In Südkorea werden Großeltern oft fürs Babysitten entlohnt

Babysitting-Kurse für Rentner boomen in Südkorea – VIDEO

Samstag, 12. September 2015 | 07:12 Uhr

Seoul – Mit knapp 60 Jahren noch mal die Schulbank drücken. In Südkorea wird es immer mehr zum Trend. Und zwar in Sachen Kinder-Pflege. "Ich möchte meinen Enkel großziehen. Meine Tochter und ihr Mann müssen beide arbeiten. Deswegen besuche ich seit zwei Wochen diesen Kinderbetreuungs-Kurs. Hier lerne ich wirklich nützliche Sachen. Und ich kann mich mit Gleichaltrigen austauschen."

Das Kind von Kim Jong-gabs Tochter kommt im November zur Welt. Wie er wollen immer mehr Großeltern in Südkorea auf die Enkel vorbereitet sein. Sehr viele Frauen gehen direkt nach der Geburt wieder arbeiten. Die Älteren haben frei. Und von den gibt es richtig viele. Südkoreas Bevölkerung altert am schnellsten weltweit. Die Renten sinken, Altersarmut droht. Da kommt ein Nebenverdienst gerade recht.

"Ich werde von meinem Sohn und Schwiegertochter finanziell unterstützt. Dafür passe ich auf die Enkel auf. Außerdem kann ich so meine Kinder öfter sehen. Das finde ich schön."

In Südkorea ist es nicht unüblich, dass die Großeltern fürs Babysitten entlohnt werden. Doch in naher Zukunft könnte es die Haupteinnahmequelle der Älteren werden. Nach Angaben der Regierung lebt knapp die Hälfte der Menschen über 66 heute in Armut.

Aber Geld ist nicht alles, sagt Professorin Chung Shnah. "Wenn Großeltern für ihre Dienste bezahlt werden, fühlen sie mehr Verantwortung. Andererseits sind sie oft unsicher, was die moderne Kindererziehung angeht." Hier setzt der Kurs an. Die älteren Menschen kommen auf den neuesten Stand.

"Früher gab es solche Kurse nicht. Wir haben es mit der Erziehung lockerer genommen. Heutzutage leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Ich hätte Angst, dass meine Enkelin Probleme im Kindergarten oder der Schule bekommt, wenn ich etwas falsch mache. Ich will das allerbeste für sie und hoffe, dass sie eine gute Bildung genießt."So denken viele. Die Kurse sind gefragt, im ganzen Land.

Von: Reuters