Der Tumor in der "Schaltzentrale" des Menschen

Begünstigt das Handy-Telefonieren Hirntumore?

Freitag, 05. Juni 2015 | 10:57 Uhr

Bozen – Der 8. Juni wurde im Jahr 2000 von der Deutschen Hirntumorhilfe zum weltweiten Hirntumor-Tag (World Brain Tumor Day) ausgerufen.

Anlässlich dieses Tages informiert die Südtiroler Krebshilfe über diese relativ seltene Tumorerkrankung, die in der Öffentlichkeit vor allem im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Handys diskutiert wird.

Hirntumore sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen relativ selten: In den westlichen Industrieländern tritt eine Neuerkrankung bei einem von 10.000 Einwohnern auf. Laut Gesundheitsbericht 2014 der Autonomen Provinz Bozen gab es 2014 in Südtirol 19 Fälle von Menschen, die an einem Tumor im Großhirn oder im Zentralnervensystem erkrankten. Bedeutend höher ist die Zahl der Patienten mit Hirnmetastasen, die sich infolge von anderen Krebsleiden entwickeln: Vor allem Krebserkrankungen wie Brust-, Haut-, Lungen- oder Nierenkrebs streuen häufig und siedeln im Gehirn Metastasen ab, die nicht mit einem Hirntumor zu verwechseln sind.

Begünstigt das Telefonieren mit dem Handy die Entwicklung von Hirntumoren?

Risikofaktoren und Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind überwiegend unbekannt. Nach derzeitigem Wissensstand führen weder Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, seelische Belastungen, Stress noch elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks zu einem höheren Hirntumor-Risiko. Auch besteht kein Zusammenhang zwischen Hirnverletzungen und dem Auftreten von Hirntumoren. Einzig die direkte, radioaktive Bestrahlung des Kopfes im Kindesalter steigert das Risiko, als Erwachsener an einem Hirntumor zu erkranken.

Die Forschung zu den möglichen Risiken läuft jedoch weiterhin auf Hochtouren. So gehen Wissenschaftler beispielsweise intensiv der Frage nach, ob das Telefonieren mit dem Handy die Entwicklung von Hirntumoren fördern könnte. Die vorliegenden Daten, die auffällige Häufungen von bestimmten Hirntumoren bei Vieltelefonierern (mehr als 15 Stunden im Monat) andeuten, werden von den Experten bislang kontrovers diskutiert.  Eine Vorsorge ist in jedem Fall möglich: So rät die Behörde für Strahlenschutz unter anderem, Kopfhörer oder die Freisprechanlage zu nutzen oder nur bei gutem Empfang mit dem Handy im Internet zu surfen.

Psychische Veränderungen

Eine spezifische Früherkennungsuntersuchung von Hirntumoren gibt es derzeit nicht. Besteht der Verdacht, so führen die Ärzte eine Reihe von Untersuchungen wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) durch. Für die Behandlung stehen drei Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: die Operation, die Strahlentherapie oder die Chemotherapie. Besonders belastend bei Hirntumoren sind die psychischen Veränderungen, die je nach Sitz des Tumors beim Erkrankten eintreten können. Sie reichen von Antriebslosigkeit oder vermehrter Aggression bis hin zu Sinnestäuschungen – viele Betroffene und deren Familienangehörige sprechen dabei von einer Persönlichkeitsveränderung, die sich belastend auf das gesamte Umfeld auswirken kann. Die Symptome für eine Erkrankung sind jedoch sehr vielfältig und ebenso abhängig von der Lokalisation des Tumors: Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle, Sprach- oder Sehstörungen, Krampfanfälle oder Schwindel können auf einen Tumor hinweisen, sind aber auch Folgen von anderen Erkrankungen.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen