Anne-Marie in ihrem Element

Zweiter Tag beim Frequency mit “Triple-A”-Finale

Samstag, 20. August 2022 | 07:13 Uhr

Ohne Unterbrechungen durch Unwetter und bei fast gemäßigten Temperaturen hatten am zweiten Tag des Frequency-Festivals wieder die Musiker auf den drei Bühnen das alleinige Sagen in St. Pölten. Auf dem Space Stage, der zentralen Spielfläche, gab es mit der britischen Pop-Sängerin Anne-Marie und den beiden deutschen Acts AnnenMayKantereit (AMK) und Apache 207 ein “Triple-A”-Finale und somit einen stilistischen Mix aus Pop, Deutschrock und -rap.

Für sportlich motivierte Besucher wurde kurz vor 18.00 Uhr zudem die Möglichkeit auf eine Runde “Techno Yoga” angeboten. Die Räume vor den Stages waren um diese Uhrzeit bereits recht gut gefüllt und auf der Hauptbühne erwies sich der US-Rapper G-Eazy als ein erster Publikumsmagnet. Auf der Space Stage war es jedoch schon drei Stunden zuvor mit Blanks losgegangen. Neben dem 25-jährigen niederländischen YouTube-Popper folgte die Berlinerin Dilla als Opener auf der Green Stage, während indoor die Red Bull Stage von den Glueboys in Betrieb genommen wurde.

Auf dieser gab es mit dem dritten Act, den Nova Twins aus London, dann auch gleich das erste Highlight des Tages zu sehen und zu hören: Die als Gitarristin und Sängerin agierende Amy Love elektrisierte das Publikum zusammen mit Bassistin Georgia South, obwohl der Auftritt anfangs erst einmal von einer Rückkopplung unterbrochen wurde. Diese betraf jedoch nur die Gitarre und nachdem ein Drummer das Duo unterstützte, überbrückte South mit ihrem wummernden Saiteninstrument die technischen Notfallmaßnahmen. Rap und Rock mit punkiger Note lieferten die Nova Twins dann in einer Form, die im “Guardian” als “mindblowing blast of distorted noise-pop” beschrieben wurde und auch live zündete.

Mit ihrem zweiten Album “Supernova” sind die beiden energetischen Damen gut im Rennen, gab es dafür doch eine Nominierung für den Mercury Prize und gute Kritiken seitens der Musikpresse. Auf dem Frequency lieferten sie reine Energie – da wäre vielleicht auch eine der beiden großen Bühnen der richtige Platz für die Twins gewesen. Auf der Space Stage war die Aufwärmphase inzwischen aber ohnehin ebenfalls vorbei, dafür verantwortlich war der US-Rapper G-Eazy. Der Kalifornier konnte im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern den Raum vor der Bühne endlich ordentlich füllen, doch die Hauptacts des Tages sollten in Form eines “Triple-A” erst noch folgen.

Erste des finalen Trios am Freitag war die britische Pop-Sängerin Anne-Marie, die unter anderem mit der Negativ-Version des Stevie Wonders Welthits “I Just Called to Say I Love You” für Furore sorgt. Die 31-Jährige erschien bestens gelaunt und nach ihrem “Psycho” prüfte sie das Publikum, dass auch tatsächlich eine textsichere Gesangseinlage bei “Rockabye” bieten konnte – ein gelungener Auftakt einer Darbietung von Pop bis Grime, auf die dann leichter Regen folgte, doch das Wetter sollte halten.

Nun waren die Deutschrocker mit dem etwas spröden Namen AnnenMayKantereit (AMK) an der Reihe und der musikalische Beitrag der Kölner Band wurde mit noch größerer Begeisterung aufgenommen. Ein Markenzeichen der Band ist des Sängers Henning Mays raues Organ, ein weiteres die etwas einfach gehaltenen Texte, die von Erdbeerkuchen und Heimweh erzählen – dazu Gitarren und Blasinstrumente, die mal lauter und mal leiser als Begleitung dienten. Schon zum Debütalbum “Alles nix Konkretes” vor sechs Jahren fragte sich die “Zeit”, ob die jungen Leute “so etwas” verdient hätten. Heute in St. Pölten zeigten diese, dass sie Textzeilen, bei denen sich “wohn’n” auf “Balkon” und “Brötchen hol’n” reimen auch weiterhin zu schätzen bereit sind.

Finalist Apache 207 war rein körperlich der größten Act des Tages und zudem konnte der zwei Meter große Deutschrapper mit türkischen Wurzeln vor zwei Jahren mit seinem Track “Roller” einen Streaming-Rekord in seiner Heimat landen. Mit weißen Unterhemd und Jeans war der Mann aus Ludwigshafen dann am heutigen Tag angetreten und rappte zu geschwinden Beats unter anderem von einem “Ferrari Testarossa”, der Song gleichen Titels und dem Refrain “In einem Ferrari Testarossa, Ferrari Testarossa” zündete jedoch nicht wirklich.

Beim Frequency 2022 wird der Apache in Sachen Deutsch-Rap wohl die “Zwischenlösung” bleiben, zu schwach wirkte seine Live-Präsenz und nach RAF Camora am ersten Tag wartet zum Abschluss am Samstag auch Young Hurn auf. Die Party hatte sich indes wieder in die Innenräume verlagert und mit dem Londoner EDM-Performer Wilkinson bekam diese einen äußerst veritablen Auftakt.

Von: apa

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