Die Toten Hosen waren natürlich dabei

Zehntausende bei Konzert gegen Fremdenhass in Chemnitz

Dienstag, 04. September 2018 | 11:10 Uhr

Zehntausende Menschen haben am Montagabend auf einem Open-Air-Konzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Fremdenhass und Gewalt gesetzt. Die Stadt sprach von schätzungsweise 50.000 Besuchern. Mehrere Musiker und Bands, darunter die Toten Hosen, Marteria sowie Kraftklub hatten die Veranstaltung nach den Ausschreitungen in der sächsischen Stadt auf die Beine gestellt.

Das Konzert unter dem Motto #wirsindmehr begann mit einer Schweigeminute für den 35-jährigen Daniel H., der vor gut einer Woche in Chemnitz durch Messerstiche getötet wurde. Anschließend war es wiederholt zu Demonstrationen rechter Gruppierungen gekommen, es gab auch Angriffe auf Ausländer. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft.

In einem zuvor auf Facebook veröffentlichten Aufruf fordern die Initiatoren Solidarität mit jenen Ausländern, die insbesondere nach dem Tod des Mannes angegriffen wurden. Zugleich wandten sie sich gegen eine Instrumentalisierung der Tat durch die Rechten.

Unmittelbar vor dem Konzert forderten die beteiligten Musiker Unterstützung für diejenigen Menschen, die sich tagtäglich gegen Rechts engagieren. Es sei “wichtig zu zeigen, dass man nicht allein ist”, sagte Felix Brummer von der Chemnitzer Band Kraftklub am Montag vor Journalisten. Das Problem Rechtsextremismus werde “leider morgen nicht weg sein”.

Campino von den Toten Hosen sagte, es gehe bei dem Konzert nicht nur darum, Musik zu hören, sondern sich “solidarisch zu erklären mit denen, die hierbleiben, die den Kampf jeden Tag durchziehen”. “Alles, was Anstand hat”, müsse sich gegen den rechten Mob stellen.

Der aus Rostock stammende Rapper Marteria fühlte sich an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen von 1992 in Rostock-Lichtenhagen erinnert. Er habe jahrelang damit zu kämpfen gehabt, dass Rostock als “Nazi-Stadt” abgestempelt gewesen sei. “Mir geht es darum, dass die Leute, die aus Sachsen, aus Chemnitz sind, auch sagen können: “Hey, ich bin aus Chemnitz”, ohne dass gesagt wird: “Ah, musst Du also ein Nazi sein.””

Eine vom Pegida-Ableger Thürida für Montagabend geplante Gegenveranstaltung lehnte die Stadt Chemnitz aus Platzgründen ab, wie es offiziell hieß. Zudem wurden nach Polizeiangaben jegliche Spontandemonstrationen untersagt.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte die Unterstützung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für das Konzert. Steinmeier hatte den Hinweis dazu auf Facebook geteilt. Kramp-Karrenbauer sagte dem Fernsehsender “Welt”, sie finde das “sehr kritisch”. Sie verwies darauf, dass die Rostocker Punkband Feine Sahne Fischfilet, die ebenfalls in Chemnitz mit dabei war, 2011 im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern als linksextremistisch aufgeführt wurde. Medienberichten zufolge hat sich die Gruppe inzwischen von früheren Texten etwa zu Gewalt gegen Polizisten distanziert.

Von: APA/ag.