15 Prozent der Südtiroler betroffen - Tendenz steigend

Allergien auf dem Vormarsch

Samstag, 25. April 2015 | 14:44 Uhr

Bozen – 15 Prozent der Südtiroler leiden an einer Allergie, Tendenz steigend. "Der Polleninformationsdienst der Landesumweltagentur, der seit über 20 Jahren besteht, ist ein vorbildlicher, unverzichtbarer Dienst am Bürger und ein wichtiges Vorsorgeinstrument", sagte Landesrat Richard Theiner am Freitag bei einer Pressekonferenz zur Pollenerhebung im Biologischen Landeslabor in Leifers.

Die Allergien haben sich zu einer Volkskrankheit entwickelt, die erhebliche Ressourcen des Gesundheitssystems verschlingt. So leiden etwa 15 Prozent der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen an Heuschnupfen. Was zunächst harmlos scheint, kann unbehandelt zu Bronchialasthma führen und die Gesundheit schwer beinträchtigen. Nicht erst eine Behandlung sollte Anlass sein, um sich mit dem Pollenflug auseinander zu setzen. "Wer weiß, auf welche Pollen er allergisch reagiert, kann den Kontakt mit den kritischen, krankmachenden Pollen auf ein Minimum reduzieren und somit seine Leidenszeit erträglicher machen", erklärte Alberta Stenico, Direktorin des Biologischen Landeslabors, bei einer Pressekonferenz im Biologischen Landeslabor in Leifers.

"Informationen über den aktuellen Pollenflug sind in der Vorsorge von Pollenallergien unverzichtbar und Voraussetzung zur Verbesserung der Lebensqualität von Allergiepatienten", so Landesrat Theiner. Durch Verringerung von Krankheitsausfällen in Beruf und Schule sowie einen möglichst gezielten und zeitbegrenzten Einsatz von Medikamenten könnten soziale und sanitäre Kosten eingespart werden. Die Informationen zum Pollenflug sind jedoch nicht nur für Pollenallergiker nützlich, sie unterstützen auch Ärzte bei der Erstellung der Diagnose und der Auswahl geeigneter Therapien.

Und wie sieht es derzeit mit dem Pollenflug aus? Die Frühlingsluft ist besonders pollenreich, im Etschtal herrscht jetzt im April Pollenhochsaison. Nach Ostern hat das warme, windige Wetter die Blütenentwicklung und den Pollenflug begünstigt. Zahlreiche windblütige Bäumen bestimmen den Pollenflug, insbesondere Hopfenbuche, Birke, Eiche, Manna-Esche und Gemeine Esche. Außerdem fliegen bereits Pollen von Brennnesselgewächsen und Süßgräsern; letztere enthalten starke Pollenallergene, die so manchem Pollenallergiker den Mai verleiden.

Die Probenentnahme erfolgt gemäß europäischem Standard mit drei in Bozen, Schlanders und Bruneck positionierten Pollenfallen. Die in der Luft vorhandenen Pollen werden angesaugt, auf einem klebrigen Streifen gesammelt und anschließend am Mikroskop bestimmt und ausgezählt. "Dies ist besonders im Frühjahr sehr zeitaufwändig", informiert Edith Bucher, Biologin im Labor in Leifers, „aber nur so kann der Pollenwarndienst stets aktuelle Informationen und Prognosen geben."

"Der Blühbeginn der verschiedenen windblütigen Bäume und Sträucher kann sich je nach Temperaturverlauf um einige Wochen verschieben, deshalb braucht es das alljährliche, kontinuierliche Monitoring", so Bucher. Eine automatisierte Pollenflugerhebung sei noch nicht verfügbar, Forscher würden aber bereits daran arbeiten und in den kommenden Jahren ist mit Fortschritten in diesem Bereich zu rechnen.

„In den letzten zwanzig Jahren hat man sich im Biologischen Labor stets um eine rasche, umfangreiche Informationsverbreitung zum Thema Pollen und Pollenflug bemüht", so Flavio Ruffini, Leiter der Landesumweltagentur.  Im Jahr 1995 wurde der Polleninformationsdienst vom Biologischen Labor übernommen. Mittlerweile haben die Wissenschaftlerinnen am Biologischen Labor eine langjährige Erfahrung im Bereich der Pollenuntersuchungen und feiern heuer das 20 jährige Bestehen des Südtiroler Polleninformationsdienstes.

 Bereits 1999 gab es den ersten Internetauftritt des Südtiroler Polleninformationsdienstes, diese Webseiten wurden im Laufe der Jahre erneuert und ergänzt. Seit bereits fünfzehn Jahren können Bürger und Gäste die wöchentlich herausgegebenen Pollenflugberichte auf den Webseiten der Umweltagentur www.provinz.bz.it/pollen konsultieren, seit über zehn Jahren gibt es den Newsletter-Dienst und seit zwei Jahren wurde ein Webservice hinzugefügt. Das Biologische Labor verschickt wöchentlich über 3000 Pollenflugberichte (Newsletter-Dienst) an Pollenallergiker, Ärzte und interessierte Bürger. Will man den Pollenflugbericht an seine E-Mail-Adresse zugeschickt haben, kann man sich auf der angeführten Webseite gratis abonnieren. Immer wieder werden Stimmen laut, dass der Pollenflug alljährlich schlimmer wird. Wer es genau wissen will, und den heurigen Pollenflug mit jenem des Vorjahres vergleichen möchte, sollte in den botanischen Steckbriefen und im Pollenflugbericht-Archiv der Webseiten stöbern.

Von: lpa