alben wie “Gediegen”, “Blickwinkel” oder “Nichts dagegen, aber” die heimische Musiklandschaft maßgeblich mitgestaltet hat. “Uns war klar, dass wir das zelebrieren wollen”, meinte Philipp “Flip” Kroll vor dem Gig, bei dem etlichen Weggefährten vorbeischauten. Eine Familienangelegenheit.

Im Frühjahr 1993 brachte ein erster gemeinsamer Track die Sache ins Rollen – schön langsam. Denn die vier Rapper Flip, Harald “Huckey” Renner, Klaus “Laima” Laimer und Martin “Skero” Schlager ließen noch ein Jahr verstreichen, bis der erste Auftritt folgte. Zu diesem Zeitpunkt stieß auch Daniel Reisinger als DJ Dan zur Gruppe, und Texta waren komplett. Doch: Rap auf Deutsch? Das war gar nicht so naheliegend, wie es heute vielleicht scheinen mag.

“Ich war ein Hip-Hop-Head, spielte aber eigentlich in Gitarrenbands”, erinnerte sich Flip im APA-Gespräch. Allen voran US-amerikanischer Rap wurde gefeiert, selbst mit englischen Texten zum Mikrofon greifen kam allerdings nicht in Frage. “Nein, das kommt nicht cool.” Erst als in Deutschland langsam Bewegung in die noch junge Szene kam, schwappte der Trend Anfang der 1990er auch nach Österreich. Advanced Chemistry mit Torch und Toni-L, beide zur 30er-Party geladen, gehörten mit zu den Ersten. “Wir sind dann nach München gefahren und haben gemerkt, dass sich da was tut. Okay, dann rappen wir eben. Kann ja so schwierig nicht sein”, lachte Flip, der auch als Produzent von Texta fungiert.

Gesagt, getan. Innerhalb weniger Jahre entstand eine deutschsprachige Rapcommunity, man kannte und mochte sich. “Hip-Hop in den 90ern war definitiv ein Familiending. Überall gab es kleine, familiäre Strukturen, du hast dich auf jedem Jam getroffen”, unterstrich Flip. “Das war eine sehr spezielle Zeit, da kommt alles her.” Dementsprechend wollte man diesen Aspekt für die Jubiläumsshows – am heutigen Samstag gibt es im Linzer Posthof ein Heimspiel als Nachschlag – in den Fokus rücken. “Es gab ursprünglich 1.000 Ideen”, erzählte Laima. “Machen wir es noch größer? Oder mit dem Brucknerorchester zum Bruckner-Jahr 2024? Oder mit Band? Aber eigentlich ist es cooler, wenn wir einfach wir sind in der jetzigen Dreier-Konstellation.”

Denn aus dem ursprünglichen Texta-Quintett ist seit einigen Jahren ein Trio geworden. Skero, der sich sukzessive auf seine Solokarriere und andere Projekte konzentrierte, stieg vor zehn Jahren aus. 2018 folgte dann mit dem Ableben von Huckey ein Schicksalsschlag, den die Band nur schwer überwinden konnte. “Da haben wir lange damit gehadert: Kann man weitermachen, sollen wir weitermachen – und vor allem wie?”, sinnierte Flip. “Das hat die Band tatsächlich an die Kippe gebracht.”

Letztlich entschied man sich aber für den Weg nach vorn. Mit “Mehr oder weniger” folgte 2021 ein neues Album, das den alten Zeiten ebenso huldigte wie es neue Türen aufstieß. Ungewohntes Terrain haben Texta ohnehin nie gescheut, vom Musiktheater “Max ‘n Morizz” über Soundtracknummern bis zu den als Buch veröffentlichten “Texta-Chroniken”. All das sei aber immer organisch passiert, “nie aus Kalkül”, unterstrich DJ Dan. Österreichischer Rap war eben immer ein wenig anders, wie Flip rückblickend festhielt. “Nicht so dogmatisch wie deutscher Rap. Der hat ein paar Jahre gebraucht, bis er sich locker gemacht hat. Deswegen feiern die heute auch noch Sachen wie Yung Hurn oder Moneyboy, weil sich die nichts scheißen. Wir in Österreich haben offenbar die Qualität des kleinen Wahnsinns”, lachte der Musiker. “Wir machen Sachen, die sich andere vielleicht nicht trauen.”

Bleibt die Frage, wie man musikalisch in Würde altern kann, wie es Flip vor zwei Jahren im Track “Ka hoibe Soch” anriß. “Wir sind uns treu geblieben”, meinte DJ Dan, und Kollege Laima pflichtete bei: “Solange du dich nicht verbiegst. Wenn du dich mit 50 noch nicht akzeptiert hast, dann hast du eh ein großes Problem”, sprach er die Selbstwahrnehmung an. Für ihn stehe einfach der Spaß am Musikmachen im Vordergrund. “Ob dir da zehn Leute oder mehr zuhören, ist letztlich nicht so relevant. Wir haben das Glück, dass uns immer noch Leute sehen und hören wollen – auch wenn die wilden Zeiten vorbei sind.”

Apropos Zeiten: Heuer werden nicht nur 30 Jahre Texta, sondern 50 Jahre Hip-Hop generell gefeiert, nahm doch alles 1973 bei einer kleinen Block Party in der New Yorker Bronx seinen Lauf. Flip war jüngst drei Wochen in den USA, um an den dortigen Feierlichkeiten zum Jubiläum teilzunehmen. “Das ist einfach ein wichtiges Kulturgut und wird mittlerweile auch als solches wertgeschätzt. In kleiner Form sind wir das vielleicht auch. Deswegen geniere ich mich auch nicht, dass ich mit 50 immer noch mit Baseballcap herumrenne und mit dem Mic auf der Bühne stehe. Ich lebe diese Hip-Hop-Kultur und kann das auch weitergeben. Vielleicht lassen sich die Kids auf die alten Säcke ein und sehen: Aha, so kann man eine Show auch machen.” Eines steht jedenfalls fest: Die Geschichte von Texta ist noch lange nicht auserzählt.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

INFO: www.texta.at

Von: apa

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